Weltblatt für den
Kreis 1


Ein Wohnquartier erhebt seine Stimme
Altstadthaus: wie weiter?



Auf den Entscheid der Stadt Zürich, das Angebot des GZ Altstadthaus auf ein Rumpfprogramm zu kürzen, reagierte das Quartier mit einem eigenen Konzept. Soeben hat eine erste Aussprache mit den Verantwortlichen des Sozialdepartements stattgefunden.

Die Ankündigung der Stadt Zürich, das GZ Altstadthaus in die Sozialen Dienste zu überführen und dabei das Programmangebot auf das Kinderprogramm zu beschränken, hat im Quartier breiten Unmut ausgelöst. Aber dabei ist es nicht geblieben. Im Bewusstsein, dass es mit Fordern allein nicht getan ist, haben sich alle wichtigen Vereine und Interessengruppen an einen Tisch gesetzt und in einem intensiven Prozess ein Konzept zur zukünftigen Ausrichtung des Altstadthauses erarbeitet. Anfangs Dezember bot sich die Gelegenheit, das Papier gegenüber dem Sozialdepartement und dessen Vorsteher, Stadtrat Martin Waser, zu präsentieren.

Selbstbestimmter Ort
Die Position des Quartiers ist dabei klar: Der Kreis 1 ist nicht nur ein Arbeitsort, ein Zentrum kultureller Angebote, eine touristische Attraktion und eine enorm intensiv genutzte Festhütte; der Kreis 1 ist vor allem auch ein Wohnquartier. Und weil im Kreis 1 das Wohnen inmitten der Zentrumsleistungen stattfindet, befinden sich die Bewohnerinnen und Bewohner sehr oft in einer Minderheitssituation, die sich in jüngerer Vergangenheit noch verschärfte: Poststellen und Lebensmittelläden schliessen, Quartierkneipen werden zu gastronomischen Tempeln umgestaltet und die Orte, an denen sich das Quartier spontan trifft, sind immer dünner gesät. Genau deshalb ist das GZ Altstadthaus für das Quartier so wichtig und genau deshalb trifft die drastische Kürzung der städtischen Mittel die Bewohnerinnen und Bewohner im Nerv. Denn im Altstadthaus haben wir jenen als selbstbestimmt wahrgenommenen Ort, der – so klein und bescheiden er auch ist – einen grossen Beitrag an die Quartieridentität leistet.

Fordern und bieten
Den Verantwortlichen des Sozialdepartements wurde dargelegt, welch engmaschiges soziales Geflecht vom Altstadthaus ausgeht und welch grosser Schaden die kleine Einsparung in unserem Wohnquartier anrichtet. Vor diesem Hintergrund stellt das Quartier folgende zwei Forderungen: Das Altstadthaus erbringt weiterhin Angebote und Dienstleistungen, die über ein reines Kinderprogramm hinausgehen. Und es bleibt ein betreutes Haus mit Öffnungszeiten und einem vor Ort erreichbaren Team.
Dafür sprach das Quartier aber auch ein Versprechen aus: man erklärt sich bereit, die Geschicke des Altstadthauses mit dem eigenen Engagement eng zu begleiten und dazu mit der Reaktivierung des Forums Soziokultur eine geeignete Struktur zu etablieren. Unter dem Namen Forum Altstadthaus sollen sich alle betroffenen Institutionen formieren und zum Thema Altstadthaus Gesprächspartner der Stadt werden. Diese Struktur kann über einen Neustart des Altstadthauses hinaus begleitende Funktionen wahrnehmen.

Offene Ausgangslage
Wie sich die begonnenen Verhandlungen mit der Stadt entwickeln werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht voraussagen. Noch liegen die Vorstellungen weit auseinander. Immerhin zeigten beide Parteien Bereitschaft, sich mit der jeweils anderen Position ernsthaft auseinanderzusetzen.
Damit die Quartierbevölkerung weiss, mit welchen Positionen die Vertreter des Quartiers in die Verhandlungen einstiegen, kann das erarbeitete Konzeptpapier hier heruntergeladen werden:
>> Download Konzept Altstadthaus

Noch bleibt also eine leise Hoffnung, dass die Stadt die Bedeutung des Altstadthauses für unser Quartier erkennt und – um es bildlich auszudrücken – nicht durch das Herausbrechen eines kleinen Steins ein ganzes Gebäude einstürzen lässt.

Michael Schädelin



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