Weltblatt für den
Kreis 1


Quartierträgerschaft als Befreiungsschlag
GZ Altstadthaus auf gutem Weg



Seit geraumer Zeit laufen zwischen dem Quartier und dem Sozialdepartement Verhandlungen zur Zukunft des GZ Altstadthaus. Nun ist an der letzten Sitzung ein überraschender Durchbruch gelungen.

Am Donnerstag, 29. September 2011, um 18 Uhr im Besprechungszimmer 591 des Sozialdepartements schien sich die Geschichte zu wiederholen: Das Quartier wurde von Stadtrat Martin Waser darüber informiert, dass das GZ Altstadthaus von der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren zum Sozialdepartement wechselt und mit Ausnahme einer 40-Prozent-Stelle für das Kinderprogramm die übrigen Angebote gestrichen werden. Das Quartier habe das Haus zur eigenen Nutzung zur Verfügung und die Stadt organisiere die Raumvermietung. Genau an diesem Punkt stand das Quartier im Oktober 2007 bereits einmal, als die Losung von Stadträtin Monika Stocker hiess: Übergang des GZ Altstadthaus in die selbstorganisierte Nutzung. Der heftige Protest samt Petition fruchtete: Der Vertrag mit der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren wurde um vier weitere Jahre verlängert – allerdings mit der Ankündigung, dass er Ende 2012 endgültig auslaufe und die Zwischenzeit für Gespräche zur neuen Zukunft genutzt werden sollten. Diese Gespräche wurden vom Quartier zwar regelmässig angemahnt, fanden aber nie statt.

Dialog statt Konfrontation
Anlässlich der neuen Ausgangslage zeigte sich das Quartier konsterniert und gleichzeitig bereit, für das Altstadthaus entschieden einzutreten. Stadtrat Martin Waser nahms gelassen zur Kenntnis, versprach, man werde das Altstadthaus dem Quartier nicht wegnehmen, blieb hinsichtlich Leistungsabbau aber standfest und erklärte die Übung damit, dass wachsende Aussenquartiere mehr Mittel aus der Soziokultur benötigten. Nach dem ersten Schock organisierten sich zahlreiche Leute aus dem Quartier. Anders als vor vier Jahren setzte man nicht gleich auf Konfrontation, sondern bemühte sich – nicht zuletzt aufgrund entsprechender Signale von Martin Waser, die man ernst nahm – um Verhandlungen. In einer ersten Runde präsentierten die Quartiervertreter ein Konzept, welche Leistungen für das Quartier unverzichtbar sind und begründeten den hohen Stellenwert des GZ Altstadthaus: In einem Quartier, in dem die Wohnbevölkerung in einer permanenten Minderheitssituation lebt (auf zehn Arbeitsstellen fällt statistisch ein Einwohner) und in dem Gelegenheiten zur sozialen Vernetzung wie Quartierkneipen, Poststellen oder Lebensmittelläden von Jahr zu Jahr dünner gesät sind und Fussballplätze für die Kinder ganz fehlen, übernimmt das GZ Altstadthaus – etwas pathetisch gesagt – ein Stück Heimat und trägt zu einer starken Quartieridentität entscheidend bei. Wir alle erleben das Altstadthaus seit jeher als Teil von uns, nehmen Anregungen des Teams begeistert auf und werden umgekehrt immer unterstützt, wenn wir mit eigenen Ideen antraben: Anstösse zur sozialen Eigeninitiative also, oder eben Soziokultur, wie sie gemeint ist.
So empfanden wir die Pläne der Stadt als Paradefall, wie man mit einer kleinen Einsparung einen grossen Schaden anrichtet.

Mehr als nur Höflichkeitsbesuche
Die Botschaft schien nicht ganz ins Leere zu fallen. Man beschloss, sich gegenseitig zu besuchen: Die zuständigen Verhandlungspartner Stefan Roschi und Ursula Furrer wurden an den Neujahrsapéro im GZ Altstadthaus eingeladen. Der sympathische Anlass war wohl nicht zuletzt wegen dieser Visite noch besser besucht als gewöhnlich. Umgekehrt besichtigte eine Delegation der Altstadt das Quartierhaus Kreis 5. In drei emotionalen, aber konstruktiven Gesprächen fühlte sich die Altstadt mehr und mehr verstanden. Das erleichterte es dem Quartier, auf die Stadt zuzugehen und auf eine Idee zurückzukommen, der man in der Vergangenheit eher zurückhaltend begegnete. Man beschloss, das Altstadthaus mit einer eigenen Quartierträgerschaft zu führen, mit der Stadt direkt eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen und dabei die nötigen Finanzmittel auszuhandeln. Denn es reifte auf beiden Seiten die Erkenntnis, dass das Altstadthaus nur so seinen Charakter behalten und seine wichtigen Funktionen weiterhin wahrnehmen kann. Die Trägerschaft soll demnächst als Verein konstituiert werden, dem alle betroffenen Vereine und Institutionen angehören, womit sie im Quartier breit und stabil verankert ist.

Das Altstadthaus bleibt, was es ist
Hinsichtlich des Programmangebots und des Betriebs will man das Altstadthaus ähnlich arbeiten lassen wie in der Vergangenheit. Mit klugen Lösungen wird man wohl auch das finanzielle Problem meistern – für das Quartier eine Voraussetzung, dass die Trägerschaftsidee auch wirklich umgesetzt werden kann. Die Signale der Stadt tönen auch hier ermutigend. Gegenwärtig werden die Quartier- und Einwohnervereine auf beiden Seiten der Altstadt, die fünf Altstadt-Kirchgemeinden, das Schulhaus Hirschengraben / Schanzengraben, der Verein Nachbarschaftshilfe und der Herausgeberverein Altstadt Kurier um eine definitive Zusage ersucht.
Da die politischen Prozesse relativ langfädig sind, wird eine Übernahme per 1. Januar 2013 vermutlich nicht möglich sein. Die Stadt bietet aber Hand, einen lückenlosen Übergang zu organisieren. Auch darüber laufen bereits Gespräche.
Natürlich gibt es im Quartier auch skeptische Stimmen. Doch manchmal braucht das Neue etwas Mut: Und wenn es gelingt, wird das GZ Altstadthaus für uns alle ein noch stärkeres Stück Heimat.

Michael Schädelin

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