Weltblatt für den
Kreis 1


Charles Irniger wird pensioniert
Helfer in der Not



Mit Charles Irniger, zuständig für den technischen Dienst der städtischen Liegenschaften rechts der Limmat, tritt eine Person in den Ruhestand, der wie kein Zweiter den Gebäudepark Altstadt mitsamt seinen Mieterinnen und Mietern kennt.

Wenn man ihm gegenübersitzt in seiner Werkstatt und er einem halb verschmitzt, halb verlegen und vor allem sehr aufmerksam mustert, dann ahnt man, was sein Geheimnis ausmacht: Charles Irniger ist ein solider, bodenständiger Handwerker, der Menschen mag und sie auch hervorragend versteht. Ein Mann, der zupacken und der zuhören kann. Beides geht nicht oft zusammen. Und genau diese breite Basis ist jene Voraussetzung, die ihn in seinem Job so gut werden liess.

Einsatz für die Mieterschaft
Als er am 1. März 1988 sein Amt im technischen Dienst der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich hätte er wohl kaum gedacht, dass er sein ganzes Berufsleben lang in der Altstadt tätig sein würde. Mittlerweile ist es ein Vierteljahrhundert geworden! Der gelernter Bau- und Möbelschreiner verdiente sich seine Berufsporen als Kioskbauer ab – und denkt gerne daran zurück: «In diesem Job habe ich enorm viel gelernt, wovon ich später profitieren konnte. Denn der Kioskbau ist sehr vielseitig, wir waren Allrounder, die von A bis Z alles selber erledigen mussten  vom Bau über die Schreinerei bis zu den Installationen.» Den Altstadtmieterinnen und Altstadtmietern kamen diese Erfahrungen zugute, wenn in der Wohnung mal etwas zu reparieren war. Denn Irniger hat nicht nur einen guten Draht zu den Handwerkern der Altstadt – er kann auch selbst tatkräftig Hand anlegen. So etwa, als ihn eine betagte Frau spätabends verzweifelt zu Hause anrief, weil in ihrer Wohnung ein Wasserschlauch geborsten war und mit hohem Druck die Wohnung flutete. Der telefonische Tipp, wie die Hauptleitung zu schliessen sei, fruchtete ob der grossen Aufregung nichts, und so war sich Charles Irniger nicht zu schade, sofort an den Ort des dramatischen Geschehens zu eilen, das Wasser abzustellen und einen Quartierhandwerker aus dem Feierabend zu holen, der den geborstenen Schlauch auswechselte. Zu zweit saugten sie anschliessend das knöchelhoch stehende Wasser ab und waren mit ihrem Werk erst am frühen Morgen erschöpft und glücklich fertig.

Liebe zur Arbeit
Wenn Charles Irniger auf sein Berufsleben zurückschaut, kommt er ins Schwärmen: «Ich habe immer gerne gearbeitet – und dazu hatte ich auch allen Grund. In der Altstadt hat jedes Haus hat seine Eigenheiten, seine Individualität. Dazu kommt noch der denkmalpflegerische Aspekt: Ich konnte da immer dazulernen, nie wurde es langweilig. Ich durfte interessante Weiterbildungen besuchen. Und besonders interessiert hat mich der Umgang mit den Menschen der Altstadt. Ich darf meinen Mieterinnen und Mietern hier ein Kränzchen winden. Zur überwiegenden Mehrheit war der Umgang ausgesprochen angenehm.»
Charles Irniger kennt wie kaum ein anderer das «Innenleben» unsers Quartiers. Er sah, wie Kinder aufwuchsen und gross wurden, er sah Menschen alt werden und Sterben, er gewann Kollegen und Freunde. Unangenehm war für Charles Irniger eigentlich nur, wenn mal wenig zu tun war, und das – so lacht er laut heraus – war eigentlich überhaupt nie der Fall!

Engagierter Vermittler
Charles Irniger engagierte sich zeitlebens überdurchschnittlich für seine Kundschaft. In seinem Job ist Menschenkenntnis gefragt. «Ich fand mich oft in der Rolle des Vermittlers wieder, an der Nahtstelle zwischen den Interessen der Mieterschaft und jener der Verwaltung. Nach beiden Seiten hin durfte ich diese Interessen erklären und Lösungen suchen, die beiden Seiten gerecht wurden. Das war oft spannungsvoll und immer interessant. Man wird im Quartier sicher auch bemerkt haben, dass ich einem Schwatz zwischendurch nicht abgeneigt bin. Das konnte ich auch gut verantworten: Mein Arbeitstag begann jeweils um 7 Uhr Morgens und dauerte nicht selten bis 7 Uhr Abends. Da darf man sich zwischendurch auch mal einen Schwatz leisten!»
So war seine Arbeit über lange Jahre auch sein Leben. Ein abwechslungsreiches Leben, in dem es viel zu entdecken und zu lernen galt. Und Charles Irniger hat klare Grundsätze: «Immer versuchte ich, auf meine Kundschaft einzugehen, Arme und Reiche, Junge und Alte gleich gut zu behandeln. Ich bin stolz, dass mir dies meist gelang. Ich erhielt und erhalte auch viel von meinem Engagement zurück. Jeder zweite Anwohner spricht mich auf den Gassen an. Das ist schön. Und ich fand im Quartier auch gute Freunde.»

Wandel des Quartiers
Charles Irniger sah auch, wie sich unser Quartier in den letzten 25 Jahren verändert hat: «Als ich anfing, waren die Mieten sehr tief. Die Mieter waren glücklich, in einfachen Wohnungen günstig wohnen zu können. Sie waren daher auch weniger anspruchsvoll als heute. In der Altstadt wohnten zudem überdurchschnittlich viele Originale. Die Mieterschaft war auch bereit, etwas für die Gemeinschaft zu leisten – Stichwort sauberes Treppenhaus! Heute hat sich das soziale Gefüge etwas verändert – und die jüngere Generation ist viel stärker auf den Konsum orientiert. Das gehört nun offenbar zum Lauf der Geschichte…»

Das lachende Auge
Auch wenn Charles Irniger zeitlebens gerne gearbeitet hat, beendet er seine berufliche Karriere nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge. Denn in seinem Ruhestand wartet … Arbeit! Denn Irniger ist seit längerem mit der Restaurierung eines alten Hauses aus dem 18. Jahrhundert – dem Elternhaus seiner Frau – beschäftigt, und nun kann er sich ganz diesem aufwändigen Hobby zuwenden.
Unser Gesprächspartner beendet unsere Unterhaltung – typisch für ihn – mit einem Lob: «Ich bin sehr froh, dass ich eine hervorragend geführte Abteilung verlassen darf und alles wohlgeregelt weiss. Mein Nachfolger steht bereit und wird von mir gegenwärtig gründlich eingearbeitet – und meine Chefin führt die Abteilung ausgezeichnet. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich skeptisch war, als Hugo Stahel pensioniert wurde. Doch nach kurzer Zeit konnte ich feststellen, dass die Nachfolgerin, Jennifer Palmy, hervorragende Arbeit leistet. Ich möchte ihr deshalb an dieser Stelle ein Kränzchen winden! Schreiben Sie das unbedingt! Versprochen?» Versprochen!

Michael Schädelin


Nachfolge geregelt!
Matthias Honegger wird sein Amt als Nachfolger von Charles Irniger unmittelbar nach Ostern am 2. April 2013 antreten. Der gelernte Maurer und eidgenössisch diplomierte Hauswart mit Jahrgang 1964 trat vor einem Jahr in den Dienst der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich. Gegenwärtig wird er von Charles Irniger in alle ihm anvertrauten Häuser gründlich eingeführt, damit er seinen Dienst zur vollen Zufriedenheit der Mieterschaft antreten kann. Matthias Honegger freut sich auf seine Tätigkeit und auf den Kontakt mit den Mieterinnen und Mieter der städtischen Altstadthäuser. Heissen wir ihn herzlich willkommen!


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