Weltblatt für den
Kreis 1


Der Gestaltungsplan liegt bis am 6. September auf
Wie weiter mit dem Landesmuseum?



Das Landesmuseum muss saniert werden. Heute liegt der kantonale Gestaltungsplan auf. Die Meinungen sind geteilt!

Das Landesmuseum muist sanierungsbedürftig und leidet unter akuter Platzknappheit. Vor zwei Jahren haben die Architekten Christ und Gantenbein den Projektwettbewerb gewonnen.

Heute liegt der kantonale Gestaltungsplan auf. Eine Volksabstimmung gibt es nicht. Der Gestaltungsplan kann bis am 6. September beim kantonalen Amt für Raumordnung und Vermessung, Stampfenbachstrasse 12, 4. Stock, Büro 437, eingesehen werden. Oder beim Amt für Städtebau, Lindenhofstrasse 19, 2. Stock.

Sanierung dringend
Das Landesmuseum braucht Platz. Und die Gebäude von 1898 müssen saniert werden. Bereits ist entschieden worden, das Landesmuseum nicht etwa abzureissen, so die eine Option, sondern zu erneuern und zu erweitern. Die Schweizer Architekten Christ und Gantenbein haben den Projektwettbewerb für sich entschieden. Geplant ist ein Erweiterungsbau auf der Seite zum Park, zum Platzspitz, wie auch zum Eingangsbereich. Dagegen ist einige Opposition erwachsen, denn der Platzspitzpark ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Auch gegen den Abbruch des Gebäudeflügels zur Limmat hin gab es Einspruch. Nun, eine Volksabstimmung wird es nicht geben, weil das im Gesetz nicht vorgesehen ist.
Immerhin liegt jetzt der kantonale Gestaltungsplan auf, der einem Teil der Einwände Rechnung trägt. Hier wird genau festgelegt, was an Gebäudesubstanz und was vom Park erhalten werden muss. Jedermann kann den Gestaltungsplan einsehen und Einwände machen. Diese werden teilweise in den definitiven Gestaltungsplan resp. in die Planung aufgenommen. Nach der Festsetzung des Gestaltungsplans durch die kantonale Baudirektion erfolgt das normale Baubewilligungsverfahren. Baubeginn ist frühestens 2008. Der Altstadt Kurier hat zwei Exponenten um eine Stellungnahme gebeten.

Elmar Melliger


Pro:
Für eine Hierarchie der Werte

Nicht das Gartendenkmal ist gefährdet, nein, das Landesmuseum ist es. Wer will, dass das Landesmuseum bleibt wie es ist, will nicht, dass es bleibt. Wer es anderswo will, will es nicht mehr. Wer den Garten «retten» will, bringt das Museum um. Was ist wichtiger? Das Museum oder eine Baumgruppe und zwei Tümpel?

Wer noch an eine Hierarchie der Werte glaubt, reibt sich die Augen. Brauchen wir ein Landesmuseum, das ist die Frage. Wenn ja, dann müsste man vor allen hysterischen Hilfeschreien zuerst das Projekt verstehen. Vermutlich können die Gartenbewahrer zu schlecht Plan lesen, um das Märlischloss darin zu entdecken. Die Architekten Christ und Gantenbein haben ihren Vorgänger Gustav Gull gründlich studiert. Der hat eine historische Collage gebaut, sentimental und patriotisch, sie führen den Baugedanken weiter, stockzahnlächelnd und klug.

Ihre Neu- und Anbauten machen aus dem Märlischloss von 1900 ein Märlischloss von 2020. Es ist nicht eine Ergänzung, sondern ein neues Ensemble. Das Landesmuseum wird mit seiner eigenen Krankheit kuriert: es wird noch märchenhafter, surrealer, schräger. Gull kriegt das, was er verdient. Gustav war ein Kopist, Christ und Gantenbein sind Zauberer. Anders herum: Es geht um das Museum, nicht um den Park.

Hat man damit die Gewichte zurecht gerückt, kann man dem Hyperventilieren der Gartenschützer gelassener zusehen. Das Zusammenspiel von heutigem Landesmuseum und Park werde vernichtet, wird beklagt. Richtig. Nur entsteht ein neues Spiel, das das alte vergessen macht. Paris ist eine Messe wert und ein neues Landesmuseum eine sentimentale Erinnerung an eine gefällte Baumgruppe und zwei vermooste Schlammbecken.

Wer sich das Neue nicht vorstellen kann, wird von Verlustangst gepackt und kann nur noch verlieren. Der Verlust ist klar: minus ein Landesmuseum.

Benedikt Loderer, Stadtwanderer


Kontra:
Sechsmal Nein und einmal Ja!

Nein zur Zerstörung eines Wahrzeichens von Zürich: Das Landesmuseum hat seinen besonderen Reiz. Es ist dem Architekten Gustav Gull gelungen, aus Elementen, die an verschiedene historische Baudenkmäler unseres Landes erinnern, ein wirkungsvolles Ganzes zu schaffen. Umringt und bedrängt von einer riesigen neuen Baumasse – beim Eingangshof dürfte die Erweiterung 40 Meter Höhe erreichen – ginge die ganze Ausstrahlung des jetzigen Landesmuseums verloren.

Nein zur Zerstörung des Platzspitzparks: Dieser Park ist die grösste Grünanlage im Zentrum von Zürich. Seit dem Spätmittelalter dient sie den Zürchern als Erholungsraum. Park und Landesmuseumsbau sind eine eindrucksvolle Einheit. Wir wehren uns gegen die Überbauung des wichtigsten Teils, die das Gesamtkonzept zerstören wird.

Nein zu den Eingriffen in die Alleen: Die vom Bahnhof beiderseits in den Park einladenden Alleen dürfen nicht verstellt und verengt werden. Der Zugang auf der Sihlseite darf nicht zum traurigen Ort
von Rampen in unterirdische Bereiche und zum Parkplatz degradiert werden.

Nein zum Fällen von fast zwei Dutzend Bäumen: Dem Projekt fallen viele prächtige Bäume zum Opfer und schlagen eine Bresche in die das Stadtbild prägende grüne Kulisse längs der Sihl. Auf der Limmatseite würden die grossen Platanen das Bauen in der nächsten Nähe wohl kaum überleben.
Nein zur groben Missachtung des Volkswillens: Die Bau- und Zonenordnung unterscheidet auf dem Platzspitz klar zwischen der Freihaltezone, die den ganzen Park umfasst, und dem schon überbauten Teil, welcher der Kernzone zugeteilt wurde. Zur Kernzone gehört der schmale Durchgang zwischen Museum und Sihl. Dies kann nur in der Meinung geschehen sein, dass hier und nur hier eine Erweiterung möglich sein soll. Die geplante Preisgabe von zusätzlich gut
20 Prozent der Freihaltezone missachtet den Volkswillen massiv.

Nein zu Kompromissen: Die vorgeschlagenen Kompromisse, um die gravierenden Beeinträchtigungen etwas zu mildern, sind blosse Augenwischerei. Der Platzspitz ist, das haben alle Stufen der Planung klar gezeigt, kein geeigneter Ort für einen Erweiterungsbau. Hier sind nur halbherzige Lösungen möglich.

Ja für eine bessere Lösung: Ja – zu einem Erweiterungsbau an einem andern Standort, wo sich neue, gute Architektur voll entfalten kann.

Eeva Ruoff, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur


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