Weltblatt für den
Kreis 1


René Spahn tritt als Geschäftsführer der Geschäftsvereinigung Limmatquai/Dörfli zurück
Mit dem Niederdorf verwachsen



René Spahn tritt als Geschäftsführer der Geschäftsvereinigung Limmatquai/Dörfli (GLD) in den Ruhestand. Begonnen hat er sein Engagement für die GLD im Jahr 1996. Der Altstadt Kurier hat sich mit ihm unterhalten.

Sie treten als Geschäftsführer der GLD in den Ruhestand. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?
René Spahn: Dass ich das lang genug gemacht habe. Mit 69 darf man schon in den wohlverdienten Ruhestand. Zudem gibt es eine Verjüngung im Vorstand der GLD: Wenn Angelo Pfister als Co-Präsident und ich gehen, senkt sich der Altersdurchschnitt gerade um etwa zwei Jahrzehnte.

Wie sind Sie überhaupt zur GLD gekommen?
Es war 1996, als der damalige Marktchef Kurt Hürlimann wegen Unterschlagung seinen Posten verlor. Werner Leuzinger, ein Freund von mir im Vorstand der GLD, fragte mich an, ob ich die Kontrolle des Rosenhofmarktes übernehmen würde. Damals hatte ich den Club Upspace an der Stüssihofstatt 17, die erste Techno-Disco der Stadt.
Ich habe zugesagt und den Rosenhofmarkt neu organisiert. Davor zahlten die Standbetreiber zwischen null und 40 Franken pro Meter, je nach Sympathie des Organisators. Heute sind es 22 Franken. Ich wollte den Markt wegbringen vom Haschischrauch-Image, damals lag doch immer so ein süsslicher Geruch in der Luft. Der Einstieg war nicht so leicht, hatte doch mein Vorgänger die Computerfestplatte mit allen Adressen etc. gelöscht…

Was zählte sonst noch zu Ihren Aufgaben?
Im selben Jahr organisierte ich meinen ersten Weihnachtsmarkt, ab dem folgenden Jahr dann auch das Dörflifäscht. Weiter habe ich ab 2001 (mit dem Wechsel im GLD-Präsidium von Till Gontersweiler zum Co-Präsidium von Angelo Pfister und Andreas Wyss) als Geschäftsführer den ganzen Papierkram gemacht, das Mitgliederwesen, das Einholen von Bewilligungen, den Verkehr mit den Behörden, die Organisation der Generalversammlung und weiterer Anlässe. Mein Archiv zählt fünfzig Bundesordner.

Eine wichtige Aktivität der GLD ist ja das Dörflifäscht. Dieses hat seinen Charakter gewandelt vom Fest mit dem «Längsten Tisch» (vom Central bis zum Hirschenplatz) zum heutigen Anlass mit Musik.
Früher gab es diesen «längsten Tisch» und auf dem Hirschenplatz einzig den Kletterbaum mit Preisen. Die Bäckerei Bertschi offerierte jeweils zwanzig Zöpfe, von denen fünf mit einem Goldvreneli bestückt waren, Zgraggen spendierte Wurstringe und Salami…

Warum gab es den beliebten längsten Tisch und den Kletterbaum später nicht mehr?
Der Kletterbaum wurde morsch und wir gaben ihn auf. Zum längsten Tisch ist zu sagen, dass die Stadt plötzlich hohe Gebühren erhob, die wir ablehnten. Zudem hatte ich gleich in meinem ersten Jahr erreicht, dass es auf dem Hirschenplatz Musik gab bis um 2 Uhr nachts. Das brachte viel mehr Leute ans Fest. Der durchgehende Tisch hätte ein Durchkommen verhindert, die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet.

Interessant waren jeweils die Angaben in den Medien zu den Besucherzahlen des Dörflifäschts. Wie haben Sie die erhoben?
Ich musste immer etwa sieben oder acht Interviews geben und habe jeweils zu den Journalisten gesagt: Wir haben keinen Tropfenzähler und auch keine Lichtschranken. Also habe ich einfach eine Schätzung gemacht pro Abend und das mal drei gerechnet für das dreitätige Fest.
Und vielleicht noch gesagt, es seien zehn Prozent mehr gewesen als im Vorjahr.

Wie hat sich Ihre Arbeit verändert über die Jahre?
Es ist immer mehr dazu gekommen. Nicht zuletzt wegen der Stadt. Der
administrative Aufwand ist gestiegen. Für das Dörflifäscht etwa hätte ich letztes Jahr noch ein achtseitiges Entsorgungskonzept einreichen sollen und alle Stände auf Millimeterpapier einzeichnen – eine Riesenarbeit. Da hat es mir den Nuggi rausgehauen und es gab einen Krach in den Medien. Darauf wurde die Übung abgeblasen.
Ich musste aber auch kriegen gegen die SWISA, die für die Abgeltung der Urheberrechte eine Liste der vom DJ gespielten Musikstücke verlangt hatte, was absolut illusorisch gewesen wäre. Schliesslich hat man sich dann auf eine Pauschale geeinigt. – Ich habe mich immer wehren müssen.

Wie hat sich die Altstadt aus Ihrer Sicht verändert?
Es ist eine Entwicklung wie an der Bahnhofstrasse: Viele gute klassische Geschäfte sind verschwunden und an ihre Stelle Lumpen- und Schuhläden getreten, die mit grossen Margen arbeiten und die hohen Mieten zahlen können.

Lässt sich der Ladenmix beeinflussen?
Wir können einem Hauseigentümer nicht vorschreiben, welchen Mieter er nehmen soll, zu welcher Miete. Die Miete für meinen Club betrug damals 4000 Franken, heute kostet die Lokalität 14 000 Franken. Wir haben da keine Einflussmöglichkeit.

Inwiefern machen fehlende Parkiermöglichkeiten dem Gewerbe zu schaffen?
Nun, die Handwerker nehmen halt eine Busse halt in Kauf…

Wie sehen Sie die Lärmproblematik in der Altstadt?
Die GLD will Leben bringen in die Altstadt, da kann es auch mal etwas lauter werden, etwa am Dörflifäscht. Aber wir haben uns immer gut verstanden etwa mit dem Quartierverein, haben geredet, uns nie bekriegt. – Als beispielsweise die «Tip-Top-Bar» ein Boulevard-Café auf der Chorgasse einrichten wollte, habe ich auch gesagt, das würde zu viele stören, die hier wohnen.

Was hat Ihnen gut gefallen respektive werden Sie vermissen?
Ich bin verwachsen mit dem Niederdorf. Es hat mir hier immer gefallen. Der Kontakt mit den Leuten… Aber ich werde auch künftig hier anzutreffen sein.

Ein Wunsch für die Zukunft?
Ich hoffe, dass die Jungen einiges von uns Alten übernehmen und Traditionen pflegen. Aber da wird wohl einiges weggewischt werden.

Interview: Elmar Melliger


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