Weltblatt für den
Kreis 1


Eröffnung mit Tagen der offenen Tür
Kino Stüssihof, neu aufgemacht



Nach einem Umbau, der viel länger gedauert hat als geplant, feiert das Kino an der Stüssihofstatt am letzten Augustwochenende Wiedereröffnung. Das Kino hat sich verabschiedet von den Erotikfilmen und zeigt nunmehr Schweizer Filme und Mainstream. Zum Ensemble gehört auch ein besonderer Raum, Salle Pigalle genannt, der wie die beiden Kinosäle zu mieten ist.

Die Frage nach dem Datum der Wiedereröffnung konnte der Projektleiter Peter Preissle schon lange nicht mehr hören. Die Stilllegung des Kinos ab Januar 2013 hat statt der geplanten ca. sechs Monate über anderthalb Jahre gedauert. Das Projekt hat viel mehr Zeit, Geld und Nerven gekostet als vorgesehen. Es gab rechtliche Hindernisse zu überwinden, bauliche Probleme zu lösen, behördliche Vorgaben zu erfüllen. So musste die Lüftungsanlage verstärkt werden, obschon im Kino anders als in früheren Zeiten niemand mehr raucht. Schallschutzmassnahmen mussten getätigt und der Saal im Erdgeschoss rollstuhlgängig gemacht werden. Und so weiter. Fast wären ihm graue Haare gewachsen deswegen: «Es gibt nichts Schwierigeres und Aufwendigeres als ein Kino in ein Kino umzuwandeln», sagt er dazu lakonisch. Peter Preissle arbeitet seit 35 Jahren für den Unternehmer Edi Stöckli, der als Kinobetreiber, Filmproduzent und Filmförderer bekannt ist. Stöckli gehören in der Stadt Zürich unter anderem die letzten drei verbliebenen Erotikkinos (Roland, Sternen Oerlikon und Walche) sowie die Arena-Kinos im Sihlcity.
Das Kino an der Stüssihofstatt 13 existiert seit 1960. Davor waren in dem Haus ein Café und ein Coiffeursalon. 1980 kaufte Edi Stöckli das Kino City und richtete es zunächst als Reprisenkino aus, der Eröffnungsfilm war «Dällebach Kari» von Kurt Früh. Ab 1981 hiess das Kino Stüssihof und wurde als Sexkino geführt.
Nunmehr wird das Kino sozusagen zurückverwandelt. Auch weil infolge des Angebots aus dem Internet die Erotikkinos an Stellenwert eingebüsst haben, laufen hier ab Ende August einerseits Mainstream-Filme wie in den Arena-Kinos im Sihlcity, denn man will die guten Studiokinos in der Nähe nicht konkurrenzieren. Ausserdem laufen im zweiten Saal Schweizer Filme und am Nachmittag Familienfilme.

Letzte Arbeiten
Während einer kurzen Führung anfangs August legen noch etliche Handwerker Hand an in den Räumen des Kinos Stüssihof. Da und dort muss etwas montiert werden, noch hängen Kabel aus der Wand etc.
Im Entrée befindet sich die Kinokasse. Der Raum wird auch als Bar genutzt und als Take Away. Zoë Stähli, die Tochter von Edi Stöckli, erklärt, dass es hier den besten Hot Dog geben soll, ebenso Weisswürstli und Tatar. Aber auch einen Schoggikuchen zum Kaffee soll man bekommen. Die Produkte stammen aus der Region und Schweizer Produkte haben den Vorzug vor ausländischen. Die Bar wird von Caroline Stirnemann geführt.
Betritt man den Kinosaal im Erdgeschoss, fällt die auffallend grosszügig bemessene Beinfreiheit auf, wie man sie schon von den Arena-Kinos her kennt. Das Stüssihof gehört denn auch neuerdings nicht mehr zu der East Cinemas AG, welche die Sexkinos betreibt, sondern zur Arena-Gruppe. Die fünfzig Sessel stammen vom Kino ABC und müssen noch befestigt werden. Die Leinwand ist für die Grösse des Saals angenehm gross bemessen. Hier sollen wie erwähnt Mainstream-Filme laufen wie im Sihlcity, allerdings glücklicherweise in der Originalversion mit Untertiteln.

Absolutes Bijou
Im Obergeschoss ist der mit dreissig Plätzen etwas kleinere Saal, in Gelb gehalten, wo vorwiegend Schweizer Filme gezeigt werden, auch solche, die es sonst nicht ins Kino schaffen, und am Nachmittag Familienfilme. Die Programmierung besorgt Peter Preissle.
Das absolute Bijou ist die Salle Pigalle: Hier findet man das einmalige Mosaik wieder, das in der nahen «Pigalle-Bar» die Wand verzierte. Das Mosaik wurde 1956 von einer Klasse der Kunstgewerbeschule geschaffen und ist längst Kult. Die Zukunft des Mosaiks war im Zusammenhang mit dem Umbau des Hotels «Zum Goldenen Schwert» an der Marktgasse 14 in ein Laden- und Wohnhaus höchst ungewiss. Niemand wollte es haben, denn es war ja untrennbar mit der Mauer verbunden, die eingerissen werden sollte – und der Bauherr Beat Curti war bereit, es abzutreten. In Sorge um dieses Werk wandte sich Hansruedi Diggelmann, der in der Nachbarschaft arbeitet, an Peter Preissle mit dem Anliegen, das Mosaik irgendwie zu retten und wieder aufzubauen. Und genau das ist nun geschehen.
Die Steinchen einzeln herauszulösen und wieder zusammenzusetzen wäre ein unmöglicher Aufwand gewesen. Portugiesische Arbeiter hatten schliesslich die Idee, wie das Ablösen zu bewerkstelligen wäre: So wurde das Mosaik in etwa fünfzig Zentimeter breite Bahnen unterteilt, mit einer starken
Folie beklebt und danach jeweils eine mehrere Zentimeter dicke Schicht der Mauer samt Mosaik herausgefräst. Und so konnte man schliesslich das ganze Bild im ersten Stock des Kinos Stüssihof, in der Salle Pigalle, wieder aufbauen. Und um die Nerven nicht unnötig durchhängen zu lassen, musste im Saal eine Biegung der Wand fabriziert werden, um die entsprechende Rundung der Mauer in der ursprünglichen Bar Pigalle zu erreichen, über die das Mosaik sich erstreckte.
Die Salle Pigalle bietet vierzig Personen Platz und kann für Anlässe gemietet werden. Ebenso können die beiden Kinosäle gemietet werden, wegen der Programmierung mindestens einen Monat im Voraus. Für die Vermietungen und Anlässe ist Zoë Stähli verantwortlich.
Wenn man das ganze Haus anschaut, von unten bis oben, und dann vor dem Wandmosaik steht, muss man sagen: Ein Glück, dass der Unternehmer Edi Stöckli den festen Willen und den langen Atem hatte und der Projektleiter Peter Preissle das Durchhaltevermögen, dies durchzuziehen. Chapeau!

Elmar Melliger

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