Weltblatt für den
Kreis 1


Wechsel in der Direktion der Liegenschaftenverwaltung
«Ich fühle mich am richtigen Ort!»



Seit September wird die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich durch Astrid Heymann geführt. Der Altstadt Kurier traf sie zum Gespräch.

Frau Heymann, wie fühlen Sie sich in Ihrem neuen Amt?
Ich habe mich vor einem Jahr sehr über meine Ernennung gefreut, und ich freue mich nun, vier Monate nach meinem Amtsantritt, über meine ersten, guten Erfahrungen und insbesondere über mein tolles Team. Natürlich habe ich vor meinen Aufgaben Respekt, denn da gibt es einige grosse Herausforderungen. Als Architektin verfüge ich über eine gute Basis. Und meine gesammelten Erfahrungen im Bereich des Immobilienmanagements geben mir einen guten Rucksack. Ich kenne die Branche von verschiedenen Seiten: In meiner Tätigkeit für Pensionskassen habe ich die Immobilienwelt kennengelernt, wo die Sicherung der Renten und damit die Rendite im Vordergrund stand. Da war mein persönliches Engagement für den gemeinnützigen Wohnungsbau ein willkommener Ausgleich: Ich durfte mich manche Jahre in der Genossenschaft Kalkbreite engagieren. In meiner neuen Rolle als Direktorin der städtischen Liegenschaftenverwaltung fühle ich mich nun am richtigen Ort.
Auch meine neuen Führungsaufgaben machen mir Freude. Wir beschäftigen gegenwärtig 130 Mitarbeitende. Rund ein Drittel davon sind übrigens unsere Mitarbeitenden in der Hauswartung. Auch sie haben mich sehr freundlich aufgenommen. Das ist nicht unwichtig, denn sie sind ja gewissermassen die Chefs über die von ihnen betreuten Liegenschaften, sie sind die Nahtstelle zu unseren Mieterinnen und Mietern und beeinflussen das Bild unseres Amts nach aussen. Da ist ein gutes Einvernehmen wichtig.

Mit rund 25% des Wohnungsbestands im Kreis 1 nimmt ihr Amt Einfluss auf die Bevölkerungsstruktur. Haben Sie eine Vision, wer in der Altstadt wohnen soll?
(lacht) Die Vision ist gesetzt. Denn wir haben klare Vermietungsgrundsätze, und die gelten für die gesamte Stadt. Ziel ist eine angemessene soziale Durchmischung – auch in der Altstadt. Wir sorgen unter anderem dafür, dass Menschen, die es auf dem privaten Wohnungsmarkt schwer haben, bei uns bessere Voraussetzungen finden. Dazu sind wir nicht zuletzt durch die Annahme der Volksinitiative «Für bezahlbare Wohnungen und Gewerberäume in der Stadt Zürich» verpflichtet. Im Weiteren gelten klare Vorschriften für die Mindestbelegung sowie für das Verhältnis zwischen Mietzins und Einkommen: Das steuerbare Haushalteinkommen soll höchstens viermal so gross sein wie der Bruttomietzins. In dazu geeigneten Wohnungen werden Familien mit Kindern bevorzugt.
Die korrekte Wohnungsvergabe ist übrigens eine der schwierigen Aufgaben meiner Mitarbeitenden, und ich habe eine hohe Achtung davor, wie sie dies nach bestem Wissen und Gewissen handhaben: Wenn wir eine Wohnung ausschreiben, erscheinen etwa an der Schipfe zur Besichtigung schnell einmal 150 Menschen. Und das heisst: 149 von ihnen müssen wir eine Absage erteilen. Das ist ein harter Job!

Kann die Altstadt auch in Zukunft mit moderate Mietzinsen rechnen?
Das ist unser Bestreben. Allein hier gibt es tatsächlich ein Problem. Wenn wir in der Altstadt sanieren – und da kommen wir schlicht nicht darum herum – müssen wir fast immer mit überdurchschnittlich hohen Kosten rechnen. Auch wenn wir bestrebt sind, günstig zu sanieren, macht es uns die bauliche Realität schwer. In den Altstadthäusern warten immer Überraschungen. So hat zum Beispiel jedes Geschoss eine andere Struktur. Die Bauweise ist heterogen und zum Teil unglaublich verschachtelt. Das Problem in diesem Kontext sind vor allem feuerpolizeiliche Vorschriften, Hygiene-anforderungen sowie die Ansprüche der Denkmalpflege. Wir bearbeiten im Moment die Sanierung des Rindermarkts 11. Eine solche Sanierung kommt doppelt so teuer wie jene eines normalen Hauses.

In der Altstadt ist der Anteil an Zweitwohnungen relativ hoch, was viele Quartierbewohner ärgert. Ist eine städtische Wohnung als Zweitwohnung nutzbar?
Nein – bis auf wenige erlaubte Ausnahmen, etwa wenn Mieter oder Mieterinnen in Zürich studieren und als Wochenaufenthalter gemeldet sind. Natürlich ist es nicht einfach, die Vorschrift auch zu kontrollieren. Doch wenn wir einen Verdacht haben oder uns ein Hinweis zugetragen wird, dann gehen wir dem auf den Grund.

Für das Quartier sind jene Gewerberäume und Läden wichtig, die der Quartierversorgung dienen. Wie stehen Sie dazu?
Auch für uns ist dies ein grosses Anliegen. Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass wir auch die richtigen Bewerbungen erhalten, was gar nicht immer selbstverständlich ist. Bei mehreren Bewerbern ist es ein wichtiges Kriterium, ob die Quartierbevölkerung vom Angebot profitiert. Übrigens sind wir auch hier der erwähnten Volksinitiative verpflichtet; die konkrete Umsetzung wird gegenwärtig erarbeitet.

Frau Heymann, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

Mit Astrid Heymann sprach Michael Schädelin


Liste «Spezielle Wohnobjekte»
Siehe entsprechenden Onlinebeitrag: >> Bezahlbarer Wohnraum

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