Weltblatt für den
Kreis 1


Hundert Jahre Malergeschäft Eppler
Achtung, frisch gestrichen



Im Jahre 1904 ist der Malermeister Eppler aus Deutschland eingewandert und hat ein Jahr später im Zürcher Niederdorf ein Malergeschäft aufgemacht. Sein Enkel Rolf und sein Urenkel Thomas können dieser Tage das hundertjährige Bestehen der Firma feiern.

Rolf und Thomas Eppler empfangen den Gast in der Werkstatt an der Brunngasse 4. Hier ist das Geschäft seit 1917. Davor war die Firma an der Brunngasse im Hinterhaus des heutigen Kinos Frosch, dann an der Grauen Gasse, erzählt der heutige Seniorchef Rolf Eppler, der dieses Jahr seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag feiern konnte. Vor einigen Jahren hat er seinen Sohn Thomas zu seinem Nachfolger gemacht. «Auf dem Papier», frotzelt Thomas schmunzelnd. Denn der Vater ist hier noch sehr präsent. «Ich bin ja noch ‹guet zwäg›; was soll ich denn daheim machen, etwa dem Staubsauger zuhören, den ganzen Tag?», gibt der Senior listig grinsend zurück. Die beiden scheinen sich bestens zu verstehen. Thomas, der die Lehre im väterlichen Betrieb abgeschlossen hat, ist täglich draussen, an der Front sozusagen, mit einem Angestellten und mit der Lehrtochter. Rolf dagegen hält die Werkstatt in Ordnung und macht Büroarbeiten. Und er trifft seine Handwerkerkollegen zum Kaffee in der Wirtschaft. Auch nimmt er sich die Freiheit, länger Ferien zu machen, mit seiner Frau Rita.

Im Wandel der Zeit
Wie Thomas, so hat auch Rolf die Lehre im väterlichen Betrieb gemacht, und vor ihm sein Vater. Rolf begann die Lehre 1946 und blieb im Geschäft bis 1961, um sich dann selbständig zu machen. Zwei Jahre später holte ihn sein Vater zurück und übergab ihm das Geschäft. Im Jahr 2001 wiederum fand die Übergabe an Thomas (geboren 1963) statt, der wie Rolf nach der Lehre etwa fünf Jahre auswärts arbeitete.
Rolf hatte einen strengen Lehrmeister, der ihn lange für fünf Franken zwei Wochen lang arbeiten liess, während der Lehrzeit, denn er wohnte ja noch zu Hause… Für mehrere Monate hat er damals einen Auftrag in Luzern selbständig ausgeführt, und noch vier Maler beschäftigt. Im Zug ist er angereist mit den schweren Farbeimern…
An der Brunngasse 4, im Hofgebäude, war vor 1917 die erste mechanische Schreinerei der Stadt. Eine Dampfmaschine trieb über lange Transmissionsriemen die verschiedenen Maschinen an. Im Jahr 1931 kaufte die Stadt das Haus, das früher der Familie Gessner gehörte. Der Mietzins betrug zu Rolfs Anfangszeiten 145 Franken im Quartal, stieg dann langsam auf 200 Franken im Monat. In jeder Gasse war damals noch eine Bäckerei, an jeder zweiten Ecke eine Metzgerei, und es gab immerhin etwa fünf Malergeschäfte im Niederdorf, wo Epplers heute allein die Stellung halten. «Wenn es keine Handwerker mehr gäbe, hätten wir hier auch ‹Denkmal›, wie an der Trittligasse, wie in Regensberg, und nur noch ‹Gestopfte› würden hier wohnen», meint dezidiert Rolf Eppler. Zum Glück für alle habe die Stadt damals so viele Häuser gekauft, unter anderem um Strassenprojekte zu realisieren, zum Abriss also. Die Häuser stehen noch und die Stadt ist eine faire und verantwortungsbewusste Vermieterin.

Umbauten, Fensterläden…
«Eppler Maler» lebt seit je von vielen Kleinaufträgen und von Unterhaltsarbeiten, wie sie in der Altstadt häufig anfallen. Eine Zeit lang, so bis 1960, es herrschte Bauboom, gab es viele Neubauten zu streichen, ausserhalb der Altstadt. Damals traf sich Rolf und sein Vater mit dem Chef einer Immobilienfirma jeweils am Freitagabend zum Kegeln – und so haben sie nebenbei die Arbeit akquiriert. Es folgten dann immer mehr kantonale und städtische Aufträge, denn die grossen Malergeschäfte hatten die Neubauten übernommen, und man war froh, noch jemanden zu haben, der auch kleinere Arbeiten ausführte.
Heute machen die städtischen Aufträge fast die Hälfte aus, und fast alles ist in der Altstadt, wo Epplers unzählige Umbauten gemacht haben. Im Winter sind eher Innenarbeiten angesagt und das Streichen von Fensterläden, von denen gerade etwa sechzig in der Werkstatt stehen: gut auch als «Lückenfüller», da es nicht eilt, im Gegensatz zu fast allem sonst. Bis vor vierzig, fünfzig Jahren war das Pendant zu den Fensterläden das Streichen der ausgehängten Vorfenster im Sommer.

Gutes, altes Handwerk
Es gibt eigentlich nichts, was Epplers nicht streichen. So haben sie vor ein paar Jahren die provisorischen Zifferblätter für St. Peter gestrichen. Oder im Kreuzgang des Grossmünsters eine Uhr bemalt und vergoldet, mit Blattgold. Gerade kürzlich restaurierten sie die Sonnenuhr an der Südfassade der Predigerkirche, die fast niemand kennt. Und ebenfalls vor kurzer Zeit haben sie eine hölzerne Wappenscheibe von zwei Metern Breite und einem Meter zwanzig Höhe gemacht: ein Zürichwappen, gestrichen und versilbert, die beiden seitlichen Löwen vergoldet. Es hängt
im Obergericht.
Eine Spezialität, die das alte Handwerk hochleben lässt, ist das Marmorieren. Gemäuer oder Holz erhält durch diese Behandlung den Anschein von teurem Marmor. Das könne allerdings noch mancher, meint Rolf. Denn die Natur halte immer irgendwo einen Stein bereit, der dem Werk des Malers ähnlich sei. Schwieriger sei da schon das Maserieren. Gemeint ist das Imitieren von Holz, was Erfahrung und Geschick erfordert, denn die «Holzfasern» dürfen sich nirgends kreuzen. Auf diese Weise hat man früher etwa einen gemeinen Tannenholzschrank in ein nobles Nussbaummöbel verzaubert. Diese Technik beherrschen heute nur noch wenige. Und wie sie hiervon erzählen, huscht nun doch ein Anflug von Stolz über die Gesichter der beiden Meister.

Die Firma Eppler lädt alle Freunde und Bekannten ein zu einem Apéro. Am Freitag, 25. November, von 16 bis 21 Uhr, in der Werkstatt an der Brunngasse 4.

Elmar Melliger

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