Weltblatt für den
Kreis 1


Seifenladen «Lush» an der Münstergasse
Noch ist die Luft nicht rein



Fast auf den Tag genau vor einem Jahr fand eine Zusammenkunft aller Beteiligten statt betreffend störender Immissionen, die vom Seifenladen «Lush» ausgingen. Was ist gelaufen seither, wie ist die Situation heute?

Es klang vernünftig und viel versprechend. Man war übereingekommen, am 12. Juli 2005, die Probleme miteinander konstruktiv anzugehen. Es ging um die Immissionen, die von dem Seifenladen «Lush» an der Münstergasse 23 ausgingen, und man stand im Hof dahinter. VertreterInnen der Nachbarschaft, des Quartiervereins, der Stadtverwaltung, des Ladens; der Hauseigentümer, dessen Architekt und Mieter der Krebsgasse 10 (so die Adresse des Hauses, der Ladeneingang ist an der Münstergasse). Im Haus sind nebst dem Laden auch Wohnungen vermietet.

Die Nase voll
Anfangs Juli 2006, der Mieter des Wohnateliers direkt über dem Laden hat kaum Zeit für ein kurzes Gespräch. Er ist am Packen. «Ich habe die Nase gestrichen voll», sagt er, wir wollen ihn Hans Meier nennen, denn er mag nicht in der Öffentlichkeit stehen, «im wahrsten Sinn des Wortes.» Denn, so erklärt er, die Luft in seinem Atelier, wo er arbeitet und sich auch sonst gern aufhält, ist nach wie vor dick. Der Seifengeruch dringt offenbar durch die Ritzen des vierhundertjährigen Gemäuers, trotz der neuen Decke, die «Lush» zur Abdichtung im Laden auf eigene Kosten einziehen liess. Er leide an permanenter Reizung der Schleimhäute, habe ständig leichte Kopfschmerzen, und jetzt habe er genug, denn die Gesundheit sei ihm wichtiger als seine geliebten Räume, die er schon siebenundzwanzig Jahre belebt. Er zieht aus, bezieht einen anderen Arbeitsraum. Die kleine Wohnung im dritten Stock des Hauses behält er. Dort ist die Geruchsbelastung weniger stark. – Elsbeth Bär, sie wohnt im angrenzenden Haus, bestätigt, dass das Geruchs- wie das Lärmproblem nicht gelöst ist. Sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe Lärm des Quartiervereins und hat Erfahrung im Umgang mit Immissionen. Hier sei zwar einiges unternommen worden, um die Probleme zu lösen, aber eben nicht genug.
So hat «Lush» wie erwähnt eine neue Decke einziehen und die Wände abdichten lassen, um mit der neuen Lüftungsanlage einen permanenten Unterdruck im Raum erzeugen zu können. Damit soll das Austreten der Gerüche verhindert werden. Zudem wird die Luft ionisiert, wie Dominik Zahno von «Lush» erklärt, um sie bereits im Raum selbst zu reinigen. Danach wird sie durch einen Aktivkohlefilter geleitet, um die Duftstoffe herauszuholen, bevor die Abluft abgeleitet wird. «Also noch mehr können wir nicht tun», sagt Dominik Zahno.

Immer noch dicke Luft
Jedoch, weshalb noch immer dicke Luft herrscht: Einerseits ist, wie Meier vermutet, das alte Gemäuer wohl durchlässig gegen oben; das belästigt die Hausnachbarn. Meier: «Kunden von mir haben mich gar schon darauf angesprochen, dass Post von mir immer so parfümiert rieche.» Der einen Moment lang angenehme Duft, auch Wohlgeruch genannt, kann zum Störenfried werden, wenn er einen unablässig verfolgt, bei der Arbeit, im Schlaf, beim Essen.
Zweitens wird der Geruch in der Umgebung, im Hof, auf Dachterrassen, stärker, wenn es Zeit wird, den Aktivkohlefilter zu wechseln. Schwallweise treffen die Schwaden beim Empfänger ein. – Das dritte Problem ist der veraltete metallene Abluftkamin, der sich im Freien der Hausfassade entlang hochzieht und unter dem Dach, auf Fensterhöhe der Nachbarn, die Abluft dröhnend und röhrend ausbläst.

Keine Bewilligung
«Diese Anlage ist veraltet, ist etwa dreissig Jahre alt», bestätigt der Hauseigentümer Giovanni Auf der Mauer, der vor einem Jahr versprach, sie zu ersetzen. Als Grund dafür, dass die Anlage noch immer nicht ersetzt ist, gibt er an: «Es ist ein Patt zwischen drei Amtsstellen.» Drei Varianten habe man vorgelegt, die Anlage zu ersetzen, alle seien abgewiesen worden. Das Rohr bis über das Dach hinauf zu ziehen, dagegen habe sich das Büro für Denkmalpflege ausgesprochen. Die Leitung durch das Hausinnere zu führen, sei wegen dem Büro für Archäologie nicht möglich, das sich gegen die Zerstörung der historischen Bausubstanz gewehrt habe. Und gegen die letzte Möglichkeit, die Luft direkt in den Hof auszulassen, hätte sich der Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich ausgesprochen. Er habe es selber langsam satt, fasst er zusammen. Man habe ihm keine Lösung des Problems aufgezeigt, ihn nicht gewähren lassen, sonst wäre die neue Anlage längst in Betrieb.
So ist im Moment nur «Schräubeln» möglich. Tagsüber die Anlage auf der effizienten zweiten Stufe, mit Geräuschfaktor, laufen zu lassen, und sie nachts zu drosseln, auf der ersten Stufe. Zweitens zu merken und zu melden, wenn der Kohlefilter ersetzt werden muss. «Da sind wir dran, Erfahrungen zu sammeln. Etwa alle vier Monate ist es jeweils Zeit. Leider gibt es keine automatische Anzeige dafür, man muss es riechen», erklärt Dominik Zahno.
Lange zuwarten mit der Erneuerung der Anlage will der Hauseigentümer nicht mehr, er hat genug. Und was er sowieso tun werde, sei das Abdichten der Räume über dem Laden, bevor er sie wieder vermietet.
Für Hans Meier ist klar: «So ein Laden, der Seifen unbedingt unverpackt anbieten will, gehört nicht in ein so altes Wohnhaus und nicht in eine so dicht bewohnte Altstadt mit ihren engen Gassen.»

Elmar Melliger

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