Weltblatt für den
Kreis 1


Widerstand gegen projektierte Villa
Öffnung des Gartens gefordert



Gegen das Neubauprojekt an der Winkelwiese 10 regt sich Widerstand. Statt der Vergabe des Grundstücks im Baurecht an eine Privatperson wird vielmehr eine Öffnung des Gartens gefordert. Ein Grundstück an dieser Lage soll der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Vor einem Jahr wurde entschieden, wer den Zuschlag für den Baurechtsvertrag für das Grundstück an der Winkelwiese 10 mit der Villa Landolt erhalten soll: Frank Binder, ein seit 1981 in Zürich wohnender Unternehmer (ein Erbe aus der Familie Merck, Pharma-Unternehmen). Der Altstadt Kurier berichtete im März letzten Jahres. Inzwischen ist ein Vorprojekt ausgearbeitet worden, das den Ersatz des bestehenden Hauses mit Baujahr 1932 durch eine stattliche, ja mondäne Villa beinhaltet (Altstadt Kurier, Maiausgabe). Nun hat der Gemeinderat über dieses Projekt zu entscheiden respektive über die Annahme des Baurechtsvertrags zu befinden. Mittlerweile befindet sich das Geschäft in der vorberatenden Kommission, ein Entscheid des Gemeinderats ist nach der Sommerpause zu erwarten.

Petition eingereicht
Vor einigen Wochen nun, also spät in diesem laufenden Prozess, hat sich Widerstand gegen das Projekt zu regen begonnen. Ausgehend von der Initiative vorwiegend von Anwohnerinnen und Anwohnern, trafen sich am 7. Juni knapp dreissig Personen zum Austausch. Rasch wurde klar, dass die projektierte Villa als Fremdkörper im Quartier empfunden wird. Sie passe nicht in die gewachsenen Strukturen der Altstadt, auch nicht an die Winkelwiese, deren Liegenschaften noch nicht so alt sind. Mehrfamilienhäuser sind in dieser Umgebung die Regel. Am gleichen Abend wurde ein Petitionstext entworfen.
Diese Petition, mitgetragen von Elternverein Altstadt rechts der Limmat und Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat, konnte inzwischen, am 4. Juli, mit über achthundert (!) Unterschriften dem Stadtrat übergeben werden. Darin wird gefordert, der Stadtrat und der Gemeinderat mögen das Projekt und die Vergabe des Baurechts noch einmal überdenken.

Öffnung des Gartens
Doch die Initianten der Petition mochten nicht nur destruktiv etwas schon weit Gediehenes verhindern, und so trafen sich am 25. Juni ein weiteres Mal gut zwanzig Personen. Nun stand nicht die Verhinderung von etwas als übertrieben Empfundenem im Vordergrund, sondern vielmehr die gewünschte Zukunft des Grundstücks. Man wollte sich nicht darauf versteifen, was genau mit dem bestehenden Haus zu geschehen habe, ob Abbruch oder Umbau, auch wenn der Zustand des Hauses in diesem Gremium als gar nicht so schlecht geschildert wurde. Vielmehr war das Anliegen spürbar und wurde mehrfach formuliert, eine Öffnung des Grundstücks für die Gemeinschaft zu erreichen. Statt dass wenige Personen hinter Mauern sich abschotten, sollen hier mehrere Familien wohnen können und die im Inventar schützenswerter Gärten stehende Anlage soll für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenigstens tagsüber, so der Wunsch, soll man hier, an diesem einmalig gelegenen Ort, in dieser grünen Oase inmitten der Stadt, Zutritt haben.

Fürs Gemeinwohl
Die Stadt solle ein Grundstück an dieser Lage nicht aus der Hand geben, nicht einmal im Baurecht über sechzig Jahre. Vielmehr soll sie sich einsetzen dafür, dass möglichst viele Menschen in den Genuss kommen, sich hier aufhalten und erholen zu können. Dabei wollte man bewusst nicht von einem Park sprechen, denn ein Parkprojekt ruft nach baulichen Veränderungen und danach nach aufwendiger Pflege. Gerade möglichst wenig zu verändern ist das Ziel. Denn auf diesem Flecken Land sagen sich zwar nicht Fuchs und Hase gute Nacht, aber immerhin Fuchs und Igel. Zwar hat der Kreis 1 gemäss Statistik keinen Wald. Doch einige Aaren macht der Baumbestand auf dem 2800 Quadratmeter grossen Grundstück schon aus. Zusammen mit der angrenzenden Waldmannwiese, Trittliwiese genannt, ergibt sich ein beachtliches Stück Grünfläche. Deren Wert gelte es nicht in Franken und Rappen zu maximieren, sondern es gehe darum, diesen zu erkennen, zu schätzen und zu schützen, denn er sei unbezahlbar.

Elmar Melliger


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