Weltblatt für den
Kreis 1


Der Altstadtbewohner Beat Schlatter
Ein richtiger Dörfler



Beat Schlatter, hierzulande kein Unbekannter, wohnt seit längerer Zeit in der Altstadt. Wie lebt er, wie denkt er über sein Quartier? Der Altstadt Kurier hat ihn getroffen.

Die Erinnerung sagt mir, dass es ein wirklich gutes Gespräch war. Mein Tonband, welches ich auf dem Tisch stehen hatte, gibt Vogelgezwitscher wieder und ein entferntes Grummeln. Nur wenn gelacht und lauter gesprochen wird oder sein Handy brummt, dann unterscheidet sich die Aufnahme von der in einer Vogelwarte. Dass dieser Garten eine Oase ist, war mitunter ein Grund, ihn für das Treffen zu wählen und zudem ist er unweit von Beat Schlatters Wohnung; eigentlich gleich um die Ecke.

Ein vielseitiger Mann
Wer ist er? Beat Schlatter, der Mann, der zwischen Grippewarnung, Grillfreuden mit und ohne Liebeskummer und etwas verrückten Bingoabenden in unseren Köpfen flirrt. Er ist ein Dörfler, so wie andere Bergler sind.
Beat Schlatter ist in Rüschlikon geboren und aufgewachsen. Er spielte als Schlagzeuger in Punk-Bands wie Liliput und Sperma. Der Durchbruch gelang ihm mit dem Kabarett Götterspass zusammen mit Patrick Frey und Enzo Esposito. Sie gewannen 1992 den Salzburger Stier. Es folgte Fernsehen (Kassensturz), Filme wie «Katzendiebe» (1996) und «Komiker» (2000), in denen Beat Schlatter Drehbuchautor und Darsteller ist. «Katzendiebe» gewann den Prix Walo, «Komiker» den SSA-Preis für das beste Drehbuch. «Lüthi und Blanc», die SF-Soap, «Der beliebte Bruder» und «Boeing Boeing» sind weitere Stationen.
Und – Beat organisiert Bingoabende, welche mittlerweile, auch der ausge­fallenen Preise wegen, Kult sind.
Er wohnt seit zwölf Jahren in der Altstadt. Zwar hatte er einmal die Seite gewechselt, er wohnte damals nahe dem «Zeughauskeller», und dann war noch der Abstecher in die Enge – einer Frau wegen, wie er sagt; heute lebt er mitten drin im «Dörfli».

Gegen die Renovationswelle
Beat Schlatter ist kein Freund der Renovationswelle, welche die Leute um ihr Daheim bringt. Menschen, die jahrelang hier gewohnt haben, die all die Vor- und Nachteile des «Dörfli» miterlebt und getragen haben, diese sind wichtig für die Gemeinschaft, sagt er. Man müsse sich schon genau überlegen wohin das führe, wenn sich Mietzinse so entwickeln, dass sie nicht mehr zu zahlen seien. Die Folge sind vermehrt allein stehende gut verdienende Bewohner statt Familien und Künstler. Aber wollen wir das? Nein, er möchte diese Entwicklung nicht hinnehmen. Er möchte, dass die Innenstadt genau so familiär bleibt, wie sie jetzt (noch) ist.
Natürlich ist nicht jeder, der renoviert, ein Spekulant. Das wäre noch zu betonen. Es gibt Renovationen, die mit ­Werterhaltung zu tun haben und mit ­intelligenter, der Zeit entsprechender Wohnaufteilung. Die Situation und die Bedürfnisse haben sich verändert in den letzten hundert Jahren. Heute kommen viel mehr Leute in die Stadt und können beinahe die ganze Nacht wieder hinaus, nach Hause. Die Bahnhofsnähe spült täglich und vor allem am Wo­chenende viel «Volk» heran. Er habe manchmal das Gefühl, dass die Altstadt dafür nicht gemacht sei. Doch zum Glück, sagt Beat, sich die Haare raufend – ich seh den Punkdrummer von damals vor mir – gibt es nun den Escher Wyss, «s’Föifi», welches uns einen Teil des Partypublikums abnimmt. Der Lärm sei manchmal schon immens. Und so komme, wer zur Gasse schlafe, oft nicht zur Ruhe. Aber Lärm bedeute eben auch Leben und genau das sei ja das Spezielle und absolut Schöne der Altstadt im Vergleich zu einer Schlaf­gemeinde. Was Beat Schlatter manchmal fehlt, sind die Gerüche. Die Ferien in Italien haben ihm dies wieder bewusst gemacht. Wie konnte es stören, dass es dort, wo Fisch verkauft wurde. nach Fisch roch und wo ist der Duft ­einer guten Backstube geblieben? Ist es wirklich möglich, dass eine Bäckerei oder ein Käseladen hier nicht bestehen kann? Ihr seid gefordert, liebe Gewerbler. Beat Schlatter kauft bei euch ein – er folgt dem Duft des Guten. Er, der mit Leib Gesellschafter und Seele Koch ist, lädt gerne zu einem langen Essen unter Freunden. Was er früher zwischen sieben Uhr abends und ein Uhr früh im Ausgang ausgeben hat, investiert er heute in eine brillante Kocherei. Und wenn er auswärts isst im Dorf, dann gerne in der «Rheinfelder Bierhalle», wo das Essen gut und günstig ist und vom Taxichauffeur über den FCZ-Fan bis zum Künstler alle willkommen sind. Den Hochzeitstag würde er vielleicht woanders feiern – wenn er denn einen hätte, wie er lachend meinte. An der ­Präsenz und Vielfalt der Restaurants (und Damen) fehlt es nicht…

In wichtiger Mission
Eine letzte Frage. Weshalb ist er Botschafter gegen die Pandemie bzw. für die Prävention geworden? Hat er einfach Schwein gehabt und den Auftrag erhalten oder verkörpert er den typischen Schweizer, der bodenständig Arbeitende, der vielleicht auch mal gerne verreist?
Fern jeglicher Komik erklärt er mir, dass das BAG die Botschaft gut dosiert rüberbringen wollte; ohne Panik. Er sei als glaubwürdiger Vermittler einer wichtigen Information empfunden und ausgewählt worden. Die Kampagne sei wichtig, eine Investition, die Schaden in Milliardenhöhe beeinflussen könne. Man habe sich das gut überlegt und viel probiert, um mit einem optimalen Ergebnis die Leute zu erreichen.
Soeben sehe ich mir die Spots nochmals an und bin überzeugt, dass die Schweiz nun auch Hände wäscht und Beat uns rettet. Trotz Grippewelle, ­die uns im Herbst erreicht, setze ich im Oktober auf einen vergnüglichen Bingo­abend. Danke, Beat.

Therese Kramarz

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