Weltblatt für den
Kreis 1


Stadtwanderer
Vom völkerverbindenden Kulturaustausch

Der Stadtwanderer unterbreitet dem Strandläufer eine ethno-kulinarische Auslegeordnung neuer Ausflugsziele und Lustreisen ins Dreiseenland.

Lieber Strandläufer

Ja, auf zum Rundreisli durchs Dreiseenland! Mit der FBV, der Fanfare du Bas Village. (Das grammatikalische Geschlecht von Village ist übrigens männlich, nicht weiblich, wie du vermutest, beim natürlichen magst du hingegen recht haben.) Mit der Feuerwehrmusik den welschen Bränden nach, das sei unser kulturelles Sommerprogramm. Nur muss sich das Orchester etwas vorbereiten. Darum schlage ich ein Trainingslager vor. In Ligerz zum Beispiel ist zurzeit Treberwurstsaison. Das geht so: Ein Verein nimmt in Zürich den Zug, fährt nach Biel-Bienne, steigt dort um und in Ligerz aus. Dort gehts in einen Weinkeller, wo der Winzer zuerst seinen vergorenen Traubensaft kredenzt und hopp! gehts an die Holztische im Carnozet. Es gibt nur ein Menu: Treberwurst. Das ist eine Art Berner Zungenwurst, die im Abdunst des Schnapsbrennhafens gegart wird. Härdöpfel- und Kabissalat gibts dazu und natürlich auch Pinot Noir oder Chasselas von der Bielerseeküste. Das Essen ist währschaft und gesund, den Abschluss macht der Marc, der vorher seinen Dunst der Wurst schenkte und nun sein Feuer der Feuerwehr.
Selbstverständlich müsste die Fanfare du Bas Village auch gelegentlich einen schränzen. Der Kulturaustausch, den du so innig fördern willst, darf sich nicht aufs Kulinarische beschränken. Und wie du aus eigener Erfahrung weisst, wird die Sprache der Musik von allen Völkern verstanden, also auch von den Eingeborenen von Ligerz, die ein Allerweltsberndeutsch reden. Und keine Angst, niemand muss in der Fremde übernachten, denn der letzte Zug von Biel nach Zürich fährt um 23.55 Uhr und ist um 2.15 Uhr dort.
Damit wäre doch immerhin ein Fundament gelegt, auf das sich die Völkerfreundschaft stützen könnte. Etwas später, so im Mai, schlage ich vor, folgt der Schwiegermutterausflug, der jene schwarze Ratlosigkeit vertreibt, die jedes Jahr durch den Muttertag ausgelöst wird. Nicht schon wieder der Rheinfall! Nein, ganz elegant, ein Zugfährtli nach Neuenburg und dort mit dem Schiff nach Biel. Für nicht seetaugliche Mütter machen wir die Flussvariante auf der Aare von Biel bis Solothurn oder umgekehrt. Auf beiden Schiffen spielt die Feuerwehrmusik muttertagstaugliche Weisen und strahlt intensives Familienglück aus.
Damit sind alle für den 1. August gerüstet. Da streben wir auf den Chasseral, wo ein Bus hinauf geht. Kein Musiker muss sich und sein Instrument auf die 1607 Meter über dem Meeresspiegel schleppen. Die Nationalhymne, gespielt von der Feuerwehrmusik, das wird der Höhepunkt des kulturellen Lebens im Jahre 2010. Die Expedition auf den Chasseral ist mit der Übernachtung im Berghaus dort oben verbunden. Rote Socken sind obligatorisch, was die schwarze Uniform mit einem originellen Farbtupf schmückt. Am Tag darauf ist Kleinmeistersonntag. Jassen allerdings wird nicht gehen, da weder Freitag noch der 13. ist. Man kann aber immerhin die Brandruine des Höhenfeuers besichtigen. – Weiter gehen meine Vorschläge nicht, höchstens an der Fasnacht wird in Biel noch eine Musikkapelle gebraucht, aber das überlasse ich dem Intendanten des Brandorchesters.

Mit völkerverbindendem Gruss: dein Stadtwanderer


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