Weltblatt für den
Kreis 1


Von Peking ins Oberdorf

Die Nachfolge im Quartierladen an der Oberdorfstrasse ist geregelt.

Im Moment ist er einfach glücklich. In Peking nämlich ist er auf eine Annonce gestossen, das Internet machts möglich, die seinen Puls schneller werden liess: Da wurde jemand gesucht als Nachfolger in einem Quartierladen. Rolf Kaufmann (52) bewarb sich und erhielt den Zuschlag. Mit seiner Frau Wei Wei reiste er her, um den Handel zu besiegeln. Damit beenden die beiden nach einem knappen Jahr das Abenteuer, in Peking eine Existenz aufzubauen. Obschon seine Frau (die inzwischen zwanzig Jahre in der Schweiz gelebt hat) von dort stammt, hat sich dieses Vorhaben als schwieriger als erwartet herausgestellt. Weshalb sie an die Rückkehr dachten. Und nun dies! Den Laden kannten er und seine Frau bereits, wie auch, durch das Metier, den bisherigen Betreiber, Rafael Vogt. In diesem Laden hatte er einmal zu seiner Frau gesagt: «Das wäre auch etwas für uns.» Früher betrieben sie nämlich einen Tankstellen-Shop und waren auf der Suche nach etwas Neuem, das sie zunächst in China zu finden glaubten.
Rafael Vogt (48) muss knapp vier Jahre nachdem er stolz den eigenen Laden eröffnen konnte, zuvor war hier seit Menschengedenken der Coop Oberdorf, einen Schlussstrich ziehen. Ein hartnäckiges Rückenleiden zwingt ihn dazu. Zudem möchte er mehr Zeit für seine Familie haben, seine beiden Kinder (sechs und drei Jahre alt) auch tagsüber mal sehen können. Denn durch die langen Öffnungszeiten ergeben sich lange Arbeitstage, sechs Mal die Woche. So übergibt er denn seinen Laden mit einem lachenden und einem weinenden Auge seinem Nachfolger.
Der «QL fresh» hat sich gut etabliert im Oberdorf. Eine schöne Stammkundschaft frequentiert den Quartierladen, die Quartierbevölkerung und Personal aus den umliegenden Geschäften sowie Passanten bilden die Kundschaft, sodass Rafael Vogt mit dem Geschäftsgang recht zufrieden sein konnte.
Weshalb Rolf Kaufmann den Laden ohne Umbau übernehmen und am bewährten Konzept kaum etwas ändern will, er findet es gut so, wie es ist. Auch den gut eingeführten Namen will er beibehalten, ebenso wie die Öffnungszeiten (7.30 bis 20.15 Uhr).
Der Mietvertrag geht per 1. Februar an die neuen Mieter über. So bleibt Rafael Vogt noch Zeit, sich von seiner Kundschaft zu verabschieden. Und Kaufmanns können den Umzug in die Schweiz an die Hand nehmen. Die Wohnung in Peking wollen sie behalten und die in Zürich müssen sie noch finden. Und das werden sie auch, bei so viel Glück.

Elmar Melliger

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