Weltblatt für den
Kreis 1


Kulinarium
Eine Schifffahrt, die ist lustig

Das kulinarische Team hat diesmal den festen Grund und Boden verlassen zugunsten einer Schifffahrt auf dem schönen Zürichsee.

Peter Keck: Liebe Frau Lier, ich hoffe, Sie werden nicht seekrank, denn wir fahren heute auf hoher See weit über den Kreis 1 hinaus.
Edith Lier: Was wir ja nicht tun dürften! Herr Keck!
Es ist so, Frau Lier, wenn wir ganz schnell essen, essen wir vielleicht noch teilweise im Kreis 1, die Grenze ist etwas weiter als der Bürkliplatz. Wie wir bei unserem Besuch bei Zürichsee Gastro vernahmen und auch in der Küche in Wollishofen feststellten, verwenden beste Köche nur beste Zutaten, sodass wir munter bestellen können. Ich wäre dafür, die Fahrt mit etwas Weisswein zu beginnen. Ein Riesling x Sylvaner vom Zürichsee schiene mir richtig (1/2 lt Fr. 21.50).
Einverstanden, so können wir wenigstens im Kreis 1 noch anstossen und die Karte studieren und in aller Ruhe bestellen. Übrigens befinden wir uns auf der MS Helvetia, einem Zweideck-Salon-Motorschiff aus dem Jahre 1964. Das Interieur kommt vermutlich auch aus diesen Jahren. Die Tischtücher stammen von der Leinenweberei Langenthal, welche Langlebigkeit garantiert. Die Papierservietten sind neu. Doch wir sind hier zum Essen. Die Speisekarte ist solide und der Schifffahrt angepasst, kein Firlefanz. Also, ich bestelle das Hackbeefsteak mit Spiegelei (Fr. 19.50).

Schmackhaft und bekömmlich
Zum Wohl, Frau Lier. Da kommt mein gemischter Salat, wahrlich der frischeste und gemischteste aller Salate. Ich sehe Rüebli und Bohnen in allen Farben, Grünzeug, Rettich, Gurken, und beste italienische Sauce würzt das Ganze (Fr. 11.30). Nun kommen auch schon meine Lammspiessli mit Thymiansauce und neuen Bratkartoffeln (Fr. 24.50). Alles bestens, das Fleisch zart, die Kartoffeln exakt richtig und der Thymian ist auch zugegen. Und wie schmeckt der Hamburger?
Gar nicht schlecht. Das Fleisch sehr bekömmlich, die leichte Weinsauce schmackhaft, das Ei spiegelt sich und die Spiralen lasse ich Spiralen sein. Herr Keck, der Wein ist fertig. Könnten wir nun einen Roten bestellen?
Obwohl wir den Kapitän nur von weitem sehen, bestellen wir einen «Käptn’s Wy», einen Zürcher Clevner (1/2 lt Fr. 23.50). Der nette Serviceteamleiter, Illidio Gomes aus Portugal, schenkt ein und wir trinken zum Wohle der christlichen Seefahrt.
Jetzt, Herr Keck, müssen Sie nach links schauen. Dort ist die Badi Utoquai und dort oben auf dem «Weibergrill» sitzt immer die berühmte Frau Nussbaumer. Sie hält hier Hof, schaut zum Rechten und isst immer eine Banane.
Ich habe kein Fernrohr dabei, aber ich glaube, wir wenden uns nun dem Rotwein zu, vermutlich fahren wir an den Reben vorbei. Nun bleibt uns auch Zeit, einmal die Gäste zu betrachten. Es hat einige mit Krücken, Stöcken und eine Fülle fülliger Damen. Aber auch herzige Kleinkinder runden das Bild ab. Es werden verschiedene Sprachen gesprochen. Die Stimmung ist gut. – Viele sehen aus dem Fenster und fotografieren, die Goldküste, sonnbeschienen, rauscht vorbei… Doch Frau Lier, wir wissen, es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ein Riesenbetrieb
Wir waren ja zusammen in der Küche von Zürichsee Gastro in Wollishofen. Ich war überwältigt von Grösse, Organisation und Sauberkeit des Betriebs sowie der Freundlichkeit der Mitarbeiter. Wir sahen die Vorbereitungen für eine Extrafahrt am Abend und lernten, dass 60 Prozent in Wollishofen vorbereitet wird und 40 Prozent auf dem Schiff gekocht wird. Vielleicht wissen Sie noch etwas mehr, Herr Keck.
Da Sie von Organisation reden, Frau Lier, noch einige Ergänzungen. Roland Thalmann ist mit seiner R.T. Gastro AG Pächter der Zürichsee Gastro. Er hat die Sache seit 1991 im Griff, zuerst als Geschäftsführer, und eben jetzt als Pächter. Unterstützt wird er von einer sechsköpfigen Geschäftsleitung, wobei für uns der wichtigste Kopf Hans Egger war, Küchenchef mit einer stattlichen Brigade von Mitarbeitern, in der Küche oder auf den Schiffen. Das Unternehmen zählt bis 160 Mitarbeitende, wovon 40 das ganze Jahr über. Pro Tag werden 50 bis 3000 Essen serviert. Zurzeit heisst der Renner «Panierte Felchenfiletsstreifen» mit Sauce Tatare und Salzkartoffeln oder Salat. – Roland Thalmann, der auf dem Lunchschiff immer mitfährt, wirkte einst im Berghaus «Uto Staffel» und später als Wirt im «Jägerhaus» am Waidberg. Als gelernter Metzger und Koch versteht er etwas vom Fleisch, was wir mit Genugtuung feststellten, nicht wahr?
Bestimmt, Herr Keck, es gibt aber auch Touristenmenus für Asiaten, zum Beispiel Nasi Goreng mit und ohne Fleisch oder Fisch. – Und nicht zu vergessen neben anderen Traumschiffen das Fondueschiff, auf dem pro Abend im Schnitt 280 Fondues serviert werden. Und auch die Expovina wird von Zürichsee Gastro bekocht. Und ja, als Frau muss ich noch beifügen, beziehungsweise vorstellen, das Extraschiff «Women only». Hier gibt es Häppchen und man kann sich über die neuesten Produkte für die Haut, die Haare und die Füsse oder auch über Textiles orientieren. Aber der Kapitän ist ein Mann.
Der Kreis 1 naht, es heisst aussteigen. Ich bin sehr zufrieden, und Sie, Frau Lier?
Aber ja, es war wunderschön und gut und wir gehen bald wieder auf See.


*Peter Keck und Edith Lier essen und trinken zusammen, weil es geselliger ist. Mal schreibt Herr Keck, dann wieder Frau Lier.


Grosse Rundfahrt, vier Stunden, Zürich-Rapperswil-Zürich. Täglich 12.30 Uhr ab Bürkliplatz.


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