Weltblatt für den
Kreis 1


Dreissig Jahre Café «Zähringer»

Heutzutage ist ein Restaurant, das über Jahre Bestand hat, keine Selbstverständlichkeit. Das genossenschaftlich organisierte Café «Zähringer» am Zähringerplatz existiert seit dreissig Jahren, und das ist eine Leistung!

Unter anderem die Altstadtbewohner Helen Faigle und Jonas Thiel fanden es damals schade, als das traditionell geführte Café am Zähringerplatz hätte schliessen sollen, und gründeten eine Genossenschaft, um aus dem Café eine Quartierbeiz zu machen. Das Café zu übernehmen ist gelungen, eine Quartierbeiz ist es allerdings nicht geworden.
Urs Ulrich, er arbeitet seit 1989 im Café und ist somit der dienstälteste Mitarbeiter, erinnert sich: «Wir wollten eine andere Wirtschaftsform und ein anderes Angebot. Wir waren zu Beginn der Biospunten!» Und als Kollektiv-Biobetrieb war es nicht immer leicht. Man probierte es zwischendurch mit Selbstbedienung und musste wieder zurück, einen Service bieten. Ein Plus war immer die gute Lage, in der Nähe von Zentralbibliothek und Uni, mitten in der Altstadt. Die Gäste stammen aus dem «linken Kuchen», sind Studierende, junge Leute. Eine grosse Herausforderung bedeutete es, als das Zähringer mit einem Eigenkapital von fünfzigtausend Franken die zwei belegten Stockwerke kaufen konnte oder musste, für zwei Millionen Franken. Auch das haben die «zähen Ringer» mit grosser Unterstützung geschafft. Heute arbeiten zwanzig Personen im «Zäh», etwa zweihundert Personen gehören der Genossenschaft an.
Das Arbeiten im Kollektiv erhält jung, bekommt man den Eindruck. Wie Urs von seinem Wohnhaus erzählt, sagt er: «Da wohnt noch ein anderer, auch so ein Junger.» Auch so ein Junger? Urs stutzt kurz und bricht in Gelächter aus. Er ist dieses Jahr 62 geworden.
Zum Jubiläum organisierte das «Zäh» verschiedene Veranstaltungen, auch ein Fest Ende Juli auf dem Hirschenplatz. Und machte eine Jubiläumszeitung. Urs sieht das als Beispiel für den Geist, wie er im «Zähringer» immer noch, immer wieder herrscht: «Da sind Kräfte zusammengekommen, da sagte man sich: ‹Das ist lässig, das machen wir doch!› Auch das Fest war so etwas. Da wollten wir raus und zeigen: Wir sind stolz, dass wir es geschafft haben, so alt zu werden.» Und Urs, heute als «graue Eminenz» des «Zähringers» immer noch mit Idealismus dabei, schliesst: «Wir versuchen eine andere Form von Wirtschaft zu praktizieren. – Und es geht! Das haben wir gut gemacht.» Stimmt. Herzliche Gratulation!

Elmar Melliger


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