Weltblatt für den
Kreis 1


«Es geht weiter!»

Die Meldung, der Travel Book Shop am Rindermarkt 20 müsse per ­Ende März schliessen, hat auf­geschreckt. Bei der Geschäftsinhaberin Gisela Treichler haben sich mehrere Personen gemeldet, die sich für den Erhalt des Ladens ­engagieren möchten.

Mit der Gründung des Travel Book Shops im Jahr 1975 konnte Gisela Treichler ihre Passionen verbinden: die Liebe zum Buch und die Liebe zum Reisen. 37 Jahre ist es also her, seit die gelernte Buchhändlerin den Schritt in die Selbständigkeit unternahm. Nicht ein leichter Weg, den sie gewählt hat. Gisela Treichler: «Der Laden war nie profitabel, ich habe das aus ideellen Gründen gemacht. Ich habe mir den Laden sozusagen geleistet, das war immer mein Vergnügen, mein Luxus.» – Bis heute bereitet es ihr Freude, Leuten andere Kulturen, andere Länder zu erschliessen. Mit ihnen zu entwickeln, welche Art zu reisen ihnen in ihrer gegenwär­tigen Lebenssituation am besten entspricht – in Einklang mit den Verhältnissen vor Ort, wie wirtschaftliche ­Situation, klimatische Verhältnisse etc. «Homogen reisen» nennt sie es, wenn eine Reise stimmig ist. Reisen bedeutet immer auch eine Chance, das eigene ­Leben, eigene Werte zu überdenken… Wer mit ihr spricht, sieht sich einem vor Begeisterung nur so sprudelnden Menschen gegenüber. Man würde kaum ­ahnen, wie schwer die letzte Zeit für sie gewesen sein musste. Als sie nämlich ihren drei langjährigen Mitarbeiterinnen per Ende Jahr kündigen musste und ankündigen, dass sie ihr Geschäft per Ende März schliessen müsse. Sie hätte sich einen anderen Abschied aus ihrem reich erfüllten Berufsleben gewünscht, hat sie vor ein paar Monaten einmal gesagt. Was man ihr nie geben würde: ihre 69 Jahre! War das Geschäftsleben mit einem Buchladen nie einfach, so kommt jetzt das Alter als weiterer Faktor hinzu. «Wenn ich jünger wäre, würde ich jetzt…», pflegte sie zu sagen. Bis vor kurzem. Ein Artikel in der NZZ und ein Interview im Tages-­Anzeiger brachten wieder Wind in ihre Segel. Mit einem Mal meldeten sich bei ihr Menschen, die ihre Sympathie für den Laden kundtaten. Mehrere darunter wollen sich gar mit einem namhaften Betrag für die Rettung des Reisebuchladens engagieren, der eben immer mehr war als einfach ein Buch­laden: eine Institution! Generationen von Menschen haben hier ihre erste Auslandreise geplant, verbinden den Laden mit den mitunter tollsten und ­intensivsten Reiseerfahrungen und -erlebnissen, mit den vielleicht glücklichs­ten Momenten in ihrem Leben.
So überrascht es nicht und ist der quir­ligen Gisela Treichler nur zu gönnen, wenn hier eine Lösung gefunden werden kann. Noch ist es zu früh, zu sagen, wie genau die aussehen wird. Zurzeit ist man daran, verschiedene Möglichkeiten zu prüfen und ein Konzept zu ­erarbeiten. Gisela Treichler strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie sagt: «Es geht weiter!»

Elmar Melliger

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