Weltblatt für den
Kreis 1


Kulinarium
Rührei mit Fussbad

Ein Mann hält die «Schminkbar» möglicherweise für eine männerfreie Zone – und käme nie darauf, dass man an der Beatengasse durchaus auch kulinarisch «beato» werden kann, also glücklich.

Wer an einem der Tischchen der «Schminkbar» an der Beatengasse sitzt, stützt besser das Kinn auf die Platte oder bindet es mit einer Gaze fest, damit es nicht dauerhaft hinunterklappt: So viele attraktive Frauen gehen ein und aus, dass man den Eindruck nicht los wird, im Haus sei eine Modelagentur. Und alle begrüssen die Gäste mit einem Lächeln, bevor sie mit einem Hüftschwung in der «Schminkbar» verschwinden.
Bea Petri ist sichtbar stolz auf ihre «Meitli». Sie ist Gründerin und Chefin der «Schminkbar» und beschäftigt in ihren drei Betrieben rund um den Zürcher HB über 70 Leute. Wir hatten uns am Geburtstagsfest von Christian Eggen kennengelernt. Eggen empfängt in der «Schminkbar» Gäste und ist der Hahn im Korb neben dem Handwerker, der gerade eine Lampe auswechselt. Und dem DHL-Pöstler, der amüsiert wahrnimmt, wie eine Kundin einen Espresso (Fr. 4.50) trinkt – mit den blutten Füssen im Bad. Also doch eine fast männerfreie Zone? «Nein», sagt Bea Petri bestimmt, «Männer sind die treuesten Kunden, wenn sie die Schwellenangst einmal überwunden haben.» Und sei es, sie gönnten sich nach einer struben Nacht eine Eismaske (Fr. 25.–).

Breakfast at Bea’s
Es ist halb elf, weshalb ich ein Frühstück bestelle. Das kostet freundschaftliche 22 Franken. Gut, es ist eine krasse Unterforderung für Anja Steiner, die 28-jährige Köchin. Sie stand in der Küche in Spitzenlokalen wie dem «Mesa», das Testesser zu Jubelgesängen hinreisst. Tatsächlich wurde mir noch nie ein so hübsch angerichtetes Frühstück aufgetragen. Da sind: eine lange flache viereckige Schale mit Bananen, Ananas, Mango, Physalis, Passionsfrüchten und Himbeeren. Eine weitere mit Gruyère (samt Birnen) und Camembert (plus Physalis), Quittengelée, Honig, Butter und einem Joghurt mit caramelisierten Pekannüsen. Zwei Sorten Brote und ein kräftiger Kaffee und ein Rührei. Bea Petri isst nichts, sie war mit Godeli Gassi, ihrem weissen Wuschelhund, und hat bereits gefrühstückt. Dafür nippt sie an einem Ananans-Pfefferminz-Saft (Fr. 7.50). Selbstverständlich gibt es auch Warmes in der «Schminkbar», etwa eine hausgemachte Gemüsewähe mit zweierlei Dips (Fr. 11.50), aber auch
einen Tapas-Turm (Fr. 18.–).

Eine Schule für Ouagadougou
Begonnen hatte Bea Petri als Make-up-Artistin, brachte Bundesrätin Ruth Dreyfus bei, Lippenstift aufzutragen, schminkte die Haralde Grönemeyer und Juhnke, die Darsteller von «Lüthi & Blanc» und wohnte in Bern, Berlin und Zürich – ihre zwei Töchter aus der ersten von vier Ehen immer im Schlepp-tau. Beide Töchter, Lia und Kim, arbeiten heute in der «Schminkbar», und beide haben die Energie ihrer Mutter im Blut.
An der Beatengasse fand Bea Petri 2003 das geeignete Lokal, zwei weitere sollten folgen – und 2008 begann eine völlig andere Geschichte. In Burkina Faso, einem Land nördlich von Ghana. Dort war sie für die Hilfsorganisation Swisscontact als Maskenbildnerin auf dem Filmset – in Ouagadougou, der Hauptstadt, findet das grösste Filmfestival Afrikas statt. Petri traf Safi Ouattara Diallo, die in einem Abbruchhaus vier Dutzend Schüler im Maskenbilden und an Tretmaschinen im Nähen unterrichtete. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb, und mit Petris Unterstützung wurde die Schule schrittweise vergrössert. Am 26. Oktober wird sie in ein nigelnagelneues Gebäude einziehen. 200 Schüler werden es sein, elf von ihnen werden gratis ausgebildet. Das kostet Förderer aus der Schweiz im Jahr 500 Franken. Also gleich viel wie ein «Happy Day» in der «Schminkbar».
«Warum dürfen Afrikaner sich nicht um ihr Aussehen kümmern?», fragt sie zum Abschied und gibt die Antwort gleich selber: «Körperpflege ist ein Grundbedürfnis.»

René Ammann*

«Schminkbar», Beatengasse 9, 8001 Zürich
Montag 11 bis 20, Dienstag bis Freitag 9 bis 20, Samstag 9 bis 18 Uhr.
www.schminkbar.ch.

* René Ammann isst und trinkt jeweils mit einem Freund oder einer Bekannten, weil es geselliger ist. Diesmal mit Bea Petri.

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