Weltblatt für den
Kreis 1


Kulinarium
Wie Gott in Frankreich

Altstadtbewohnern muss man nicht erklären, wo sich die «Brasserie Louis» befindet. Man sagt ihnen einfach, dass es früher die «Cantina» war. Am Hirschenplatz.

Weil ja auch in der Gastronomie nichts so bleiben darf, wie es immer gewesen ist, wurde vor gut zwei Jahren das aus dem Quartier eigentlich nicht wegdenkbare, alteingesessene Restaurant «Cantina» zur «Brasserie Louis» umgestylt. Christian Kramer junior eröffnete die neue Location. Im November hat die bisherige stellvertretende Geschäftsführerin Yory Olivia Garcia die Geschäftsführung übernommen. Der Vorname Yory ist wie ihr Papa baskisch (das Baskenland ist unter anderem berühmt für seine sagenhaften Meeresfrüchte, die Todesküste und das Finisterre, das Ende der Welt), Yory bedeutet Victoria, also Sieg. Küchenchef ist Nurhan Altun, ein in Deutschland aufgewachsener Aramäer. Er ist seit zehn Jahren bei der Christian Kramer Gastronomie und wirkt parallel als Küchenchef im «Quaglinos».

Austern schlürfen…
Man lebt in der «Brasserie Louis» wie Gott in Frankreich, mitten im Dorf. Vermissen mussten wir, es war ein Montagabend, die Quartieroriginale und früheren Stammgäste, den Teufelsgeiger Mario Feurer, der vor Ewigkeiten mit «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa» den legendärsten Mundart-Song aller Zeiten erfand, und den Coiffeurmeister Frankie B. vom Rindermarkt. Auch die zünftige Feuerwehrmusik Altstadt liess sich nicht blicken. Aber die Atmosphäre ist familiär und chilling.
Hier kann man Austern schlürfen. Oder Muscheln essen, «Marinière» im Weissweinsud, «Provençale» (mit Kapern und Noilly Prat), «Louis» oder «Rouge» (mit Fenchel, Frühlingszwiebeln und Pernod). Das Tartare Royale, 350 Gramm, mit Trüffelöl parfümiert, gibt es ab zwei Personen, für 35 Franken pro Person. Klassiker sind das Club Sandwich (Fr. 29.50) und das 200-grämmige Entrecôte «Café de Paris» (42 Franken). – Das Quartett am Nebentisch wälzt philosophische und beziehungstechnische Probleme. Die könnte man auch wegtrinken, unser eleganter Aussières von der Domaine Baron de Rothschild Lafitte kostete 42, ein Glas der Selection Blanc Brasserie Louis, Chardonnay, fünf Franken.

Moules et Frites à discretion
Wir genossen als Entrée den pfeffrigen Ziegenkäse auf fidelimässig kleingeschnittenem Mesclun-Salat und eine sündhaft gute Entenleber. Mir schmeckte das Siedfleisch mit Gemüse, Kartoffeln und pikantem Meerrettich vorzüglich, der Liebste verlustierte sich mit Moules, die er allerdings etwas klein fand, im klassischen schwarzen Topf, und einem Becher Pommes allumettes. Aufmerksam fand er, dass die Stoffservietten mit dem Initial seines Familiennamens bestickt sind: «L». Aber wahrscheinlich steht das doch eher für «Louis». Ob dieser Louis ein Franzosenkönig war, der Armstrong oder der Vuitton, egal. Und er ist auch ein Take-Away (früher «Pepito Snack»). Die «Louis»-Küche besorgt auch das Catering für das benachbarte Hotel Wellenberg.
Tous les lundis, immer montags, kann man im ersten Trimester 2014, von Januar bis Ende April, in der «Brasserie Louis» Moules et Frites à discrétion geniessen, und einen Moelleux au Chocolat zum Dessert geniessen, für 49 Franken. Bon appétit!

Tina, eine unverwüstliche Diva
Und das architektonische Facelifting der legendären «Tina-Bar» im ersten Stock, einst aus dem Hotel Savoy Baur en Ville am Paradeplatz gerettet? Es ist Gott sei Dank geglückt, ohne Narben. Sie ist als plüschiges Fumoir nicht nur für hoffnungslose Raucher ein Refugium, sondern auch, weiterhin, fürs Quartier, für die Alteingesessenen von der Barkante.

Esther Scheidegger

«Brasserie Louis», Niederdorfstrasse 1, 8001 Zürich,
Tel. 044 250 76 80, www.brasserie-louis.ch.
Geöffnet Montag bis Donnerstag und Sonntag 11.30
bis 23, Freitag und Samstag 11.30 bis 24 Uhr.


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