Weltblatt für den
Kreis 1


Nachruf auf Frankie B. (1947-29.1.2014)

Frankie meinte einmal mit einem Hauch von Stolz und einem leisen Lächeln: «Ich brauche nicht in die weite Welt hinaus zu reisen, die Welt kommt zu mir.» Und dies mit gutem Grund.

Es gab wohl keinen anderen Ort in der Stadt Zürich, wo Freunde, Fremde, Passanten, Anwohnende und Touristen, also Leute aus allen Kreisen und Himmelsrichtungen über 43 Jahre in weithin vernehmbarer Herzlichkeit und Offenheit begrüsst wurden. Sie alle kehrten gerne bei ihm ein. «Wotsch e Bier?» war keine leere Floskel, es war eine aufrichtige Einladung, in sein hinreissendes Reich voller Bilder, Geschichten und Musik einzutauchen.
Alle fanden Gehör mit ihren Neuigkeiten, ihren kleinen Sorgen oder grossen Nöten. Frankie konnte zuhören und hatte ein sehr feines Gespür, im richtigen Moment das Richtige zu tun oder es eben zu lassen. Eine seiner edelsten Tugenden war die Verschwiegenheit, er sprach mit den Leuten, nie über sie. Seine Loyalität zu jedem Einzelnen garantierte in all den Jahren ein friedliches Nebeneinander der unterschiedlichsten Cha-raktere in seinem «Lädeli». Gleichzeitig eröffneten sich unzählige Gelegenheiten, dass Fremde zu Freunden werden konnten. Mit Umsicht kümmerte sich Frankie am Rindermarkt um andere, er selber liess sich ungern umsorgen.
Frankie war aber auch ein liebenswerter Erzähler. Wenn er in epischer Breite eine Tagesaktualität zum Besten gab, konnte man behaglich zurücklehnen und genüsslich seinem Berichten folgen. Am frühen Morgen herrschte dabei eine Art besinnliche Gelassenheit. Diese wechselte im Laufe des Tages, je nach Kundschaft und Besucher, in erfrischende Heiterkeit oder gar friedliche Ausgelassenheit, immer mit viel Musik vom Feinsten garniert, denn seiner DJ-Seele waren keine Grenzen gesetzt. Alle fühlten sich wohl, einige gar geborgen, selbst wenn es hoch zu- und herging.
So hat wohl jeder seine ganz persönliche Geschichte mit Frankie, und das ist gut so. Aber uns allen, die wir ihn kannten, ist heute eines gemeinsam: Wir vermissen ihn unendlich, behalten ihn aber nur in guter Erinnerung. «Sein Lädeli» war «sein Leben» – und es machte auch uns im Herzen reich.

Vittorio Emanuele Sisti

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