Weltblatt für den
Kreis 1


Rechberg-Palais: ein Bijou

Das Haus zum Rechberg am Hirschengraben 40 ist nach zweijähriger Umbauzeit seiner neuen Bestimmung zugeführt worden, der Nutzung durch den Regierungsrat. Am Samstag, 29. März, erhält die Bevölkerung Gelegenheit, das Barockpalais zu besichtigen.

Knapp zwei Jahre hat der Umbau gedauert und 20 Millionen Franken gekostet. Das 1759 erbaute Haus zum Rechberg gehört seit 1899 dem Kanton und strahlt wie schon lange nicht mehr. Neue Parkettböden, Täfer, Tapeten, zum Vorschein gebrachte Stuckdecken mit Motiven aus der Natur, moderne Vorhänge, wie man sie hier noch nie gesehen hat: Das Gebäudeinnere ist nicht wiederzuerkennen. Aufgefrischt worden ist auch die Fassade, instand gestellt die Fenster, neu gezimmert der Dachstuhl, neu gedeckt das Dach, eingebaut ein Lift. Ebenso wurden die beiden Nebengebäude erneuert, die wie das Hauptgebäude vorher durch die Universität genutzt wurden.
Die Kantonsregierung hat nun gebührende Räumlichkeiten für repräsentative Zwecke. Zwischenzeitlich musste sie jeweils in das städtische Muraltengut ausweichen, nun kann sie im Rechberg ihre Gäste würdig empfangen. (Eingebaut wurde auch eine Fertigungsküche.) Zusätzlich zur Regierung nutzen die Parlamentsdienste und kantonsrätliche Kommissionen Räume im Palais und in zwei Nebengebäuden, vom Rathaus am Limmatquai in wenigen Minuten zu Fuss zu erreichen.

Moderne Gestaltungselemente
Die Besucherinnen und Besucher des Palais erwartet in den Obergeschossen eine «Enfilage» von Räumen: um das bergseitig situierte Treppenhaus herum sind die einzelnen Räume in einer Abfolge untereinander verbunden. Im ersten Stock sind Büros und Sitzungszimmer für die Ratsdienste. Im zweiten Obergeschoss befindet sich der festliche Saal, ein länglicher Raum mit einem langen Tisch, der jedoch in kleinere Einheiten unterteilt werden kann. Hier ist Platz für ein Bankett von Regierungsrat mit Gästen, wie man sich leicht vorstellen kann. Moderne Leuchter und ebensolche Vorhänge setzen einen Kontrast zur historischen Kulisse. Einer der Räume ist deklariert als Sitzungszimmer des Regierungsrats. Edel wirkende Vorhänge aus dunkel glänzenden Pailletten unterstreichen die Wichtigkeit des Raumes. Die Architektin Tilla Theus hat viel Kreativität bewiesen. Hat beispielsweise statt Seidentapeten zu verwenden Papier auf Molton aufgezogen und bemalen lassen mit einer Bronzelasur. Oder hat für Vorhänge Hutbänder auf Tüll nähen lassen, mit hinreissender Wirkung. Zwei Räume sind original mit farbigen Landschaftsbemalungen an den Wänden geschmückt, fünf von ursprünglich elf Kachelöfen sind noch erhalten.

Eingefriedeter Garten
Ein Blick ins Freie zeigt den bereits vor Monaten für rund zwei Millionen Franken umgebauten Rechberg-Garten, der nur noch bepflanzt werden muss. Zu sehen ist eine Gruppe von Obstbäumen auf der obersten Terrasse, eine Aussichtskanzel aus Beton mit neu angelegten Treppen, auf mehreren Ebenen insgesamt über sechzig Eibenkegel, die im Abstand von einigen Metern zueinander stehen. Eigenartige Sitzbänke möblieren den Garten. Das Ganze ist eingefriedet durch eine knapp zwei Meter hohe massive Lindenhecke und einen Maschendrahtzaun. – Gegen dieses Projekt hatte sich Widerstand aus dem Quartier gebildet, nicht zuletzt aus der Furcht heraus, durch die Umzäunung könnte der bisher frei zugängliche Garten der Nutzung durch die Bevölkerung plötzlich gänzlich entzogen werden. (Derzeit ist der Garten offen im Winter bis 18, im Sommer bis 21 Uhr.) Die Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur hat das Gartenprojekt auf dem Rechtsweg bekämpft durch alle Instanzen, bis vor Bundesgericht.
Am Tag der offenen Tür erhält die Bevölkerung Gelegenheit zur Besichtigung des Rechberg-Ensembles.

Elmar Melliger

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