Weltblatt für den
Kreis 1


Werkstattbesuch mit dem Altstadthaus

Mamadou Konate wurde 1977 in der Metropole Abidjan an der Elfenbeinküste geboren und ist 2004 als Flüchtling in die Schweiz gekommen. Heute hat er sein eigenes Schneideratelier.

Es ist immer von Vorteil, eine Grossmutter zu haben, die einen liebt und die das Familienoberhaupt überzeugen und überstimmen kann. Mamadou Konate hat eine solche Grossmutter, die ihn bei der Berufswahl sehr unterstützte. Der junge Mann sollte eine Lehre anfangen. Er wollte Schreiner werden. Nachdem er in den ersten Tagen aber nur Holz sammeln durfte – und die schwere Last auf dem Kopf in die Schreinerei tragen musste, brach er die Lehre bereits nach einer Woche ab und versuchte sich als Automechaniker. Mamadou hat schöne Hände und wollte diese auch sauber halten. Dem Lehrmeister waren Wasser und Seife zu kostbar für den Lehrling und so trennten sich die beiden bald. Trotz Ungeduld des Vaters versuchte sich Mamadou als Autoschlosser, aber die Schweissarbeit blendete seine Augen, was der junge Mann nicht vertrug. Im vierten Anlauf begann er eine Schneiderlehre und dabei blieb es. Er erlernte das Metier von der Pieke auf und liebt diese Arbeit bis heute. – Aufgrund der politischen Situation an der Elfenbeinküste flüchtete Mamadou Konate nach Europa, wo er 2004 in der Schweiz ankam. Hier ­begann seine bemerkenswerte Karriere. Er erkannte sofort die Dringlichkeit, unsere Sprache zu erlernen, um hier zu bestehen. Im Asylantenheim in Rüti arbeitete er als Strassenreiniger, bis ihm eines Tages per Zufall eine Frau eine Bernina-Nähmaschine schenkte, die sie eigentlich entsorgen wollte. Nun hatte er die Möglichkeit, sein Handwerk auszu­üben. Um die Heimleiterin dafür zu gewinnen, eine Nähwerkstatt einzurichten, nähte er ihr zu Weihnachten eine Bluse, und so bekam er einen kleinen Raum als Werkstatt.

Selbständigkeit
2008 zog Mamadou Konate nach ­Zürich und eröffnete an der Rautistrasse in Albisrieden ein Nähatelier. Als Startkapital hatte er von einem Freund 5000 Franken erhalten mit der Auflage, das Geld bei Nichtgelingen zurückzuzahlen. Er konnte den Betrag behalten. Widrige persönliche Umstände führten ihn dazu, sich nach fünf Jahren eine neue Lokalität zu suchen. Er bewarb sich bei der Stadt für den heutigen Standort am Seilergraben. Eine Woche bevor er die Räumlichkeiten an der Rautistrasse verlassen musste, wollte ihm ein Freund helfen, alle Stoffe und das Mobiliar zu ihm nach Hause zu schaffen. Konate beschloss, bis zum letzten Tag die Antwort der Ligi abzuwarten. Sein Gottvertrauen wurde belohnt. Am 28. November 2014 erhielt er von der Stadt die Zusage für das ­Laden-Atelier am Seilergraben.
Hier arbeitet er alleine und gibt Nähkurse. Seine Spezialität sind Kreationen aus europäischen Schnitten, gefertigt aus afrikanischen Stoffen, die man ab der Stange für einen sehr fairen Preis kaufen kann. Er fertigt auf Bestellung aber auch andere Grössen oder Kleider nach einem gewünschten Schnittmuster an. Speziell rüstet er auch alte Mäntel wieder zu neuem Glanz auf, die er mit neuen Stoffen besetzt. Er hat ein sehr gutes Auge und Gefühl für verschiedene Schnitte und so trägt man dann etwas ganz ­Eigenes. Die Kinderkleider sind so bezaubernd, dass man sich eine ganze Horde von kleinen Mädchen und Enkelkindern wünscht, um diese einzukleiden! Für Männer hat es Hemden, Shorts und auf Spezialanfertigung auch Jackets.

Schöne Stoffe
Wer das Atelier betritt, wird sofort von diesen wunderbar bedruckten Stoffen eingenommen. Es ist eine wahre Augenweide. Die Stoffe stammen alle aus Ghana und der Elfenbeinküste, wo Mamadou Konate einmal im Jahr hinreist und einkauft.
Neben den farbig bedruckten Uniwax-Stoffen hat die Kreation Konate auch gewobene Stoffe, die vor allem als Bettüberwurf verkauft werden. Diese Stoffe kommen allesamt aus ­einer Weberei in einem Dorf in der Nähe von Korhogo im Norden der Elfenbeinküste. In dieser Kooperative arbeiten etwa hundert Männer. Die Baumwolle wird selbst geerntet und zu Fäden verarbeitet und dann mit kleinen, schmalen Webrahmen zu Stoffbahnen gewoben, die dann zusammengenäht werden. Jeder Arbeiter stellt seine Stoffe in einem gemeinsamen Laden aus und muss dafür nur fünf Prozent des Verkaufspreises abgeben. Der Laden ist immer geöffnet ausser bei Hochzeiten, Kindergeburtstagen und Beerdigungen, weil dann das ganze Dorf zusammenkommt.
Mamdou Konate ist gut vernetzt, nicht zuletzt weil er an vielen Afromärkten einen Stand hat.
Einige der gut zwanzig Besucherinnen und Besucher des Werkstattbesuches streichen über die Stoffe, halten sie vor sich hin und begutachten sich im Spiegel. Die erste Bestellung geht über den Ladentisch: Hanspeter Wälchli lässt sich ein Hemd nähen. Es wird noch mehr Einkäufe und ­Bestellungen geben. Es herrscht ein emsiges Hin und Her.
Afrikanische Köstlichkeiten, Bisab, ein Hibiskussaft, Kochbananen und Baignets locken die Leute zum Apéro. – Ein gelungener Anlass.

Christine Schmuki

Kreation Konate, Seilergraben 7, 8001 Zürich,
Tel. 078 866 86 95, www.kreationkonate.ch

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