Weltblatt für den
Kreis 1


Inspiration und Leidenschaft

Ein kleines Universum von beeindruckenden Objekten und Bildern sind in diesem stimmungsvollen Raum versammelt. – Zur Freude der Gäste des Atelierbesuchs bei Adina Gheorghiu an der Spiegelgasse 5.

Die Aussage von Adina Gheorghiu, sie male seitdem sie sich erinnere und ausser einem fünfjährigen beruflichen Aufenthalt in der Bibliothek der ETH habe sie nichts anderes gemacht als gemalt und Objekte erstellt, passt vortrefflich zu dieser kleinen, zierlichen Frau. Klein und zierlich ist sie in Gestalt. Wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, funkelt ein Feuerwerk von Leidenschaft, Inspi­ration, Hingabe und Liebe zu ihrer Arbeit in ihrem Gesicht, in ihren ­Augen. Sie ist sehr glücklich in diesem Atelier. Kein Wunder, es ist ein schöner, heller Raum mit Cachet. Hier kann sie walten und auch mal etwas liegen lassen, das stört niemanden.
Viele ihrer Bilder haben eine lange Entstehungsphase. Da ist eine Idee im Kopf, die sich in der Natur spiegeln mag oder sich weiter entwickelt, beim täglichen Joggen am See, und im Morgenlicht klare Formen annimmt. Die Künstlerin liebt das Wasser und Formen, die vom Nebel verschluckt werden. Hier findet sie ihre Inspiration, die verdichtet in der Reduktion auf die Leinwand gebracht wird. Zuvor entstehen viele Skizzen auf Notizblättern und in Skizzen­blöcken, bis die fertige Komposition ausgereift ist für die Endfassung auf dem Tuch.
Zum Teil erinnern die Werke an die minimalistische Formensprache der japanischen Kunst und an die Arbeiten der Künstlerinnen Agnes Martin und Maria Aeschbach, die Adina auch sehr nahe gehen.

Zu Hause gemalt
Adina Gheorghiu ist in Bukarest geboren und als Kind mit der Familie nach Toronto emigriert, wo sie an der University of Toronto und am Toronto Royal College of Art Kunstgeschichte, sozial-kulturelle Anthropologie und Malerei studierte. Das künstlerische Ambiente in der Stadt war fruchtbar und gut. In leeren Gebäuden fanden Ausstellungen statt, die jungen Künstler und Künstlerinnen konnten ihre Werke vorzeigen, hatten ein ­Forum für Diskussionen und konstruktive Kritik. In Toronto lernte Adina Gheorghiu auch ihren Mann kennen, einen Architekten rumänischer ­Abstammung mit schweize­rischer Niederlassungsbewilligung, mit dem sie in die Schweiz zog. Hier kamen ihre zwei Buben Teo und Max zur Welt. Bis sie vor eineinhalb Jahren ihr Atelier an der Spiegelgasse beziehen konnte, hat Adina immer zu Hause gemalt.
Dies half bei der konfliktfreien Erziehung: sie malte und war glücklich und die beiden Buben konnten sich entwickeln ohne andauernd bewacht zu sein. Zu Hause malen hiess aber auch immer wieder auf- und wegräumen, um am nächsten Tag wieder alles auszupacken. Und wenn Sammler und Käufer ihre Bilder ansehen wollten, wirkte das in der Wohnung immer etwas hobbymässig und nicht wirklich professionell.

Atelier in der Altstadt
Mit ihrem heutigen Lebenspartner, dem Filmemacher Fredi M. Murer, zog Adina mit den beiden Söhnen vor zehn Jahren von Rüti an die Trittligasse. In einem ehemaligen Ballettsaal an der Schnittstelle zwischen Winkelwiese und Trittligasse konnte sie Bilder ausstellen und ihr Sohn Teo konnte dort auf seinem Flügel total in der Musik versinken, ohne jemanden zu stören. Hier in Zürich ergab sich auch die Möglichkeit, in der Binz und in der Galerie von Stefan Witschi an der Zwinglistrasse ihre Bilder auszustellen. – Und nun hat sie ihr eigenes Atelier und ist sehr dankbar, dass sie in diesem inspirierenden Raum arbeiten kann, nach Lust und Laune. Grundsätzlich ist sie jeden Nach­mittag hier anzutreffen. Oft arbeitet sie an verschiedenen Bildern gleichzeitig.

Objekte
Neben der Malerei gestaltet Adina Gheorghiu Objekte aus Zeitungen. Die Künstlerin archiviert Zeitungstexte in Beize! Das Kochen der Holzbeize, schwarz oder farbig, mit seinen Gerüchen, und die Vorbereitung der Zeitungen empfindet Adina als ­einen sehr meditativen Vorgang. Die so bearbeiteten Zeitungsausschnitte werden dann zum Beispiel zu kleinen Paketen gebündelt und in schöne Holzkistchen gelegt, hinter Glas als Bilder festgehalten, gerollt oder gestampft. So ist zum Beispiel nach der ersten Bankenkrise eine Serie von «gefallenen Köpfen» entstanden. Zeitungsausschnitte von Tages-Anzeiger, NZZ oder Altstadt Kurier, konserviert in Holzbeize, werden zu einem Kopf geformt. Für die Künstlerin ist es wichtig, dass die ganze Information und Kommunikation gebündelt vorhanden bleibt – in welcher Form auch immer: als Fächer oder Schriftrollen sind diese Gebilde eine wahre Freude für das Auge.

Werkstattbesuch
Für den Werkstattbesuch war es Adina Gheorghiu wichtig, Leute, die sie mit ihrem Wesen und Objekten inspirieren, mit einzubeziehen. So konnten die weit über zwanzig Besucher und Besucherinnen nicht nur die Werke von Adina bewundern, sondern auch Schuhe und Taschen von Lotte Schilder Bär. Oder Düfte, Trockenfrüchte, Honig und Öl aus der Buchhandlung Medieval. – Adina ist stolz, dass sie die Ferienablösung des Ladens jeweils übernehmen darf. Weiter die CDs von ihrem Sohn Teo und die Filme der Alpentrilogie und das Skizzenbuch von Fredi M. Murer.
Dieses Angebot rundete den Werkstattbesuch schön ab. – Adina Gheorghiu strahlte und war die perfekte Gastgeberin, die sich charmant um ihre Gäste kümmerte, als würde sie das jeden Tag machen.

Christine Schmuki

Adina Gheorghiu, Spiegelgasse 5, Montag bis
Sonntag nachmittags, gerne nach Voranmeldung,
Tel. 076 373 00 21.


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