Weltblatt für den
Kreis 1


Kulinarium
Im besten Licht - das «Lumière»

Wie im letzten Altstadt Kurier angemeldet, erglüht das ehemalige Restaurant «Barometer» in neuem Licht.

Spezielles Licht aus der Provence, wunderbares Licht vom Meer, Licht auch von argentinischen Weiden.
Doch auch Licht, dass die Fotografien zum Leben erweckt, weckte unser Interesse. So ist denn der schöne Wahrspruch auf der langen Zündholzschachtel (man darf noch rauchen) nicht nur sehr schön , sondern eben wahr: «La lumière est la femme sculpteur de la réalité.» (D.M. 2004) Jedoch, wir sind zum Essen gekommen, das Interieur betrachtet man ja gerne mit vollem Magen und bei angenehmem Zurücklehnen.

Die Küche des Lichts
Der Schreiber begann mit Poireaux Vinaigrette, der meines Erachtens richtig lauwarm war und die Vinaigrette alles enthielt, was notwendig ist, kurzum perfekt und sehr gut (Fr. 12.50). Ein kulinarischer Schreiber einer anderen Zeitung fand vor einigen Wochen das Gericht viel zu bitter. Dann muss man dieses natürlich sofort bestellen, um seinen eigenen (allerdings nur wörtlichen) Senf dazuzugeben. Es folgte beim Mitesser eine Potage Crème de Curry (Fr. 8.50), welche er lobte, und bei der Dame vis-à-vis Moules Marinières mit Pommes frites. Beides fand ungeteilte Zustimmung.
Poissons de mer aux légumes tièdes, was deutsch lauwarmer Gemüsesalat heisst, erfreuten den Esser mehrfach, wobei noch etwas mehr Meerfisch ihn noch etwas mehr erfreut hätte. Und nun zur Hauptsache, der Specialité maison, dem Entrecôte Café de Paris mit Fleisch von der Farm Ojo de Agua in Argentinien und Kräuterbutter nach Paul Wannenwetsch, ehemals Restaurant «Eichmühle» in Wädenswil und noch früher im «Rössli» in Balsthal, wo der Schreiber den schon damals legendären Koch als Jungesser kennen lernte. Die das absolut gelungene zarte Entrecôte begleitende Kräuterbutter bleibt leider Geheimnis des Hauses, war aber so verführerisch, dass sämtliche Diätregeln sich in Luft auflösten, es wurde getunkt und gelöffelt (Fr. 43.-). Als Nachtisch kam ein Brie de Meaux portionenweise wie gerufen, denn, so das Sprichwort, Käse verschliesst den Magen, es war aber auch höchste Zeit. Reif und gut.
Zu Beginn begleitete uns ein fruchtiger weisser Viognier aus Mendoza (dl
Fr. 7.-), der als Auftakt allen gut mundete. Nicht viel später folgte eine Flasche Château Mouton 1999 (Fr. 52.-), der das Mahl angenehm bereicherte. Und zum Käse wählten wir den kräftigen Cabernet Sauvignon, ebenfalls aus Mendoza (dl
Fr. 6.-), sodass wir Argentinien inklusive Fleisch alle Ehre getan hatten.

Das Interieur
Lumière heisst Licht. Licht, das die Fotografen für ihre Bilder brauchen. Die Fotografien sind denn auch allgegenwärtig. Hinten im Lokal, wenn man vorne hereinkommt, sind Werke von Jakob Tuggener. Ballbilder aus rauschenden Zeiten, die bis Ende Februar im Fotomuseum in Winterthur ausgestellt waren. Im Mittelteil Bilder von Dieter Meier, die er neben seiner Filmtätigkeit aufgenommen hat und vorne, gegen die Widdergasse, Fotografien, das heisst Bildausschnitte aus Filmen von Kurt Früh. Persönlichkeiten von Zürich und anderswo sind festgehalten, unter anderen Zarli Carigiet, Max Frisch, Walter Roderer, Anne-Marie Blanc, Schaggi Streuli und viele weitere Berühmtheiten vom Cabaret Cornichon bis «Hinter den sieben Gleisen» und ebenso Ludwig Hohl, der im Januar Gastrecht im Strauhof genoss. Wenn nun der «Plan Lumière» in Zürich Wirklichkeit wird, ist das «Lumière» mitten drin, was kann es Besseres geben?
Wie letztes Mal erwähnt, hat Gisela Lacher, Gastgeberin im «Kindli», das Lokal am 3. November übernommen und führt es, wie sie sagt, als kleine Tochter vom «Kindli». Küchenchef ist Walter Felberbauer, und Geschäftsführer Alessandro Solari führt das Lokal. Hilfsbereite und freundliche Damen und Herren in weissem Leinen sind besorgt für die Gäste. Neu gilt die grosse Karte am Samstag den ganzen Tag, jedoch ist das Restaurant am Sonntag erst ab 18 Uhr geöffnet. Bei unserem Besuch waren alle fünfzig Plätze im Lokal ein- oder zweimal besetzt. Freuen wir uns also auf den Sommer, wo auf der Terrasse mit einem neuen Storen noch dreissig Plätze dazukommen.

Restaurant Bar «Lumière», Widdergasse 5, 8001 Zürich, Telefon 044 211 56 65. Offen Montag bis Samstag 11.30 bis 24, Sonntag ab 18 Uhr.

Peter Keck

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