Weltblatt für den
Kreis 1


120 Jahre Druckerei Hürlimann

Viele alteingesessene Gewerbebetriebe sind aus der Altstadt verschwunden. Nicht jedoch die Druckerei Hürlimann: Sie kann ihr 120-jähriges Bestehen feiern!

In vielen Altstadtliegenschaften war in früheren Zeiten im Erdgeschoss ein Gewerbebetrieb mit einer Werkstatt, in der gesägt und gehämmert wurde. Die Mehrzahl von ihnen ist verschwunden. Nicht so die Dru­ckerei Hürlimann, die seit 1896 exis­tiert und seit 1898 im Oberdorf beheimatet ist!
Am 29. September wurde das stolze Jubiläum gefeiert. Am Morgen bestand die Gelegenheit zu einer Betriebsbesichtigung, am Abend startete das grosse Fest mit Speis und Trank.
Der Inhaber Robert P. Hürlimann führt den Familienbetrieb mit 23 ­Mitarbeitenden seit zwölf Jahren. «Seit einem Zehntel der Zeit», wie er schmunzelnd sagte. Sein Unternehmen wirkt in einer Branche, die eine schwierige Zeit durchlebt. Es hat am Standort in der Altstadt festgehalten, als andere auszogen. Denn man ist überzeugt, dass die zentrale Lage viele Vorteile bietet, welche das Fehlen von Parkplätzen vor dem Haus wettmachen, wie etwa die Kundennähe. So zählen viele Privat- und Geschäftskunden zur Stammkundschaft. Es gibt Geschäfte, die seit über 100 Jahren regelmässig Druckaufträge platzieren.
Robert Hürlimann führt das Unternehmen in vierter Generation. Er hat Typograph gelernt und in Lausanne die Ausbildung zum Druck- und Verpackungsingenieur HTL absolviert. Danach war er sechs Jahre in Kalifornien, in Berkeley bei San Francisco, wo er in einer Druckerei angestellt war. Zurück in Zürich hat er in der Druckerei zu arbeiten begonnen und sie nach einem Jahr dann übernommen.
Die Nähe zum Silicon Valley sei inspirierend gewesen. «Das hat mir einen Innovationsgeist mit auf den Weg gegeben, das hat mich geprägt», erklärte Robert Hürlimann auf einem kurzen Rundgang durch die Druckerei, «die Kultur des Probierens. Etwas Neues zu wagen.» Und schon stehen wir vor der Digicut-Maschine, einer Neuanschaffung. Diese Laser-Maschine kann verschiedene Materialien, vom Karton bis zum Stein, gravieren, prägen und nach Wunsch zurechtschneiden. Es liegen mit einer Prägung versehene Schiefersteine zur Ansicht auf oder Bierdeckel in ­einer Fantasieform.
Eine weitere Neuigkeit ist der ­Schreibroboter. Dieser kann, mit elf verschiedenen Handschriften ausgerüstet, mit einem Stift nach Wahl beispielsweise Karten beschreiben, sagen wir: 500 Einladungskarten. Oder sie wenigstens mit der Unterschrift des Absenders unterschreiben. Oder er adressiert «von Hand» 2000 Briefumschläge, die dann bestimmt auch geöffnet werden und nicht (versehentlich) im Altpapier landen. Das Schreibtempo ist gemächlich, doch der Roboter kann das über viele ­Stunden durchziehen.
Man spürt eine Lust zur Innovation, die man eher bei einer Firmengründung vermuten würde. Gerade diese ständige Erneuerung, dieses Sich-neu-Erfinden, ist bestimmt ein guter Weg in die Zukunft.
Etwas zum Schluss: Die Firma Hürlimann ist im Haus Sitkust an der ­Trittligasse 2 / Oberdorfstrasse 28 eingemietet, in vierter Generation. Bei der Hauseigentümerfamilie Guyer, in dritter und vierter Generation. – Seit 118 Jahren! – Herzliche Gratulation zum Jubiläum!

Elmar Melliger


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