Weltblatt für den
Kreis 1


Hoffnung für den «Saftladen»

Bleibt weiterer Aderlass an der Marktgasse erspart? Die Zeichen für eine Weiterführung des beliebten Saftladen stehen nicht schlecht.

An der Marktgasse könnte die Schliessung eines weiteren im Quartier sehr beliebten und einzigartigen Ladens verhindert werden. Dann nämlich, wenn der Ladenbesitzer Marcel Iten den nötigen Kredit aufbringt, das Haus zu kaufen. Hier besteht für einmal die Gelegenheit, aktiv ins Geschehen einzugreifen.

Nach der ohnmächtig hinzunehmenden Schliessung des Käseladens Müdespacher Ende Mai und der bevorstehenden Schliessung der Bäckerei Bertschi wegen eines nötig werdenden Umbaus des Hauses anfangs Juli gibt es wenigstens für den «Saftladen Marcel Iten» unerwartete Hoffnung.
Wie der Altstadt Kurier im November berichtete, steht das Haus an der Ecke Marktgasse / Münstergasse zum Verkauf. Der Eigentümer Jonas Thiel, der vor vierzehn Jahren den «Saftladen» ins Leben gerufen und ihn lange Jahre geführt hatte, übergab Ende Oktober den Laden seinem langjährigen Mitarbeiter Marcel Iten, mit einem Mietvertrag für sechs Monate. So lange würden die Verkaufsbemühungen in Anspruch nehmen, so lange konnte der neue Ladenmieter die Selbständigkeit einüben. – Dieser machte sich sogleich daran, einige Konzeptanpassungen vorzunehmen. Unter anderem Dank dem Verzicht auf gewisse Produkte, die bisher in mühevoller Arbeit im Obergeschoss zubereitet wurden, und einem zweiten Ruhetag in der Woche konnte er die Personalkosten deutlich senken. Und trotz langem und unwirtlichem Winterhalbjahr darf er – nicht zuletzt, weil nun täglich ein (vegetarisches) Mittagsmenü auf der Karte steht – auf ein gutes Geschäftsergebnis zurückblicken. Es macht also ganz den Anschein, dass es funktioniert, den kleinen Betrieb rentabel zu führen.
Jonas Thiel, dem sein Kind natürlich immer noch am Herzen liegt, bietet nun Hand für eine neue Wende. Die besteht darin, dass nicht irgend ein Meistbietender, sondern der initiative neue Ladenbesitzer selbst das Haus kauft und damit seinen Rauswurf durch den neuen Inhaber verhindert. Die schier undenkbare Umkehr des eingespielten Musters – Hausverkauf: ade Quartierladen, hallo Kebab-Stand oder Boutique – liegt hier in Griffnähe. Was noch fehlt, ist ein Teil des Kapitals, rund 200 000 Franken, das Iten bis Mitte Juli durch Darlehen auftreiben will. Diese verzinslichen Darlehen – der Zinssatz entspricht etwa dem üblichen Hypothekarzins und liegt deutlich über den Sparzins – will er in seiner Kundschaft und bei denjenigen Leuten zusammenbringen, die über etwas Erspartes verfügen und denen die Quartierentwicklung nicht einerlei ist. Und von denen, so hofft er, gibt es doch einige. (Einzelne Zusagen hat er bereits bekommen.)
Hier könnte ein Zeichen gesetzt werden, ein entschlossenes Zeichen dafür, dass man unliebsame Entwicklungen nicht einfach hinnehmen will. Wenigstens hier, wo etwas auszurichten ist. Und damit besteht die Hoffnung, dass der unangenehme Gedanke, dass auch der beliebte «Saftladen» vor dem Aus steht, nicht zu Ende gedacht werden muss.

Wer bereit ist, ein verzinsliches Darlehen von mindestens Fr. 10 000.– über fünf oder zehn Jahre zu gewähren, melde sich direkt bei Marcel Iten im «Saftladen». Er wird Ihnen gerne weitere Informationen geben.

Von Elmar Melliger


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