Nach 25 Jahren das Aus

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Anstatt nach einem Vierteljahrhundert das stolze Jubiläum zu feiern, stellt der Wirt des Restaurants «Neumarkt» auf Ende Jahr den Betrieb ein. – Eine unselige Geschichte.

Dass der Haussegen schief hing, war seit einiger Zeit bekannt (Altstadt Kurier, Oktoberausgabe). René Zimmermann, der Wirt der «Wirtschaft Neumarkt», beklagte sich über unerträgliche Lärmimmissionen des Theaters Neumarkt. Dieses ist im 2. Obergeschoss eingemietet und produziert seit dem Wechsel der Direktion vor zwei Jahren seiner Meinung nach Lärm, zu viel Lärm. Es beschalle das Publikum dermassen mit Lärm, so der Wirt, dass es in den Räumen darunter unerträglich laut sei, weshalb sie nicht für Bankette genutzt werden könnten, was entscheidende Auswirkungen auf den übrigen Restaurationsbetrieb habe.

Der 1. Stock, direkt unter dem Theater also, gehört mit seinen historischen Sälen ebenso wie das Speiselokal im Erdgeschoss, die «Desti» und der «Sommernachtstraumgarten» hinter dem Haus zum Restaurant. Das Haus, das Stammhaus der Zunft Hottingen, ist im Eigentum der Stadt. Involviert sind die Departemente Hochbau mit der Immo (Immobilien Stadt Zürich für bauliche Fragen), das Finanzdepartement (die Ligi resp. Liegenschaften Stadt Zürich für die Vermietung) und das Präsidialdepartement (für das Theater). Sämtliche Hilferufe des Wirts René Zimmermann verhallten ungehört respektive haben keine Wirkung erzielt. Zuletzt, als er sich mittels eines Rechtsanwalts Gehör verschaffen wollte, wurde ihm durch den Anwalt der Stadt beschieden, dass seitens der Stadt kein Bedarf nach einem Gespräch bestehe. Dies nach 25 Jahren.

 

Eine Institution
Vor 25 Jahren nämlich, am 1. Mai 1996, hat René Zimmermann das Restaurant «Neumarkt» übernommen und es zu einer Institution gemacht. Hier lässt sich hervorragend speisen, finden – oder fanden – in den Räumen im Obergeschoss Sitzungen, Tagungen, kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Feiern aller Art, die Anlässe der Zunft und vieles andere mehr statt. Die Café-Bar im Parterre hat sich zum Quartiertreffpunkt par excellence entwickelt, deren Kosename «Desti» sich hartnäckig gehalten hat, obschon der Wirt das Konzept vor vielen Jahren von der ursprünglichen «Destithek» mit Fokus auf Spirituosen geändert hat in ein Café mit Bar. Hier treffen sich etliche Quartierbewohnerinnen und -bewohner praktisch täglich, in der warmen Jahreszeit gern an den Tischchen auf dem Neumarkt.

 

Es geht zu Ende
René Zimmermann zieht sich zurück aus dem Mietvertrag und stellt den Betrieb ein. An den Samstagen vom 20. und 27. November standen an einem Flohmarkt Schätze aus dem Fundus des Restaurants zum Verkauf: Dekorationsmaterial, Geschirr, Gefässe, Vasen, Spirituosen etc. Am 23. Dezember 2021 schliesst das «Neumarkt» unter dem Wirt René Zimmermann definitiv. Statt ein Fest zum 25-jährigen Bestehen feiern zu können kommt es zu einem abrupten Ende mit bitterem Beigeschmack für den langjährigen Wirt – und die überrumpelten Gäste. Im Januar 2022 wird das ganze Inventar, Küchenutensilien, Geschirr und das Mobiliar liquidiert.

René Zimmermann ist inzwischen 73 Jahre alt geworden. Sein Vertag läuft – oder liefe – noch bis 2024. Gern hätte er den Betrieb, eine Aktiengesellschaft, seinem Team übergeben, das es in seinem Sinn – und im Sinn des Quartiers – weitergeführt hätte.

Seitens der Stadt bestand scheinbar kein Bedarf nach einem Gespräch.

 

Elmar Melliger


 

Weiterhin Restaurant
Auf Anfrage bei Liegenschaften Stadt Zürich war keine inhaltliche Stellungnahme zur aktuellen Situation zu erhalten. Wie bereits vor zwei Monaten hiess es dazu, dass wegen des laufenden juristischen Verfahrens nichts dazu gesagt werden könne.
Nach Beendigung des Mietverhältnisses werde das Restaurant zur Neuvermietung ausgeschrieben.       

EM