Romeo und Julia

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Jedes Jahr vor Weihnachten veranstaltet die Oberstufe des Schulhauses Hirschengraben einen Literaturanlass. Diesmal galt es eine fiktive Geschichte zum Hirschenplatz zu schreiben, die im 16. Jahrhundert oder im Jahr 2300 angesiedelt ist. Für die drei 3.-Sekundarklassen wurde der folgende Text als bester erkoren, die Autorin erzählt eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert. (Die Texte der 1. und der 2. Sek. folgen.)

Es war der 15. April 1591. Julia, eine junge Frau aus gutem Hause die am Hirschenplatz wohnte, spazierte mit ihren Eltern über den Lindenhof. Ihr kastanienbraunes Haar war zu einem Zopf geflochten. Sie trug ein weisses Kleid und einen rosa Hut. Sie war 19 Jahre alt und eher klein. Sie lief zwischen ihren Eltern Heinz Schmied und Lisa Schmied. Die Familie Schmied war sehr wohlhabend und einflussreich, denn Lord Schmied war ein guter Geschäftsmann. Er war streng und traditionsliebend.
Die Familie hatte nur ein Problem und zwar die Familie von Stein, mit der sie seit Generationen verfeindet ist. Doch während sie über den Lindenplatz spazierten sahen sie auf einmal, dass die Familie von Stein auch hier war. Herr Schmied und Herr von Stein bekamen sich direkt wieder in die Haare. Doch zum ersten Mal bemerkte Julia den hübschen Sohn der von Steins. Er hatte braune Augen und blondes Haar, ausserdem auch noch einen durchtrainierten Körper. Er schien sie auch zu bemerken, denn er schaute sie ebenfalls neugierig an. Julias Herz begann schneller zu schlagen. Doch so schnell der Moment gekommen war, desto schneller war er auch wieder vorbei.
Auf dem Heimweg konnte Julia an nichts anderes denken. Nach dem Abendessen beschloss sie, noch kurz an die frische Luft zu gehen, um ihre Gedanken zu sortieren. Doch als sie ein paar Schritte gegangen war, stand plötzlich der Sohn vor ihr. «Julia, ich hatte gehofft, dich wieder zu sehen!», sagte er. «Wer sind Sie», fragte Julia, obwohl sie es genau wusste. «Ich muss dir das nicht beantworten, denn du weisst wer ich bin», meinte er mit einem Grinsen im Gesicht. «Lassen Sie mich, wir dürfen uns nicht sehen», rief sie und rannte davon. «Sehen wir uns morgen wieder? Ich heisse übrigens Romeo», rief er ihr hinterher.
Als Julia wieder zu Hause war, ging sie direkt ins Bett, doch sie konnte nicht einschlafen, weil sie immer an Romeo denken musste. Als sie schliesslich doch einschlafen konnte, war es schon spät. Am nächsten Morgen fühlte sie sich müde. Julia überlegte sich den ganzen Tag, ob sie Romeo wieder sehen wollte. Ihr Herz sagte ja, doch ihr Gewissen nein. Doch sie wollte ihn unbedingt wieder sehen und so kam es, dass sie nach dem Essen wieder los ging. Sie lief über den Hirschenplatz zur kleinen Gasse, wo sie Romeo das letzte Mal gesehen hatte und tatsächlich stand er wieder da. Dieses Mal lief Julia nicht weg, sondern spazierte mit Romeo. Der Abend war schön und Romeo erzählte ihr von seinen Plänen, die Welt zu bereisen.
Als Julia wieder zu Hause war, fühlte sie sich glücklich und erfüllt. Und so kam es, dass sie sich fast jeden Abend mit Romeo traf. Irgendwann konnten die beiden ihre Gefühle füreinander nicht mehr leugnen und es kam zum ersten Kuss. – Julias Vater wunderte sich, wo Julia abends immer hin ging und er folgte ihr eines Abends. Als er Romeo sah, rannte er auf die beiden zu und schlug Romeo ins Gesicht. Der taumelte zurück und fiel zu Boden. «Ich verbiete dir, ihn jemals wieder zu sehen! Ich dachte, ich hätte dich gut erzogen», schrie Herr Schmied. «Das wird noch Folgen haben!», fauchte er.
Einige Wochen vergingen und Julia vermisste Romeo mit jeder Faser ihres Körpers. Doch in dieser Nacht klopfte es an ihrer Balkontür und Romeo stand davor. «Ich musste dich einfach sehen!», murmelte er und schloss Julia in die Arme. Doch als er sie los liess ging plötzlich Julias Zimmertür auf und Herr Schmied sprintete hinein. «Hab ichs doch gewusst, mir war doch, als hätte ich dich gesehen», knurrte er gefährlich leise. Er rannte auf Romeo zu, der völlig perplex am Rand stand. Herr Schmied rannte auf ihn zu und schubste ihn den Balkon hinunter. «Nein!», schrie Julia und sprang hinterher. Als sie es realisierte, war es bereits zu spät. Sie waren beide auf dem Hirschenplatz gestorben.
Einige Jahre später. Der Hirschenplatz hatte sich kaum verändert. Es wurde ein Monument zu Ehren von Julia und Romeo gebaut.
Nach dem tragischen Unfall hatten sich alle versöhnt und so geht das Leben weiter.

Linh Lichtin