Bauarbeiten in allen Gassen

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Auf einem Rundgang konnten sich Interessierte ein Bild machen von den Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Sanierung der Werkleitungen in Nieder- und Oberdorf.

Das Tiefbauamt organisierte für die Mitglieder des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat einen Baustellenrundgang. Bekanntlich werden auf dessen Vereinsgebiet, in der Altstadt rechts der Limmat also, von 2023 bis 2028 die Werkleitungen erneuert. Dabei geht es um Wasser-, Gas- und elektrische Leitungen. Die Kanalisation, also die Abwasserleitungen sind davon ausgenommen, die sollten jeweils ca. hundert Jahre halten, seit der letzten Sanierung in den 1980er-Jahren also noch etwa fünfzig, sechzig Jahre. Und Glasfaserleitungen wurden kürzlich bereits verlegt.

Präzision in engen Gassen
Über dreissig Personen sind der Einladung gefolgt und lassen sich am
29. Januar 2024 abends vom Gesamtprojektleiter André Pallaton und den Verantwortlichen für je eines der vier Teilgebiete durch die Baustellen führen. Das ganze Gebiet ist eingeteilt in zwanzig Baufelder, von denen immer mehrere parallel in Bearbeitung sind. Insgesamt etwa hundert Personen arbeiten gleichzeitig an diesem Riesenprojekt, jeweils pro Teilgebiet etwa zehn Bauarbeiter vor Ort, dazu kommen Personal der betreffenden Werke und die Planer im Hintergrund.
Vom Limmatquai geht es die Rosengasse hoch zum Hirschenplatz, der als temporärer Installationsplatz dient. Derzeit sind Arbeiten in der Umgebung im Gang, so wird etwa gerade die Brunngasse auf der ganzen Länge geöffnet. Es ist Abend, alle Gräben sind durch Platten zugedeckt, die Gasse ist befahrbar.
Tagsüber bietet sich ein anderes Bild: Ein Bagger hebt den Graben aus, schwenkt herum und leert die Schaufel hinter sich in ein bereitstehendes Muldenfahrzeug. Dabei fährt die Schaufel um Handbreite an der Fensterreihe im ersten Stock vorbei, das Hinterteil der Maschine kommt der gegenüberliegenden Hausfassade ebenfalls gefährlich nahe. Blickkontakt zum Baggerführer ist angezeigt für Personen, die hier passieren wollen. Die Präzision der Arbeitsabläufe, durchaus mal schallintensiv, ist beeindruckend und erinnert an ein Ballett. Doch wie erwähnt werden die Gräben um 17 Uhr zugedeckt und erst um 7 Uhr früh wieder geöffnet. Für die anliegenden Geschäfte ist das Ganze natürlich eine schwierige Zeit mit Umsatzeinbussen. An der Brunngasse dauern die Arbeiten bis etwa Mitte April, später folgt die Pflästerung.
Bereits überstanden haben das Prozedere die Nachbarschaft an der Niederdorfstrasse von Central bis Am Rank, am Utoquai sowie jene im oberen Teil der Kirchgasse. Dort ist alles wie neu. Nein: neu.

Komplexes Projekt
Die Hauptgassen (also die Längsachse vom Central über Niederdorfstrasse, Marktgasse, Münstergasse, Oberdorfstrasse bis zur Rämistrasse, die Querachsen Neumarkt – Rindermarkt – Marktgasse sowie die Kirchgasse) erhalten eine Pflästerung mit glatter Oberfläche in der Gassenmitte. Dieser Streifen ist leichter begeh- und mit Rollstühlen etc. befahrbar.
An der Kirchgasse resp. auf dem Grossmünsterplatz dient ein Teil der Fläche als permanenter Installationsplatz, während der ganzen Bauzeit. Solche Installationsplätze befinden sich auch auf dem Predigerplatz, an der Unteren Zäune und am Hirschengraben an zwei Stellen. Hier sind Materiallager und werden Baumaschinen parkiert.
Gelbe Rohre, so lernen die Teilnehmenden des Rundgangs, dienen als Gasleitungen, blaue sind für das Wasser. Sie werden als Provisorien den Hausfassaden entlang als Erstes verlegt, bevor die zu ersetzenden Leitungen ausgebaut werden. So haben es die Anrainer immer warm und frisches Wasser. Ein toller Luxus, nichts mit Wasserbeutel-Schleppen.
Wir stehen auf der Oberdorfstrasse unterhalb der Frankengasse. Hier gilt es, Treppenstufe um Treppenstufe abzubauen und danach wieder herzurichten.
Dass nicht alles immer nach Plan läuft, davon kann der Gesamtprojektleiter ein Lied singen. Auch im engeren Sinn: Die Pläne sind teilweise ungenau. Da gräbt man und die erwartete Leitung befindet sich seitlich daneben.
Auch können die Bauarbeiter auf archäologisch relevante Funde stossen, die dann sorgfältig vermessen und bearbeitet werden. So sind beispielsweise am Limmatquai Teile der früheren Ufermauer zum Vorschein gekommen. Vor dem Bau des Limmatquais im 19. Jahrhundert reichte die Limmat stellenweise bis an die Häuserfront heran, war die Limmat bis zu dreissig Meter breiter.
«Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind», sagt André Pallaton am Schluss des Rundgangs, der eine halbe Stunde länger als veranschlagt gedauert hat, denn das Interesse war gross und es gab viele Fragen zu beantworten, «sollte die Infrastruktur wieder für zwanzig bis vierzig Jahre in Ordnung sein.»

Elmar Melliger

Am Freitag, 8. März, von 9 bis 10 Uhr, gibt es im Bistro «Karl der Grosse» Gelegenheit, mit den Bauverantwortlichen direkt in Kontakt zu kommen mit konkreten Fragen und Anliegen.