Die Zukunft ist offen

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Die Nachricht von der baldigen Schliessung des beliebten Lokals an der Münstergasse 20 / Obere Zäune 17 hat richtig eingeschlagen.

Das Wirtepaar Rolf und Gabi Weingand hat das Pensionsalter erreicht und will mal Pause machen. Zu anstrengend der Betrieb. «Fünf Tage haben wir geöffnet, mit Personalengpässen, dann zwei Tage Administration, Einkauf etc.», sagt Gabi Weingand. Sie ist, man staune, die Tochter von Franz Schnepf (geb. 1889), der das «Café Schlauch» 1920 gegründet hat. 1950 übergab er die Führung einer seiner Töchter, half aber mit bis zu seinem Tod (1966, mit 77). Gabi Schnepf übernahm mit ihrem Mann Rolf im Jahr 1989, ihre Mutter wiederum half mit bis sie 92 war.
Weingands haben drei erwachsene Kinder und zwei Enkel, für die sie sich nun Zeit nehmen wollen.
Das Lokal ist bekannt für seine biologische Vollwertküche in seit Jahrzehnten unveränderter heimeliger Atmosphäre mit währschaftem Beizenmobiliar. Bekannt auch für den Billardsaal resp. die Billardsäle, denn im Untergeschoss ist nochmals einer mit gleicher Fläche, anstelle der früheren Kegelbahn.
Wie es weitergeht mit dem «Schlauch» ist offen. «Es wäre natürlich schön, wenn der Billardsaal erhalten bliebe», sagt Rolf Weingand. Namentlich die Küche bräuchte indessen eine Auffrischung, hat doch der Kochherd Gabi Weingands Jahrgang, 1960.
Erst mal ist aber eine längere Pause angesagt und dann sehen die beiden – zusammen mit Gabis zwei Schwestern – weiter, ohne Eile, denn das Haus ist in Familienbesitz, die ganze Familie ist hier aufgewachsen.
Nach Medienberichten zur bevorstehenden Schliessung läuft es nochmals besser als zuvor schon, das Lokal ist mittags und abends ausgebucht. «Kürzlich», so Rolf Weingand, «alle Plätze waren besetzt, auch die an der Bar, kamen zwei Männer und wollten etwas trinken.» Das gehe leider nicht, alles sei besetzt, war seine Antwort. «Ausser Sie wollen hier im Raum stehen», scherzte er. – «Ok, gern zwei Bier!»

Elmar Melliger