Mezze von früh bis spät

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Das Kunsthaus, der alte, 1910 eröffnete Moser-Bau, ist um ein zeitgenössisches Kunstwerk reicher: «Bei Moudi am Kunsthaus» kann man wunderbar essen und trinken, geniessen und sich austauschen.

Er war damals ein kulinarisches Ritual, der Schawarma. Den organisierte unser Freund und Fahrer, nachdem wir anfangs der 1980er-Jahre in Beirut im Rafic-Hariri-Flughafen gelandet waren und unser Mietauto in Beschlag genommen hatten. Den Schawarma holte er in einem nahen Kiosk. Dann kauend weiterfahren, in die Bekaa-Ebene, nach unserem geliebten Damaskus. Das ist Vergangenheit. Die Gegenwart dort – die Nachrichten melden es immer wieder – ist schrecklich.
In Zürich ists vergleichsweise gemütlich. Und in der Altstadt geradezu exemplarisch libanesisch. – Das «Noon» an der Oberdorfstrasse gibt es schon ewig. Gastgeber Nasser Al Achkar und sein Küchenchef Firas Mousleh sind längst sozusagen Einheimische. Das «Cèdre» (früher Café Raben) am Hechtplatz führt seit April 2009 Maurice Houraibi.

Libanesischer Hotspot
In Zürich, wo er als 19-Jähriger anlangte, hat der gebürtige Libanese Moudi Fayad 2013 mit eigenen Lokalen angefangen. Und er hat das hochdeutsche Wort «lecker» nachhaltig eingeschweizert. Die Gartenmöbel draussen auf dem Heimplatz sind hellblau. – Das Restaurant «Bei Moudi am Kunsthaus» ist von morgens 9 bis abends 23 Uhr in Betrieb. Die Preise bewegen sich im mittleren Zürcher Segment, mittags von 18 bis 29, abends von 34 bis 85 Franken. Familientauglich ist der Sonntags-Brunch. Der Hauswein ist libanesisch, es gibt alternativ aber auch den Moudi Ice Tea.
Chefsache sind der Trüffel Mezze-Burger (Rindsburger, Tomate, Essiggurke, dreierlei Mezze, Fries und Salat) oder Tatar Malseh (Rindfleisch libanesisch, Zwiebeln und Kapern) oder Sharhat Dajaj (Kartoffelstampf, Champignons, Knoblauch, Zitrone, Poulet und Rind). Köstlich die diversen Mezze-Teller. Mezze heisst übrigens teilen!

Liebeserklärung an Zatar
Zatar ist eine traditionelle orientalische Gewürzmischung aus Thymian, Sesam, Summaq, Salz, Anis, Mohn, Zitronenextrakt und Olivenöl. Sein Siegeszug ist dem des Hummus vergleichbar, dem Kichererbsenmus, für das es selbstverständlich längst ein Betty-Bossi-Rezept gibt und das auch in wertkonservativen Hofläden vorrätig ist.
Es gehört zur städtischen Kultur, dass wir nicht nur Kunst und Musik aus aller Welt importieren, sondern auch für kulinarische Künstler und Kunstwerke – schon wegen des Mangels an einheimischen Fachkräften – die Zuwanderung fördern und geniessen. Gerade im Kulturviertel rings um Schauspiel- und Kunsthaus ist die Multikulti-Idee so naheliegend, dass man sich – im geräumigen ehemaligen Kunsthaus-Restaurant, wo heute eben Moudi Fayad wirtet – sogar ein Fraktionsessen der SVP vorstellen könnte.

Libanesische Küche schweizerisch
Ja, ihr lieben Patrioten: Es gibt, genau genommen, nichts Schweizerischeres als die libanesische Küche. Denn sie vereinigt die Leckerbissen aus allen Ländern rings ums Mittelmeer um sich, ist also zutiefst föderalistisch und braucht erst noch keine fremden (Geschmacks-)Richter, die Sterne oder Kochmützen verteilen. Die Libanesen haben es schon immer verstanden, sich in aller Welt anzupassen und beliebt zu machen. Dass ihnen dies auch im Kulturgeviert am Pfauen auf Anhieb gelungen ist, zeigen die Besucherzahlen.
Auch «Le Chiffon» in der denkmalgeschützten ehemaligen Scheune der früher dort aktiven Seidenindustrie quer über dem Hirschengraben ist so eine Innovation, die auf Anhieb ihr Stammpublikum erworben hat.
Wer dieses Phänomen als friedliche Unterwanderung der schweizerischen Rösti-Kultur durch ausländische Fachkräfte beargwöhnt, hat erstens recht und wird zweitens zu zehn Jahren Zunfthaus verurteilt!
Und bald wird ja auch der «Florhof» wieder offen sein! Nicht libanesisch, sondern im Lalique-Style. – René Lalique (1860-1945) war ein wunderbarer französischer Glaskünstler.

Esther Scheidegger

«Bei Moudi am Kunsthaus», Heimplatz 1, Tel. 044 251 53 53, info@beimoudi.ch. Offen Montag bis Sonntag von 9 bis 24 Uhr.