Senfgenoss, so ein Senf!

Regula unterstützt kleine Produktionsbetriebe und ebensolche Läden.

Natürlich gibt es auch «Züri-Senf». Wen wunderts, wir geben ihn ja noch so gern dazu, zu welchem Thema auch immer. Abholen kann man diesen Markenartikel im «Milchchäschtli» in Wipkingen. Oder bestellen. Und doch: Auch den «Senfgenoss» – was für eine schöne Wortschöpfung – gibt es in Zürich. Erfunden worden ist er vom Flaacher Winzer Ueli Kilchsperger, der seit 2014 in dritter Generation das Weingut Kilchsperger führt, zusammen mit dem Winterthurer Betriebswirt Beat Voegeli. Sie starteten ihr Projekt 2018, reisten nach Deutschland, recherchierten bei erfahrenen Senfmüllern und wie sie Newcomern das traditionelle Kaltmahlverfahren. Was ihnen niemand verriet: die Rezeptur für einen guten Senf! Sie experimentierten mit Senfsamen, Mahlgrad, Wasseranteil, Essig, Salz, Einmaischverfahren, Nassvermahlung… Im Frühling gibt es auch Bärlauch-Senf und in der Grillsaison Knoblauch-Rosmarin-Senf. Und das alles aus Winterthur! Gelobt sei die Provinz, die den Leuten noch Zeit lässt für solche Spezialitäten. («Senfgenoss» gibt es übrigens auch bei unserem Schwarzenbach an der Münstergasse, der gelobt sei und gepriesen für sein Geschick, solch kleine Produzenten zu finden!)

Dasselbe gilt übrigens auch für das Joghurt! Wer wird je wieder in die kalte Truhe beim Grossverteiler greifen, wenn er je «Seehof-Joghurt» von der Familie Bieri-Sturzenegger aus dem Tösstal gekostet hat? – Das Öffnen dieser (wiederverwertbaren) Gläser ist zwar ein Kunststück mit Verletzungsgefahr, aber dann…

Leute, es gibt immer mehr kleine landwirtschaftliche Produzenten, die ihre Wertschöpfungskette verlängern und direkt vom Hof in den Laden an der Ecke liefern. Und der hat dann das, was Marketingleute einen «USP» nennen: eine Unique Selling Proposition, das heisst: etwas, das niemand anderer hat. Damit überlebt er. Denn dafür, Leute, reisen wir verwöhnten Cheiben an den anderen Stadtrand, und selbstverständlich decken wir uns dann gleich auch noch mit Käse ein und mit den Chäschüechli und den Schinkengipfeli und den Crèmeschnitten, die die Ladenmutter Therese selbst gemacht hat.

Kleine, aktive Läden sind gut für solche Entdeckungen! Es ist übrigens ein sensationeller Laden: Wer gebrechlich ist, dem tragen sie die Tasche zum Auto. In Amerika haben sie diesen Service schon vor fünfzig Jahren bei den Einkaufszentren eingeführt und damit Generationen von Halbwüchsigen zum Taschengeld verholfen. Unsere Migros, Coop, Lidl usw. sind offenbar einfach zu einfallslos für sowas.


Regula