Gewusel in den Gassen
Wie war das doch mit den Kindern in der Altstadt. Hat es oder hat es nicht?
Geht es um das Thema der demografischen Entwicklung in der Altstadt, begegnet man oft einem hartnäckigen Vorurteil: Die Zahl der Familien sei rückläufig. Früher, so heisst es, war da mehr Gewusel in den Gassen, Kindergartenschliessungen seien noch kein Thema gewesen. Wer könne sich darüber wundern? Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern seien kaum mehr verfügbar, geschweige denn zu einem zahlbaren Preis. Die Devise daher: ab aufs Land oder in die Agglomeration!
Wie eine aktuelle Statistik der Stadt Zürich nun aber zeigt, entspricht dieses Vorurteil nicht der Realität. In Tat und Wahrheit hat sich über die letzten 25 Jahre die Anzahl Familien mit Kindern kaum verändert. Ist die Anzahl an Familien im Kreis 1 mit einem bzw. drei Kindern fast unverändert bei ca. 160 bzw. 25 geblieben, haben Familien mit zwei Kindern in der Statistik gar zugelegt (111 im Jahre 2024 gegenüber 87 im Jahre 2000). – Einen mysteriösen Knick zeigt die Statistik für die Jahre 2007 und 2008, in denen die Gesamtanzahl an Kindern auf ein Zwischentief von ca. 430 sank. Über die Gründe des (Geburten-)Rückgangs kann nur gemutmasst werden. (Eine mögliche Erklärung könnte darin liegen, dass im Jahre 2007 das erste iPhone auf den Markt kam und daher bei Menschen im geburtsfähigen Alter vorübergehend die Prioritäten anders gesetzt wurden.) Ab 2011 war dann wieder eine merkliche Zunahme an Kindern zu verzeichnen, seit 2019 liegt deren Anzahl stets bei über 460. Eine klare Veränderung über die Jahre zeigt die Statistik aber doch. Die Anzahl grosser Familien ist kleiner geworden. Elternpaare, die dem nicht unsympathischen Wahnsinn erlegen sind, vier Kinder in der Altstadt grossziehen zu wollen, können seit 2022 an einer Hand abgezählt werden (es sind deren vier). Bis ins Jahr 2017, in dem noch zehn sechsköpfige Familien in der Altstadt wohnten, war das weit weniger aussergewöhnlich. Für die Jahre 2000 und 2002 zeigt die Statistik gar eine Familie mit neun Kindern. Wo sie gewohnt haben mögen, zeigt die Statistik leider nicht. Wer ob diesen hohen Kinderzahlen die Stirn runzelt, sei daran erinnert, dass dies in anderen Jahrhunderten fast schon dem Normalfall entsprach. Auch der wohl berühmteste Zürcher, Huldrych Zwingli, musste sich mit acht Geschwistern herumbalgen und sich mit ihnen um genügend Hafergrütze streiten.
Zusammengefasst ist die Entwicklung über die letzten 25 Jahre somit erstaunlich unspektakulär. Mit Blick auf die sich immer schneller drehende Welt gilt also auch hier: in der Altstadt bleibt alles anders.
Felix