Der Redaktor geht in Pension

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Nach 35 Jahren als Redaktor des Altstadt Kuriers geht Elmar Melliger (67) in Pension. Der Präsident des Herausgebervereins Altstadt Kurier äussert sich dazu wie folgt.

Fast hätte man die Meldung unten links auf der Titelseite der März-Ausgabe übersehen können. Die unscheinbare Randnotiz war nur wenige Zeilen lang, stellt aber für den Altstadt Kurier eine eigentliche Zäsur dar: Elmar Melliger geht. Nach 35 Jahren als Chefredaktor verabschiedet er sich in den wohlverdienten Ruhestand. Auch wenn mit Lorenz Steinmann ein Wunschkandidat als Nachfolger gewonnen werden konnte, bleibt eine gehörige Portion Wehmut.

Zu sagen, Elmar habe den Altstadt Kurier geprägt, wäre ein glatte Untertreibung. Elmar ist der Altstadt Kurier. Wenn Monat für Monat das Quartierblatt in die Briefkästen flatterte, dachten sich die Altstadtbewohner nicht «Oh, die Zeitung!», sondern: «Post von Elmar!» Und hätte man irgendein Kind im Quartier gebeten, den Altstadt Kurier als Bild darzustellen, es hätte einen Herrn mit Dächlikappe und umgebundenem Fotoapparat gezeichnet. – Es liegt im Wesen einer Quartierzeitung, dass darin nicht die grossen weltpolitischen Themen verhandelt werden. Vielmehr drehen sich die Beiträge etwa um entlaufene Katzen, gefällte Bäume, viel zu früh verstorbene Altstadtoriginale, um die Eröffnung neuer Beizen oder die Schliessung von liebgewonnenen alten. 

Ausserdem gibt es natürlich Verkehrsfragen (Fuss-, Velo-, motorisierter und öffentlicher Verehr) und Bauvorhaben (Hoch- und Tiefbau), gesellschaftliche Themen, Fragen zu Wohnen und Gewerbe, zu Zentrumslasten und Veranstaltungen aller Art, über die zu berichten ist.

Elmar nahm sich dieser Themen mit feinem Gespür an, im Wissen, dass sie für uns hier ebenso bedeutsam sind wie die Schlagzeilen der grossen Journale. Seine Texte sind geprägt vom genauen Hinschauen und geduldigen Zuhören. Elmar ist weniger – oder nicht nur – Redaktor im klassischen Sinne als vielmehr ein Erzähler, ein Sammler von Anekdoten, ein Nachbar mit Notizblock. Und so vermittelte er in seinen Texten, dass unser Quartier nicht nur aus Häusern und Gassen besteht, sondern auch aus Stimmen, Gesten, Erinnerungen.

Im Laufe der Jahre übernahm Elmar weit mehr als nur redaktionelle Aufgaben. Als einer der fundiertesten Kenner der Altstadt sitzt er im Vorstand des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat und des Trägervereins Altstadthaus und hat eine Art Relaisfunktion inne für alle möglichen Anliegen von Altstadtbewohnern und solchen, die es werden wollen. Jeder kennt Elmar, und Elmar kennt jeden. 

Nun nimmt er also den Hut bzw. die Dächlikappe, sein Markenzeichen. 

Als ich den Altstadt Kurier zum ersten Mal in den Händen hielt, musste ich über den leicht grössenwahnsinnigen Untertitel schmunzeln: Weltblatt für den Kreis 1. Auch wenn augenzwinkernd gemeint, steckt darin doch ein wahrer Kern; dass die Welt auch im Kleinen gross ist, wenn man nur die Augen dafür offen hält. Elmar hat dieses offene Augenpaar. 

Lieber Elmar, im Namen der gesamten Leserschaft möchte ich dir herzlich danken. Danke für all die Geschichten, die du für uns festgehalten hast. Danke für den Humor, ohne den im Leben sowieso nichts geht. Danke für den stets liebevollen Blick auf das Biotop namens Altstadt und danke für die Wärme in deinen Texten, mit denen du dieses beschrieben hast.


Christoph Fraefel