Auf Wiedersehen

Seit 1990 ist Elmar Melliger der Redaktor des Altstadt Kuriers. Nun geht er in Pension.

Vierzigtönner donnern ins Limmatquai und bleiben stecken im Stau. Am Neumarkt bleibt eine Mutter mit ihrem Kinderwagen im Flur, ein Auto steht auf dem Trottoir direkt vor der Haustüre. Münsterhof und Sechseläutenplatz sind zuparkiert. Der Streit um die Einführung der Altstadt-/Fussgängerzone dauert Jahre. Die Nächte sind wild, obschon die Liberalisierung mit der Aufhebung der mitternächtlichen Polizeistunde erst bevorsteht. Am Horizont droht ein Rauchverbot in Beizen. Zwei der drei Kindergärten werden geschlossen, einer eröffnet. An der Marktgasse gibt es Bäckerei, Käseladen, Metzgerei, Bianchi, Apotheke und Drogerie. Coop Oberdorf schliesst, Migros Mühlegasse kommt und geht, der «Läbis 1» schliesst. Drei Poststellen werden geschlossen, bald auch die letzte im Quartier, dazu mehrere Kinos. Etliche Traditionsgeschäfte und Handwerksbetriebe geben auf. Das Wohnen ist ein Thema, noch keine Existenzbedrohung.

Es entsteht Neues, Fussgängerzonen, Plätze zum Atmen und Sich-Aufhalten. Neue Geschäfte, attraktive Lokale. Inmitten von allem das Quartier, das sich behauptet, Vergleiche mit den wehrhaften Galliern werden angestellt.

Blicke ich zurück, hat sich doch einiges getan den letzten 35 Jahren. Und zweimal ist eine Katze entlaufen und wieder aufgetaucht.

Die Altstadt, das Quartier: man muss es einfach lieben!

Ich trete nun einen Schritt zurück und beschaue mir das Ganze etwas beschaulicher. Gebe gern die Verantwortung weiter und geniesse es, über meine Zeit freier zu verfügen. 

Und ich werde die Zeitung, meine Aufgaben und alles Drum und Dran wohl schrecklich vermissen, vor allem auch all die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen.

Vielleicht werde ich das eine oder andere Mal noch etwas schreiben. Und, das tröstet mein weinendes Auge, ich bleibe im Quartier und freue mich auf viele weitere Begegnungen.

Vielen herzlichen Dank für alles und auf Wiedersehen.

Elmar Melliger

PS: Zu Risiken und Nebenwirkungen ohne mein Markenzeichen, die Dächlikappe, fragen Sie meine Dermatologin.