Casanova è arrivato

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Das coole Ristorante «Commercio» an der Mühlebachstrasse 2 beim Bahnhof Stadelhofen gibt es seit 1973. «Erfunden», das heisst stilvoll umgebaut haben es die offenbar kunstsinnigen Eisenhändler Eugen und Walter Schoch. Der neue Capo ist der erfahrene Zürcher Gastronom Giacomo Casanova.

Aufgewachsen ist Giacomo Casanova (1968) in Neapel und in Mailand. Italianità totale! In Zürich führte er das «Amalfi», das «Du Theâtre» (heute Bar-Boucherie Hatecke) und die «Schützengasse». Und jetzt also das «Commercio», zu dem auch das Cinema Arthouse Piccadilly gehört. Ein kultureller Brennpunkt, mit oder ohne die kühne Calatrava-Architektur gegenüber. Ein Casanova-Leser ist unser Casanova übrigens nicht. 
Die «Commercio»-Gruppe gehört zu den diskreten Gastro-Grossunternehmern, die sich beizeiten gute Lagen gesichert haben. Das «Commercio» ist ein Musterbeispiel, aber auch die Bar «Le Philosophe» oder das Restaurant «Mère Catherine» im Nägelihof am Limmatquai. Die Kombination des Angebots ist in raffinierter Weise abendfüllend: Kino und feines Essen, im Glücksfall begleitet von einer ebenso freundlichen wie sachkundigen Bedienung. In unserem Falle waren es Morena und Ylmaz – die Vornamen erinnern an die Masseneinwanderung. Aber auch SVP-Mitglieder sind als Gäste willkommen.
1982 kam übrigens das Restaurant «Commihalle» am Central dazu, dann das «Collana» am Sechseläutenplatz und gleich gegenüber der Park Stadelhofen. (Aufgegeben wurden die Restaurants «Bahnhof Stadelhofen» und «Cantina» mit der «Tina-Bar».) 2021 wurde die «Fischerstube» am Zürichhorn eingemeindet. – Die jüngsten Kinder der «Commercio»-Familie sind der vielseitig nutzbare «Weisse Wind» und die «ORA-Bar» an der Zähringerstrasse. Immobilienkenner sagen da nur: Lage, Lage, Lage!

Liebe zur italienischen Küche
Im ersten aller «Commercio»-Betriebe am Stadelhofen haben wir fein gegessen, toll italienisch. Und zu Preisen, die man im Kontrast zu manchen Zürcher Übertreibungen als fair bezeichnen kann. Wo drei Personen, davon allerdings ein Schorle-Abstinent, mit Fr. 132.50 davonkommen, kann man sich nicht beklagen, und ein anständiges Trinkgeld ist der verdiente Lohn für die aufmerksame und ebenso freundliche wie diskrete Bedienung.
Zu den Einzelheiten: Das Kopfsalatherz mit Röstzwiebeln und Gurken (Fr. 11.–) hat der Vegetarierin Herz erobert. Das Tartare di manzo (Fr. 19.–/31.–) kam auch in der kleinen Version ansehnlich und angemessen scharf daher. Und was die Spaghetti al ragù Bolognese (Fr. 27.–) betrifft: Besser «al dente» haben wir bisher in Zürich keine dieser Teigfäden bekommen. Den aus Bequemlichkeit nachverlangten Löffel haben sie sofort gebracht, nicht ohne ein leises Lächeln für diese eines Italieners eigentlich unwürdige Touristen-Marotte. 
Penne gäbe es auch mit Vodka oder alla carbonara oder alla nicotera, mit Pilzen, Kalbsgeschnetzeltem, Spinat und Tomaten. Köstlich sind bestimmt auch das Tintenfisch-Carpaccio (Fr. 28.–) und der Auberginenauflauf (Fr. 27.–). Oder die Fregola sarda (Fr. 26.–), was eine Hummerbisque mit Miesmuscheln, Crevetten und Calamari ist. Der Klassiker ist das Vitello tonnato (Fr. 39.–). – Der piemontesische Roero Arneis begleitete vorzüglich und süffig (Fr. 8.50 pro Dezi). 
Geteilt haben wir das Tiramisu! Verführerisch ist auch der Affogato al caffè – es ist eine Kugel Vanilleglace, die im Kaffee ertrinkt und hat nichts mit einem koffeinsüchtigen Rechtsanwalt zu tun. Auffallend reichhaltig und gepflegt kommt die Rotweinkarte daher.

Die «Commercio Manifattura»
Im Zentrum steht die handgemachte Pasta: Penne und Spaghetti, Cappelletti – sie werden in der hauseigenen «Commercio Manifattura» im Untergeschoss des Restaurants «Commihalle» an der Stampfenbachstrasse (commercio-manifattura.ch) fabriziert, mit Sachverstand und Leidenschaft. Auch für andere Betriebe in Zürich und Umgebung.

Im «Commercio» gibt es nach elf Uhr keinen Cappucino mehr und den Espresso nur ohne Rahm. Aber es gibt Espresso macchiato und eine eigene Hausröstung.

Giacomo Casanova ist auch nach Jahrzehnten in Zürich immer noch ein leidenschaftlicher Italiener. Immer noch, Gottlob!

Esther Scheidegger

Ristorante «Commercio», Mühlebachstrasse 2, Tel. 044 250 59 30. Offen Montag bis Freitag 11.30 bis 14.30 und 17.30 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag 11.30 bis 23 Uhr. 

Ab 1. Oktober wieder durchgehend geöffnet, Montag bis Sonntag 11.30 bis 23 Uhr, Küche bis 22 Uhr.