Die Tramtaufe

Eine spezielle Tramtaufe erlebte der Redaktor des Altstadt Kuriers in Altstetten.
Wer hätte sich das nicht längst gewünscht: ein Tram mit dem Wappen des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat! Am Samstag, 6. September, war es so weit, auf dem Areal des VBZ-Zentrums, an der Luggwegstrasse in Zürich-Altstetten.
Die Sicherheitsschleuse glücklich passiert, darf man in Gruppen vorrücken, bis der breite Durchgang sich weitet zu einem riesigen Platz, der fast dem Sechseläutenplatz Konkurrenz machen könnte. Einzig das Opernhaus als imposante Kulisse fehlt hier gänzlich.
Dafür stehen im Hintergrund fünf dieser neuen, eleganten Flexity-Trams, aufgestellt in Fahrtrichtung Publikum. Eine ansehnliche Ansammlung Gleichgesinnter steht um 14 Uhr erwartungsfroh in der gleissenden Sonne, einige im Schutz von Sonnenschirmen. Kein Geringerer als der zuständige Stadtrat, Michael Baumer, begrüsst die Gäste. Und man erfährt Einzelheiten zum aktuellen Event.
Fünfundzwanzig Quartiervereine zählt die Stadt, welche das Stadtgebiet unter sich aufteilen und wie der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat teils seit über hundert Jahren existieren. Fünf solcher Anlässe à fünf Tramtaufen führe man durch, klärte der Vorsteher der Industriellen Betriebe auf.
Als nämlich die vorletzte Tramgeneration, das Tram 2000, nach und nach durch die Generation Cobra verdrängt wurde, verschwanden allmählich die Wappen vom Schienennetz, was allgemeines Bedauern auslöste. Altmodisch seien die Wappen und fänden beim Cobra leider keinen Platz mehr, hielt man von offizieller Seite dagegen.
Nun haben sich die Verantwortlichen eines Besseren besonnen und findige Ingenieure der Industriellen Betriebe haben beim neuen Flexity eine Stelle ausgemacht, wo ein Wappen angebracht werden kann: Links neben der vordersten Türe, im oberen Bereich. Hier stört es niemanden und erfreut doch die Wappenliebhaberinnen und Wappenliebhaber.
Nach den Einführungsreferaten treten der jeweilige Präsident, die Präsidentin des entsprechenden Quartiervereins ans Mikrofon und sprechen Worte des Glücks und des Dankes. Dabei werden teils sich widersprechende Wünsche bekannt. Es sei zu hoffen, so der eine, dass das mit dem Quartierwappen versehene Tram dann auch wirklich im eigenen Quartier verkehre. Ganz im Gegenteil, hofft ein anderer, denn das Tram soll das Quartierwappen sozusagen in die weite Welt tragen, also alles rund um das eigene Quartier herum erfahren.
Und schon steht der feierliche Moment bevor. Eins ums andere der Fahrzeuge rauscht also heran. Zum Taufakt werden keine Champagnerflaschen am Flexity zerschellt, wohl aber Wasser auf das Wappen gegossen, aus einer von Michael Baumer und dem QV-Präsidium gemeinsam geführten Flasche. – Zum Abrunden der Feier sind alle Quartierdelegationen eingeladen zu Älplermagronen und kühlen Getränken.
Es lohnt sich also, die neuen Flexity-Trams fortan etwas näher zu betrachten.
Elmar Melliger
PS: Ein Gratistipp für nördliche Nachbarn, die vor der Einbürgerung stehen: Es heisst hierzulande nicht die Tram, sondern das Tram. Einfach als Tipp, für die Prüfung.