Wer schreibt, hat mehr vom Leben

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Zu Besuch bei der Altstadtbewohnerin Gabriela Kasperski. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann Franz die Geschichtenbäckerei am Predigerplatz. Eben ist das gemeinsame Buch «Weisch na» herausgekommen. Ein einzigartiges Stück Altstadtgeschichte, das von Altstadt-Original Barbara Streiff inspiriert wurde.

Von Lorenz Steinmann

Blau steht für Gelassenheit, Ruhe und Vertrauen. So ist es eigentlich kein Zufall, dass die Fassade der Geschichtenbäckerei am Predigerplatz 42 blau gestrichen ist. Denn diese drei Bezeichnungen sind beste Voraussetzungen fürs Schreiben. Und darum geht es in diesem von den beiden professionellen Autoren und Coaches Gabriela und Franz Kasperski gegründeten und geleiteten Kleinunternehmen. Wer den vorderen Raum betritt, fühlt sich sofort wohl mit den bequemen Sitzgelegenheiten und der stilvollen Einrichtung. Eine enge Treppe führt dann in einen grösseren Raum mit einem langen Tisch, vielen warmen Lichtquellen und einer Marantz-Stereoanlage. Hier fliegen einem sicher gute Schreibideen zu oder man kommt in lockere Stimmung, um zu hören, wo und wie man am eigenen Text noch feilen könnte. 

Die Idee funktioniert

«Kreatives Schreiben für Gross und Klein, Bücher schreiben. Coachings, Storytelling für Firmen und Teams», beschreiben Gabriela und Franz Kasperski ihre Idee. Und sie funktioniert! «Obwohl uns Corona dazwischenfunkte nach der Eröffnung vor fünf Jahren, sind wir nun sehr zufrieden», sagt Gabriela Kasperski beim Gespräch vor Ort. Sie und ihr Ehemann − sie sind seit über 30 Jahre verheiratet − bieten viele Kurse an. Zu tiefen Preisen und mit Themen, die niederschwellig und einladend wirken. Denn Schreiben ist etwas durchaus Intimes, das Kreativität und Mut braucht. Hier am zumindest ohne Baustellen beschaulichen Predigerplatz ist der Rahmen gegeben, der Beschrieb auf der Website Realität: «Ein Ort für Improvisation, Ideen, Humor, Phantasie und Leichtsinn». Dafür spricht auch, dass Kinder und Jugendliche hier vom Sportamt der Stadt Zürich angebotene Ferienkurse besuchen können. «Sie sind immer ausgebucht», sagt Gabriela Kasperski lachend. Sie lacht darum, weil sich diese Kurse mittlerweile vom Ausweichkurs, wenn Tennis voll war, zum beliebten Thema gemausert haben.  

Doch warum der Erfolg? Die Kasperskis sind Praktiker und wissen, was funktioniert und ankommt. Franz Kasperski ist ein anerkannter SRF-Regisseur und Kulturjournalist. Gabriela Kasperski, die man vielleicht noch kennt als Sprecherin, SRF-Moderatorin und Schauspielerin, hat sich seit 2018 etabliert als feste Kinderbuch- und Krimiautorin. Aktuell im Gespräch ist der soeben erschienene dritte Band um die Rentnerin Libby Andersch, «Juwelenraub im Schneepalast». 

Und auch ein nächster Zürich-Krimi ist in Planung. «Hier lebe ich meine gesellschaftspolitische Ader aus», sagt die 63-Jährige entspannt. Sie lebt mit Franz und der jüngsten Tochter an der Stüssihofstatt. Eben haben die beiden Schlagzeilen gemacht, weil sie mit dem Arisverlag ein wirklich gelungenes Buch herausgegeben haben, das vom Altstadt-Original Barbara Streiff inspiriert wurde. «Weisch na» lautet der wunderbare Titel und es beinhaltet auf 200 Seiten mit einigen fesselnden Bildern Altstadtgeschichten, die man so noch nie nachlesen konnte. «Ein Band voller persönlicher Altstadtgeschichten, in denen eine ganze Welt aufersteht» schrieb die NZZ dazu. Am Montag, 8. Dezember, um 19 Uhr organisiert der Quartierverein im Zentrum Karl der Grosse, eine Lesung. Anmelden kann man sich bis zum 21. November via https://quartierverein-zuerich1.ch/termine

Gabriela Kasperski liebt solche Lese-Events: «Hier kann ich meine Ausbildungen und Erfahrungen ideal einbringen». Man darf sich auf einen vergnüglichen Abend mit einer humorvollen und schlagfertigen Persönlichkeit freuen.  

Wir verlosen drei Bücher mit persönlicher Widmung von Gabriela Kasperski. Wer mitmachen will, schreibt eine Email an redaktion@altstadtkurier.ch.