Lärm und Erschütterungen bis 2029

Die Verantwortlichen informierten im vollen Musiksaal des Stadthauses über die im Januar beginnende grosse Bauerei rund um die neue Rathausbrücke. Zumindest die direkte Anwohnerschaft und das Gewerbe vor Ort werden viel Geduld brauchen. Die neue Brücke wird erst 2029 fertig sein.
Von Lorenz Steinmann
Auf die Altstadt zwischen dem Rathaus und dem Hotel Storchen kommen schwere Zeiten zu. Als «intensive Emmissionen» bezeichneten die Verantwortlichen den Lärm, die Erschütterungen und den Staub rund um den Neubau der Rathaus- oder auch Gemüsebrücke genannten Verbindung zwischen Limmatquai und Weinplatz, respektive der Schipfe. An einem Informationsabend im Stadthaus, an dem gut 60 Personen teilnahmen, informierten die Verantwortlichen der Stadt und der Baufirma
detailliert über die Pläne. So viel ist sicher. Von allen Betroffenen ist Geduld und Ausdauer gefragt. Über das Warum wurde schon viel berichtet. Darum nur so viel: Das Tiefbauamt baut die alte Rathausbrücke neu und sorgt für mehr Abflusskapazität der Limmat für besseren Hochwasserschutz. Der Bau soll im Januar 2026 beginnen und bis 2029 dauern.
Die heutige Rathausbrücke wurde 1972/73 errichtet und ist laut den Experten sanierungsbedürftig. Zudem bildet sie in der Limmat ein Engnis für den Abfluss von Hochwasser aus dem Zürichsee. Durch den vom Kanton Zürich bald fertig gebauten Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil, der Hochwasserspitzen aus der Sihl in den Zürichsee leitet, werde die Rathausbrücke verstärkt zum Engpass für die Wassermengen aus dem Zürichsee wie auf den städtischen Website nachzulesen ist. Das ist irgendwie neu.
Gusssphalt-Belag
Sei’s drum. Nun ersetzt das Tiefbauamt die Brücke und erhöht durch eine Änderung der Pfeilerkonstruktion und ein Absenken der sogenannten Limmatsohle die Abflusskapazität der Limmat. Umgesetzt wird nun das Projekt des Teams um Bänziger Partner AG, 10:8 Architekten und F. Preisig AG. Dieses Projekt gefiel, weil es die Brücke klar und übersichtlich gestalte, mit Aufenthaltszonen und langen Bänken an den Rändern und flexibler Nutzungsmöglichkeiten. Die Brücke wird eine Gussasphalt-Oberfläche erhalten. Bleibt zu hoffen, dass sich die Stadt an die früher vorhandenen Bänke mit kippbarer Lehne nach Westen und Osten, je nach Sonnenstand, er- innern möge.
Schluss mit Essensangebot
Die heutigen Kiosk-Bauten werden nicht ersetzt. So verschwindet einer der letzten Zeitungskioske in der Altstadt und auch das sehr beliebte Falafel & Mezze House muss zumachen. Hier kehrten vor allem viele Menschen aus muslimischen Ländern ein. Wie die langjährigen Betreiberin Hatice Oran kürzlich dem Tages-Anzeiger erzählte, werden die Speisen vor Ort halal, also nach muslimischen Regeln und ohne Schweinefleisch, hergestellt. Die frisch zubereitete Gözleme auf dem Platz vor dem Falafel & Mezze House, sie werden den Gästen, ja der Altstadt, fehlen.
Noch keine Ideen gibt es zudem, ob und wie für Schatten gesorgt werden soll auf den künftig kahlen Flächen der Brücke. Aber da bleibt je auch noch ein wenig Zeit zum Hirnen. Bei den Kosten kommt es salopp gesagt auch nicht mehr drauf an. Eine erste Einschätzung der Stadt Zü- rich ging 2020 noch von 32 Millionen Franken aus. Mittlerweile ist man inklusive Zusatzkredit von 18,6 Millionen bei 76,95 Millionen Franken angelangt, notabene für 30 Prozent weniger Brückenfläche als heute.
Für die Bauzeit gibt es südlich der Baustelle eine Hilfsbrücke, die vom Limmatquai vor dem Hotel Storchen vorbei zum Weinplatz führt. Dort soll die Anlieferung für die Geschäfte geschehen. Zudem können hier Velos und Fussgänger die Limmat passieren. Am nördlichen Ende der Baustelle gibt es einen weiteren Fussgängerdurchgang. Der direkte Weg zum Rathaus-Café fällt aber weg.
Zuerst werden zwei grosse Kräne aufgestellt, dann wird die bisherige Brücke in Stücke geschnitten und abtransportiert. So geschieht das lärmige Zermalmen des Betons nicht vor Ort. Die Experten im Stadthaus betonten, man solle bei zu viel Lärm oder anderen Problemen ungeniert den Gesamtprojektleiter Andreas Hochuli (044 412 46 59) oder den Chefbauleiter Andreas Schurter (044 308 85 79) kontaktieren. Der Altstadt Kurier wird regelmässig über wichtige Meilensteine beim Bau berichten.