Simon Rahn steht für einen Generationenwechsel

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Auf den 1. Januar 2026 wird Simon Rahn (33) Partner der ältesten Privatbank der Schweiz. Rahn+Bodmer Co. hat ihren Sitz an der Münstergasse 2. Weil beim 275-jährigen Unternehmen die Partner mit ihrem privaten Vermögen für die Bank und deren Kundinnen und Kunden haften, passt es, dass die Bank nicht im klassischen Bankenviertel zu Hause ist.

Von Lorenz Steinmann

Eigentlich ist es ein eher unscheinbares  Haus, das Gebäude an der Münstergasse 2, das sich bis zur Blaufahnenstrasse erstreckt. Lediglich kleine, fast schon neckische Fassadenverzierungen, welche die Sternzeichen darstellen, sind zu erkennen. Keine Säulen, keine Erker und keine Malereien. Dabei hat das Haus eine reiche Geschichte. Hier war früher die Neue Berichtshaus AG ansässig, sogar mit einer Druckerei im Haus. Sie gab viele Jahre das Tagblatt der Stadt Zürich heraus.

Weniger hochriskante Felder

Seit 2021 ist hier die älteste Privatbank der Schweiz beheimatet. Vorher und seit 1932 war man an der Talstrasse 15 beim Schanzengraben domiziliert. Es ist die ehrwürdige Rahn+Bodmer Co., wo Simon Rahn auf Anfang 2026 Teilhaber der Bank wird.

Das ist darum speziell, weil bei der Privatbank Rahn+Bodmer Co. die Partner unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen haften, wie der 33-Jährige gegenüber dem Altstadt Kurier erklärt. Das verleitet weniger dazu, in hochriskanten Geschäftsfeldern tätig zu sein. Der Bankencrash der Credit Suisse lässt grüssen. Doch davon später.

Zuerst einmal hinein ins Gebäude! Der eher kleine Eingangsbereich ähnelt der Aussenhülle. Zurückhaltung, ja schon fast Bescheidenheit ist angesagt. Eindruck schinden scheint nicht nötig. Dazu passt, dass das vom Altstadt Kurier initiierte Treffen völlig unkompliziert und auf direktem Email-Weg zustande kam. Simon Rahn, der mit seiner Frau und dem Baby im Kreis 7 wohnt, rückt bald in die Partnerschaft auf. Heute steht Rahn+Bodmer Co. unter der Leitung von Peter R. Rahn, Dr. Christian Rahn, Martin H. Bidermann, Christian R. Bidermann und Jay Bidermann. Auf Ende Jahr ziehen sich Peter und Christian Rahn nach über 35 Jahren als Partner zurück. Simon Rahns Onkel Peter Rahn erreicht das in den Statuten festgelegte Höchstalter von 72 Jahren, sein Vater Christian könnte theoretisch noch drei Jahre arbeiten, zieht sich aber mit seinem Bruder zurück.

So wird der sympathisch, bescheiden und offen auftretende Simon Rahn die fünfte Generation der Familie vertreten. Seine Mutter stammt aus dem Familienzweig der Fanconis. Guido und Andreas Fanconi, also Simon Rahns Gross- und Urgrossvater, waren das Gesundheitssystem prägende und schweizweit bekannte Kinderärzte.

Trotz all dieser berühmten Nahmen wirkt Simon Rahn gelassen. «Eine gewisse Last ist da, aber ich habe keine Angst vor der Aufgabe», sagt er. Simon Rahn ist seit 2017 als Nachfolger im Gespräch, wie es in einem kürzlich in der Bilanz publizierten Artikel heisst. Seither bereitete er sich auf diese Rolle vor. Nach seinem Jurastudium tauchte er in die Welt der Finanzen und Geldanlagen ein, bei der Credit Suisse, in Manhattan in einer Assetmanagement-Abteilung von Vontobel und seit 2023 wieder in Zürich.

Keine Boni für die Partner

Der grosse Unterschied zu den Grossbanken: Die Privatbank verzichtet auf das umstrittene Investmentbanking wie auch auf die risikoreichen Teile des Assetmanagements. Also die Finanzbereiche, die zwar hohe Gewinne produzieren können, aber auch immer wieder für Finanzskandale sorgen. Rahn+Bodmer Co. ist auf die vergleichsweise risikoarme Vermögensverwaltung und Vermögensberatung fokussiert. Zudem hat die Privatbank schon vor gut fünfzehn Jahren entschieden, direkte Beziehungen mit Kundinnen und Kunden in den USA aufzulösen. Heute besteht die Kundschaft zu über 70 Prozent aus Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz, dazu kommen Anlegerinnen und Anleger aus Lichtenstein, Deutschland, Österreich, den Niederlanden, England und Spanien. Weil den Partnern keine Boni ausbezahlt werden, ist laut Rahn die Versuchung nicht da, (zu) viel Risiko bei Geschäften einzugehen. «Das war bei der Credit Suisse komplett anders. Bei 4 Milliarden Verlust wurden 4 Milliarden Boni ausbezahlt», ruft Rahn üble Entgleisungen der Hochfinanz in Erinnerung.

Damals sei verantwortungsloses Handeln weit verbreitet gewesen bei den Grossbanken. «Somit wirken wir von Rahn+Bodmer Co. schon fast langweilig», sagt Rahn mit einem Schmunzeln im Gesicht. Doch die Strategie gibt dem Jahrhunderte alten Bankhaus recht. Das gute Wachstum in den letzten Jahren beweise, dass auch das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in eine unabhängige, verantwortungsvolle und individuelle Vermögensverwaltung stark zugenommen habe, wie es auf der Website von Rahn+Bodmer Co. heisst.

Nun aber Tacheles geredet. Mit wieviel Geld kann man denn zu Rahn+Bodmer Co. kommen? «Dass es eine Mindestmenge braucht, ist ein Mythos», sagt Simon Rahn dazu. «Es müssten also nicht 5 bis 10 Millionen Franken sein, auch wenn dies natürlich schön wäre. Ab 0,5 Millionen anlagefähigem Vermögen ist eine Zusammenarbeit gut möglich». Es könnten anfangs auch «nur» 200000 Franken sein, «wenn der Zufluss weiterer Mittel in Aussicht steht». Dass das eingangs schon erwähnte Bankgebäude mit seinem Innenausbau so unspektakulär, aber auch frisch und modern daher kommt, ist unter anderemm Simon Rahn und dem anderen jungen Partner, Jay Bidermann, zu verdanken.

Die ältere Führungsriege hat den beiden freie Hand gegeben, die Innenräume zusammen mit einem Projektteam und der Innenarchitektin Sandra von Petersdorff zu gestalten und einzurichten. Das Resultat lässt sich zweifelsohne sehen. Hell, viel Holz, aber auch viel Farbe, aber nie protzig. Fast schon einmalig ist zudem die Dachterrasse, von welcher man einen Traumblick über die Altstadt bis hin zum Zürichsee und die Alpen hat.

Hier oben ist das Bankbistro. Chefbüros gibt es keine. Alle Partner und die Geschäftsleitung sitzen inmitten der Belegschaft im Open Space Büro. Besitzerin des Gebäudes ist übrigens eine Vorsorgeeinrichtung der UBS, ehemals CS. 

Simon Rahn, der als Ausgleich zum Job gerne Tennis spielt, interessiert sich für Politik, Geschichte und die Medienwelt. Aktuell engagiert er sich für die Neugestaltung des Heimplatzes. Er beobachtet die Pläne der Stadt mit Sorge, rund ums Schauspielhaus und ums Kunsthaus die Verkehrsströme für den motorisierten Individualverkehr neu zu organisieren.

«Die jetzt vorgesehene Variante wäre die absolut schlechteste Lösung. Es gäbe ein unglaubliches Durcheinander in den umliegenden Quartieren», so Rahn. Die Zufahrt via Hirschengraben und Obere Zäune zu den Mitarbeiter- und Kundenparkplätzen der Rahn+Bodmer Co. wäre laut Rahn ebenfalls von Mehrverkehr betroffen. Nun hofft er, dass die vielen Einsprachen namhafter Firmen und Personen fruchten. Selbstredend ist auch er dabei. Dass Simon Rahn der lokale Bezug wichtig ist, zeigt seine Email am Abend nach dem Interview. Er löste grad ein Abo für den Altstadt Kurier.