Gastschreiberin: "Warum ich die Altstadt liebe"

Die Gastschreiberin dieser Nummer besuchte unsere Redaktion anlässlich des Zukunftstag am 13. November. Josephine von Schönermark ging mit Lorenz Steinmann auf die Pirsch, fotografierte und notierte. Im Gastbetrag schreibt die bald 11-Jährige über ihren engen Bezug zur Altstadt und über ihre Wünsche: Mehr Grünräume, weniger Autos etwa am Hirschengraben und dass die speziellen Läden überleben mögen.
Von Josephine von Schönermark
Meine erste Erinnerung an die schöne Stimmung in der Altstadt kommt aus der Coronazeit, als meine Eltern, die beide Musiker im Tonhalle Orchester sind, dort Balkonkonzerte spielten. Ich durfte dann jeweils zusammen mit meiner damals noch ganz kleinen Schwester und einer Babysitterin auf einer Picknickdecke von der Trittligasse aus zuhören. Das mochte ich sehr. Wir sassen immer unter einem grossen Baum, das weiss ich noch.
Vor gut einem Jahr hatten wir dann in der Klasse das Thema Zürich im Fach Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG). Wir machten einen Ausflug durch die ganze Altstadt und lernten viel über dieses schöne Quartier und seine Geschichte. Seitdem fasziniert mich die Altstadt mit dem Grossmünster, den vielen schönen Brunnen, den unzähligen kleinen Läden und Cafes, und ich könnte stundenlang durch die zahlreichen Gassen schlendern und mir an den Schaufenstern die Nase platt drücken. Auch habe ich meine Hobby im Kreis 1 und bin dadurch oft in der Gegend.
Meine Hobbys in der Altstadt
Ich gehe seit 6,5 Jahren ins Ballett oberhalb vom Central zu Luzia Burgdorfer, der besten Tanzlehrerin der Welt. Ihr Studio liegt in der Strasse Auf der Mauer und von dort hat man eine tolle Aussicht über die ganze Stadt.
Einmal in der Woche besuche ich die Musikakademie am Neumarkt wo ich seit über einem Jahr Harfenunterricht bei Joanna Thalmann (der besten Harfenlehrerin der Welt.. ;) habe. Durch diese beiden Aktivitäten bin ich sehr viel in diesem Quartier und habe so die Altstadt besser kennengelernt. Auch hatte ich vor einigen Wochen mit meinem Orchester, dem «Stringendo» und Martin O. ein Konzert in der Helferei wodurch ich einen weiteren schönen Ort des Kreis 1 entdeckt habe. Ich mag meine beiden Hobbys und freue mich, immer wenn mich meine Freundinnen,zum Ballett abholen oder ich im Tram zum Neumarkt sitze.
Meine Lieblings-Läden
Ich finde alle Läden der Altstadt toll, vor allem weil sie so unterschiedlich sind. Aber ich habe trotzdem meine Lieblingsplätze. Zum Beispiel den schönen Brautkleiderladen oder das gemütliche Bistro neben dem Musikkonservatorium. Hier gibt es den besten Eistee der Stadt. Auch der Kinderbuchladen, die Pestalozzi Bibliothek und das Kaffee Schwarzenbach mit der leckeren heissen Schokolade gehören zu meinen Lieblingsplätzen. Meine absoluten Favoriten sind aber der Chimney-Cake und der Kuscheltierladen mit dem Namen «Bärenstark» in welchen ich als kleines Kind so gerne gegangen bin. Dann gibt es auch noch die Oper, wo ich jedes Jahr eine Vorstellung mit meinen Eltern besuchen darf. Ich freue mich schon auf Hänsel und Gretel im Januar.
Im Frühling liebe ich den Zirkus Knie und den jährlich stattfindenden Kinder-Sächsilüüteumzug. Letztes Jahr trug ich eine Tracht der Epoche Regence von 1720, das hat viel Spass gemacht. Für mich ist allerdings das Weihnachtsdorf mit seinen vielen Ständen, wie zum Beispiel dem leckeren Momos-Stand, dem Käthe Wohlfahrthaus mit den schönen Weihnachtsdekorationen und dem nostalgischen Karussell auf dem früher ich und jetzt meine kleine Schweste immer gerne fuhren die Krönung.
Ich liebe auch den Raclettestand vor dem Grossmünster. In meinen Augen ist der Weihnachtsmarkt sowie die wunderschöne bunte Weihnachtsbeleuchtung die sich durch die Gassen schlängelt immer ein absoluter Höhepunkt im Jahr, und ich freue mich schon lange vorher auf die Adventszeit.
Meine Wünsche
Ich würde mir wünschen dass es in der Altstadt mehr Grünflächen gibt. Manchmal wenn ich durch den Kreis 1 laufe denke ich mir dass etwas fehlt. Da der Boden grau ist, sollten meiner Meinung nach mehr Bäume in der Altstadt stehen und im Sommer Schatten spenden. Auch mag ich den Duft von Blumen und fände es toll wenn wieder mehr Tiere wie Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten im Kreis 1 mehr Lebensraum und Nisthilfen finden würden. In meinem letzten Zeitungsartikel, welchen ich mit einer Freundin schrieb (noch für den inzwischen eingegangenen «Züriberg», Anm. der Red.), ging es uns darum, dass es in der Stadt zu viele Autos gibt. Das ist auch im Hirschengraben der Fall. Jedes Mal wenn ich auf dem Weg zum Ballett bin und mir der Geruch von den Abgasen in die Nase steigt, wünschte ich, dass ich noch etwas anderes als stinkende Vierräder riechen und sehen dürfte. Auch wünsche ich mir sehr, dass die vielen schönen kleinen Läden überleben können und nicht durch grosse Ketten ersetzt werden.
Immer öfter merke ich wie einer meiner liebsten Plätze verschwindet und ein hässliches Fastfood-Restaurant oder ein Nagelstudio dort auftauchen. Das macht mich immer sehr traurig.
Ich wünsche mir, dass ich später auch noch mit meinen eigenen Kindern und vielleicht sogar mal noch mit meinen Enkeln durch die schöne Zürcher Altstadt schlendern kann und ihnen dann die Lieblingsorte meiner Kindheit zeigen darf. Ich wünsche mir dass es auch dann noch die kleinen besonderen Läden gibt, die es eben nur bei uns in der Zürcher Altstadt hat.
*******************************************
UNSERE GASTSCHREIBERIN
«Ich bin am 5. Januar 2015 in Richterswil geboren. Aufgewachsen bin ich in Zürich. Ich wohne im Hirslandenquartier in der Nähe vom Klusplatz, habe eine kleine Schwester und eine Hündin namens Edda. Ich gehe in die Klasse 5b im Schulhaus Neumünster am Hegibachplatz. In meiner Freizeit bastle ich sehr gerne, spiele meine Instrumente Geige und Harfe und liebe es, draussen in der Natur zu sein. Ausserdem lese ich jeden Tag 2 bis 3 Stunden und höre viel Musik. Auch engagiere ich mich sehr für den Umweltschutz und bin Mitglied beim WWF. Um die Natur und die Tiere zu schützen und meinen Einfluss aufs Klima möglichst klein zu halten, habe ich vor drei Jahren entschieden, mich vegetarisch zu ernähren. Ich liebe Tiere!»