Dubai-Stil? Lieber nicht.

Es ist ein schöner Zufall der deutschen Sprache, dass der erste Monat im Jahr mit einem positiven Ausruf beginn: Ja!-nuar. Unter den Monaten ist der Januar für mich der unverbesserliche Optimist, die Arme weit geöffnet für alles, was da kommen mag – selbst dann, wenn das neue Jahr so grauenvoll beginnt wie das heurige. Im «Ja» des Januars schwingt aber nicht nur hoffnungsfrohe Erwartung mit. Für mich ist es auch ein «Ja» der Erleichterung, darüber, dass man den an Höhepunkten reichen Dezember wieder einmal hinter sich gelassen hat. Nicht, dass ich etwas gegen die Vorweihnachtszeit in Zürich hätte. 

Im Gegenteil: Auch ich bin dem Zauber dieser Wochen heillos verfallen und geniesse es jedes Mal, bei eisiger Kälte ins warme Licht unserer schönen Weihnachtsbeleuchtung einzutauchen.

Wahrscheinlich könnte ich auch mit den unzähligen Weihnachtsmärkten mehr anfangen, wenn die künstlich verlängerte Adventszeit nicht derart ausufernd wäre. Kaum sind die Halloween-Kürbisse von den Regalen der Geschäfte verschwunden, winken von dort schon die ersten Weih-nachtsmänner, und spätestens ab Mitte November legt sich eine zuckrige Decke über die Stadt.

Und wie das mit dem Zucker nun einmal ist: Er ist nicht nur süss, sonern halt auch etwas klebrig. Wird er über längere Zeit konsumiert, kann er zudem sauer aufstossen.

Nun aber: weshalb in der ersten Felix-Kolumne dieses Jahres etwas über Weihnachtsmärkte schreiben, wo sie doch der Vergangenheit an- gehören? Weil sie eigentlich schon fast wieder vor der Tür stehen. Nur noch ca. 300-mal schlafen, und es geht schon wieder los. Im neuen Jahr wird es dann am Bellevue besonders klebrig. «Bellevue Noël» wird am Sechseläutenplatz Einzug halten, ein Weihnachtskonzept im Dubai-Stil. 

Vorgesehen ist gemäss einer Medienmitteilung der Stadt ein «ikonischer Adventskranz» mit einem Durchmesser von 50 Metern und einer begehbaren Plattform in fünf Metern Höhe. Wie die Stadt allen Ernstes schreibt, setze Bellevue Noël «mit einem sonntäglichen Kerzenritual und der Zelebrierung der Werte Gemeinschaft, Hoffnung, Frieden und Freude auf starke Bilder und Botschaften». Wieviel Glühwein bei dieser Entscheidung bzw. deren Begründung involviert war, ergibt sich aus dem Communiqué leider nicht. Jedenfalls müssen von der Goldküste her anreisende Gottesdienstbesucher nun nicht mehr den beschwerlichen Weg zum Grossmünster auf sich nehmen, sondern können bereits Halt am Bellevue machen, um Andacht zu feiern. 

Bellevue Noël wird übrigens im November aufgebaut werden, jenem Monat also mit der Vorsilbe «No». Reiner Zufall, wahrscheinlich…