Zineb Benkhelifa ist gestorben

Von Elmar Melliger
Alle haben sie gekannt, wie auch sie scheinbar jede und jeden zu kennen schien. Zineb Benkhelifa ist allen mit Offenheit begegnet, auch fremden Menschen und Ideen. Sie wandte sich allen mit wachem Interesse zu, und mit einem freundlichen Lächeln.
Geboren wurde sie 1966 in Ghardaïam in der algerischen Sahara. Mit fünf Jahren kam sie für eine Polio-Behandlung in die Schweiz und wuchs schliesslich bei einer Pflegefamilie im Thurgau auf, fernab von ihren Eltern und den neun Geschwistern.
Gleichstellungsbeauftragte
1987 kam sie mit 21 Jahren nach Zürich, wo sie bei einer Bank und danach für verschiedene NGOs tätig war. Nach dem Erlangen der Erwachsenenmatura studierte sie von 2003 bis 2011 Arabisch, Türkisch und Persisch sowie Musikethnologie an der Uni Zürich. Parallel dazu arbeitete sie bei Heks, dann für einen Berufsverband und für die Uni. Seit 2017 war sie Beauftragte der Stadtpräsidentin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.
Ausserdem lektorierte sie wissenschaftliche Arbeiten und übersetzte Poesie vom Arabischen ins Deutsche. 2021 zog sie in die Altstadt, an den Neumarkt.
Ideenreichtum statt Trübsal
Zineb Benkhelifa war in ganz verschiedenen Lebensbereichen aktiv und vielseitig tätig. So spielte sie Saxofon zuerst bei einer Gugge und dann in der legendären Feuerwehrmusik Altstadt, die sich leider vor vier Jahren aufgelöst hat. Eine Neuformierung der Kultkapelle ist ihr nicht mehr gelungen. Regelmässig traf sie sich mit Bekannten zum Jassen. Ihre ein- geschränkte körperliche Mobilität – sie war infolge der Polio zeitlebens auf Krücken angewiesen – machte sie wett mit ihrem Ideenreichtum. Schwere Lasten bewegen wie für das Glas- oder Papier-Recyling erforderlich? Dazu rief sie monatliche Apéros bei sich zu Hause ins Leben, an denen in wechselnder Zusammensetzung parliert und gelacht wurde. Und wie nebenher erledigten die Beteiligten die angestauten oder anstehenden Handreichungen.
Oft anzutreffen war sie in der «Bodega» und später in der «Bar» am Predigerplatz, wo sie immer auf bekannte Gesichter zählen konnte. Sie engagierte sich im Vorstand des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat.
Vor etwa einem Jahr erkrankte sie schwer. Dem aggressiven Hirntumor war nicht beizukommen. Am 26. Dezember 2025 ist Zineb viel zu früh verstorben. Die Lücke, die sie hinterlässt, ist gross und ihr Fehlen schmerzt sehr.