Quartier startet Petition gegen McDonald’s

Der Widerstand gegen die geplante McDonald’s-Filiale im Niederdorf hört nicht auf. Neben dem Rechtsweg wurde nun eine Petition gegen die Restaurantpläne gestartet. McDonald’s nimmt die Kritik gelassen zur Kenntnis.
Von Lorenz Steinmann
Der Kampf der Anwohnerschaft und des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat gegen die geplante McDonald’s-Filiale am Limmatquai 48 geht in eine neue Runde. Neben dem Gang vor Gericht wurde eben eine Petition lanciert, um die Pläne für das Fastfood-Restaurant zu bodigen. Aktuell liegt das Geschäft beim Kantonalen Baure kursgericht. «Wir wollen damit die Hausbesitzerin, die Swiss Life, dazu bewegen, ihren Mietvertrag mit McDonald’s aufzuheben», sagen Ruedi Simpson, Elsbeth Bär, Simon Staub und Marc Morten Jaeggi (siehe Bild, v.l.n.r.) gegenüber dem Altstadt-Kurier.
In der Petition werden die bekannten Argumente gegen den Burgerbrater genannt, der in den ehemalige H&M-Laden einziehen will. Die Hauptkritik betrifft den geplanten Take-Away. Die Petitionäre sind überzeugt, dass dies die Hauptursache für Lärm und Abfall in den umliegenden Gassen und Plätzen, so wie am Limmatufer sein werden. Denn die Öffnungszeiten sind die Woche über bis 1 Uhr in der Früh geplant, in der Freitagnacht und in der Samstagnacht sogar bis 5 Uhr am Morgen. In der Anwohnerschaft werden zudem Geruchsimmissionen in den Wohnungen und auf den zahlreichen Dachterrassen, eine schöner gelegen als die andere, befürchtet. Zudem werden die geplanten wuchtigen Kamine als massiver Eingriff ins Ortsbild taxiert. Es gibt sogar Vermieter, die damit rechnen, dass sie dann ihre Wohnungen nicht mehr vermieten können.
Öffentlicher Druck
«Weil der McDonald’s so lange offen hat und er unter den Bögen liegt, befürchten wir das Schlimmste», betonen die vier Anwohnenden. Sie, die wie weitere Personen, Firmen und Zünfte, Re kurs ergriffen haben, erhoffen sich von der Petition öffentlichen Druck. «McDonald’s wollte vor 13 Jahren eine Filiale im Gebäude des Schauspielhauses eröffnen. Später zog McDonald’s, auch wegen der öffentlichen Diskussion, sein Baugesuch zu rück», so Elsbeth Bär und ihre Kollegen.
«Einwendungen sind üblich»
Beim Restaurants-Plan von McDonald’s kommen Bedenken wegen dem Ortsbild hinzu. Tatsächlich wird man die geplanten Abluft-Kamine sogar von der Wühre ennet der Limmat aus sehen. Kein Wunder, sind auffallend viele prominente Namen im Rekurs gegen die Stadt, den Kanton und gegen McDonald’s ausgeführt, Privatpersonen und Firmen, ebenso wie Zunftgesellschaften.
Betont gelassen sind die Antworten von McDonald's auf die Kritik: «Im Zusammenhang mit unserem neuesten Restaurantprojekt sind – wie bei Baugesuchen üblich – einzelne Einwendungen eingegangen. Wir haben diese sorgfältig geprüft und den zuständigen Behörden unsere Stellung nahme eingereicht». Der Hauptsitz in Crissier im Kanton Waadt betont, man halte «an sämtlichen Standorten unserer Restaurants die gesetzlichen Vorgaben zu den Öffnungszeiten konsequent ein». Man sei sehr zuversichtlich, «unsere Gäste bald auch wieder im Niederdorf willkommen heissen zu dürfen».
Der Petitionsadressat und Hausbesitzer, der Versicherungskonzern Swiss Life, äusserte sich gegenüber dem Altstadt-Kurier detaillierter. So habe man für die drei Geschosse viel investiert in eine geeignete Mietersuche. «Zudem ergeben sich durch die Lage des Gebäudes – eingebettet zwischen Ankengasse und Ehgraben – und die Gebäudebeschaffenheit spezifische Anforderungen an Lieferlogistik, Zugangslösungen und interne Erschliessungen». Man habe für die Fläche verschiedene Nutzungen geprüft, unter anderem lokale Gastronomiebetriebe, Textilunternehmen, Dienstleister sowie Barbetreiber. «McDonald's konnte ein Betriebskonzept vorlegen, das zur vorhandenen Struktur passt und die baulichen Rahmenbedingungen der Liegenschaft respektiert».
Auf die Frage, ob die Vermietung einen Imageschaden für die Swiss Life ergeben könnte, geht der Konzern durchaus ein. «Wir nehmen die Einsprachen und die Diskussion rund um das Projekt sehr ernst. Als Eigentümerin ist es uns wichtig, dass sich ein Betrieb gut in die bestehende Nachbarschaft und das gesamte Quartier einfügt und auf deren Bedürfnisse Rücksicht nimmt». Deshalb führe man Gespräche mit interessierten Anspruchsgruppen, um deren Anliegen zu verstehen und den Dialog konstruktiv zu begleiten. «Uns ist bewusst, dass die Lage am Limmatquai, die geprägt ist durch seine kulturhistorische Bedeutung mit den traditionellen Zünften, besondere Anforderungen an Sauberkeit und die Regulierung von Lärm- und Geruchsemissionen mit sich bringt.»
Wackliges Argument?
Gegenüber dem Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat und gegenüber dem Verein Rathausquartier betonte Swiss Life in einem Schreiben zudem, McDonald’s habe etwa in Bern, Luzern und Basel bewiesen, dass man sich erfolgreich in historisch sensible Altstadt-Umgebungen integrieren könne. Ein Argument, das die Gegner nicht gelten lassen wollen. Denn diese Filialen schliessen oftmals schon um Mitternacht, Luzern sogar um 23 Uhr.
Stadt glänzte durch Abwesenheit
Sauer aufgestossen ist den Gegnern des Bauprojekts zudem, dass niemand von der Stadtverwaltung beim Augenschein dabei war. Dieser fand auf Anregung des Kantonalen Baurekursgerichts vor einigen Wochen statt inklusive Begehung der betroffenen Dachterrassen. Dazu die Stadt: «Für die Beurteilung durch die Behörden und Gerichte – auch bei Augenscheinen – ist nicht die Anzahl der anwesenden Personen entscheidend, sondern die Qualität der rechtlichen Argumente». Die Bau- behörde entscheide daher jeweils aufgrund der Komplexität und Eingriffstiefe eines Projekts, in welcher Form sie sich an Rechtsmittelverfahren beteilige.
Die Initianten der Petition geben sich zuversichtlich und kämpferisch. Die eigens designte Website kein-mcdonalds-limmatquai.ch biete viele Argu mente gegen die Baupläne. Die Petition, für die ab dieser Woche gesammelt wird, hat keinerlei politische oder rechtliche Handhabe. Es ist jedoch, je nach Menge an Unterschriften, durchaus ein öffentliches Druckmittel. Schlussendlich werden die Gerichte entscheiden.
Die Rekurrierenden sind entschlossen, über alle Instanzen gegen die McDonald’s-Filiale zu kämpfen. Das kann noch Jahre dauern