"Zuerst eine Reise nach London"

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Gut 16 Jahre haben Katharina und Gerhard Kiniger im Restaurant «Zum grünen Glas» gewirtet. Jetzt treten sie kürzer.

Es ist Freitag um 16.30 Uhr. Bald öffnet das Restaurant «Zum Grünen Glas» an der unteren Zäune 15. Das seit 1845 bestehende Traditionshaus wird voll sein, Hektik und hin und wieder ein ungeduldiger Gast inklusive. Doch Katharina und Gerhard Kiniger sind völlig entspannt. Es sind die letzten Wochen ihrer Berufskarriere angebrochen. Am 24. April ist das Zunftlokal der Riesbächler zum letzten Mal geöffnet. Es stehen grössere Renovations- und Erneuerungsarbeiten an. Geplant ist die Wiedereröffnung im Herbst 2026.

Doch dann wird jemand Neues wirten in diesem weit über Zürich hinaus beliebten und bekannten Restaurant. «Ja, nach 16 Jahren hören wir auf», erzählen Katharina und Gerhard Kiniger. Man habe die Altstadt und die vielen Stammkunden sehr lieb gewonnen. «Aber nun beginnt bald ein neuer Lebensabschnitt». Der Umzug in die Ostschweiz, zurück zu den Wurzeln, sei bereits erfolgt und als Erstes stehe eine kleine Reise an. «Ich war tatsächlich noch nie in London», sagt Gerhard Kiniger dazu mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Wenn die beiden zurückdenken, dann bleibt fast nur Gutes. Schwierig sei aber die Corona-Zeit gewesen. «Und seither nehmen wir schon wahr, dass hin und wieder die Ungeduld vereinzelter Gäste zugenommen hat». Es sei halt eine Zeiterscheinung bei der unruhigen Weltlage.

Wie sieht denn der ideale Gast aus? «Menschen, die mit Freude kommen und mit Genuss bleiben. Respekt, ein freundlicher Umgang und ein bisschen Gelassenheit mitbringen. Gastronomie ist Begegnung und gelingt am besten, wenn beide Seiten offen und wertschätzend sind», zieht Gerhard Kiniger ein spannendes Fazit.

Das Ehepaar Kiniger hat zum Gespräch die Gastrokritik des Altstadt-Kuriers vom April 2010 mitgebracht. Damals dinierten hier Peter Keck und René Ammann – und waren des Lobes voll. Jetzt schliesst sich der Kreis, Katharina und Gerhard dürfen auf 16 höchst erfolgreiche Jahre zu rückblicken.

Eine Frage noch: Wie schafften es die Beiden, so fit zu bleiben? «Wir meldeten uns regelmässig an Walking-Marathons an. So blieb uns am Sonntag oft nichts anderes übrig, als drei Stunden trainieren zu gehen». Vorbildlich.

Übrigens: «Am 11. April gibt es für unsere Stammgäste, Freunde, Bekannte und Mitarbeiter noch ein Verabschiedungsfäschtli», verraten die Beiden. Mittlerweile ist es kurz nach 17 Uhr geworden. Es gäbe noch viel zu erzählen. Doch Katharina und Gerhard Kiniger haben zu tun, wenden sich der Küche und dem Service zu. Bald empfangen sie die ersten Gäste. Mit einem Lächeln, wie immer.

Lorenz Steinmann