Garten fürs Quartier gedeiht

Auch die zweite Dialogveranstaltung der Stadt zu den Neuerungen betreffend Trittli- und Winkelwiese ist auf reges Interesse gestossen.

Elmar Melliger

Diesmal an einem verregneten Samstagmorgen, am 14. März, nahmen auf Einladung von Grün Stadt Zürich (GSZ) dreissig Personen an der Dialogveranstaltung teil, in der Aula der unten ans Grundstück angrenzenden Freien Schule an der Waldmannstrasse 9. Axel Fischer, Bereichsleiter, und Maria Möhrlein, Projektleiterin bei GSZ, informierten über den neusten Stand. Die Anwesenden konnten sich, moderiert von Britta von Wurstemberger («Frischer Wind») dazu äussern.

Bis in drei Jahren erfahren die Grundstücke Trittli- und Winkelwiese und die darauf befindlichen drei Gebäude eine umfassende Erneuerung (Altstadt-Kurier, November 2025). Dabei wird die bisher vorwiegend durch den Elternverein Altstadt genutzte Trittliwiese (geregelt in einem «Gebrauchsleihvertrag» von 1990) mit einem Teil der angrenzenden Winkelwiese verbunden und öffentlich zugänglich gemacht.

Nähert man sich dem Gelände von oben, befindet man sich an der Winkelwiese 10 vor einem unscheinbaren Haus, 1932 errichtet für einen Bankier, heute Villa Winkelwiese genannt. Diese äusserlich schmucklose Liegenschaft macht auf Understatement, birgt einen raffinierten Innenausbau und bleibt entgegen der ursprünglichen Pläne bestehen. Nach den Sanierungsarbeiten wird sie wie bereits seit vielen Jahren an eine Gross-Wohngemeinschaft vermietet, womit ein gutes Dutzend Menschen eine Bleibe erhalten statt wie bei der Baurechtsvergabe von 2008 vorgesehen nur drei Personen. Ebenso aufgefrischt wird das unter Denkmalschutz stehende kleine Gartenhaus.

Sanfte Öffnung
Von oben her betritt man die an die Winkelwiese grenzende Trittliwiese. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten führt ein hindernisfreier Weg in einem weiten Bogen, das Gelände ist in Hanglage, hinunter zum 1852 errichteten Ökonomiegebäude. Dieses ist derzeit privat vermietet und dient dem Elternverein als Geräteschuppen. Neu sollen die vier Lagerräume je an eine Institution aus dem Quartier vermietet werden, dazu der etwas grössere Raum in der Mitte als Gemeinschaftsraum. Das Gebäude erhält Strom, Wasser, eine Toilette, aber keine Heizung. Als Mietinteressenten gemeldet haben sich bisher der Elternverein, der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat und die Freie Schule. Eine Betriebsgruppe wird die gemeinsame Nutzung regeln.

Das letzte Wegstück führt steil hinunter – und ist deshalb mit Rollator oder Rollstuhl nicht passierbar – zum künftigen Nutzgarten, einem Sandkasten und einer von Ranken bewachsenen, Halbschatten spendenden Pergola.

An verschiedenen Stellen im Garten stehen – gemäss Projekt – Sitzbänke und Stühle zur Verfügung, ebenso zwei lange Tische, die für ein Picknick genutzt werden können oder für eine Lesestunde einer Klasse im Freien.

Erlaubt sind auch kleinere Zusammenkünfte, etwa für einen Kindergeburtstag. Grössere Anlässe wie das Trittliwiesenfest des Elternvereins dagegen stellen auf Beamtendeutsch einen «gesteigerten Gemeingebrauch» dar und sind bewilligungspflichtig. Eine Bewilligung zu erhalten ist nur quartieransässigen Institutionen möglich. Denn, das wurde seitens der Stadt immer wieder betont, der Charakter des unter Gartendenkmalschutz stehenden Villengartens als grüne Oase mit ruhigen Nutzungen muss erhalten bleiben.

Und weil eine Fläche als Nutzgarten für den Anbau von Gemüse dient und hier auch Kinder spielen, gilt in der Anlage ein Hundeverbot, ebenso ist Grillieren nicht erlaubt. Geöffnet ist der Garten tagsüber, in der Nacht ist er geschlossen. Grün Stadt Zürich übernimmt die Pflege der Pflanzen und beauftragt den Schliessdienst, Entsorgung+Recycling ist zuständig für die Reinigung der Wege und Beseitigung von Littering, die SIP und die Polizei sorgen für die Sicherheit.

Erhöhter Bleigehalt
Bei Messungen, die im Zusammenhang mit Erneuerungsarbeiten bei Kinderspielplätzen routinemässig durchgeführt werden, ist ein erhöhter Bleigehalt im Boden festgestellt worden, dessen Ursache unbekannt ist. Vermutlich seit Jahrzehnten ist der Bleigehalt auf der Trittliwiese erhöht, wogegen die Werte auf der nur durch Sträucher abgetrennten Winkelwiese innerhalb der Norm sind. Mögliche Ursache für die Erhöhung könnte ein bleihaltiger Dünger gewesen sein, Asche von Holz mit Anstrich einer bleihaltigen Farbe etwa. Darüber kann jedoch nur spekuliert werden. 

Sicher ist, dass nun auf der Trittliwiese die oberste Erdschicht, ca. zwanzig Zentimeter, abgetragen und durch frische Erde ersetzt wird – unter Verwendung des originalen oder möglichst ähnlichen Saatguts. Nicht betroffen ist der Sandkasten. Im Bereich des Wurzelwerks von Bäumen geht man ganz umsichtig vor, um dieses nicht zu beschädigen. Diese Arbeiten verlängern die Bauzeit um einen bis zwei Monate, je nach Wetter: der Boden darf dafür nicht durchnässt sein.

Einstweilen sind die Eltern aufgefordert, darauf zu achten, dass Kleinkinder keine Erde verschlucken, wie gesagt wurde. Das Spielen auf der Wiese ist wegen des Grasbewuchses unbedenklich möglich. Bemerkenswert sind die Werte: Mit 390 Milligramm pro Kilogramm Erde ist der Grenzwert von 300 mg/kg überschritten. Bis September 2025 galt als Grenzwert noch 1000 mg/kg, was keinerlei Folgen für das Bauprojekt gehabt hätte.

Anderthalb Jahre Bauzeit
In diesen Tagen gelangt das Projekt zur Ausschreibung. Wenn der Kredit durch den Stadtrat bewilligt und die Baubewilligung erteilt ist, starten die Bauarbeiten im Mai 2027 und dauern an Gebäuden bis August 2028, bei den Umgebungsarbeiten bis Ende 2028. Die Kosten belaufen sich auf 11 Millionen Franken, wovon 2,7 Millionen Franken auf den öffentlichen Teil der Anlage entfallen. 

Nach der Wiedereröffnung gilt es, den neuen Garten durch die Quartierbevölkerung zu nutzen und zu beleben.