Vorteil für «Alteingesessene»?

Der AL-Gemeinderat Michael Schmid fordert in einem Postulat, dass der Stadtrat seine Vergabepraxis bei Städtischen Wohnungen überdenken soll – im Kreis 1 und mit Rücksicht darauf, wie lange man schon hier wohnt.

Von Lorenz Steinmann
Seit fast genau sechs Jahren vertritt Michael Schmid den Wahlkreis 1+2 im Gemeinderat. Der Software-Ingenieur politisiert für die AL. Er hat sich fast schon schweizweit einen Namen gemacht, weil er sich gegen Laubbläser und die digitale Werbung im öffentlichen Raum wehrt. Für die Werbeindustrie ist er definitiv ein rotes Tuch. Doch das Stimmvolk und der Gemeinderat haben Schmid bisher recht gegeben. Das Laubbläserverbot ist mittlerweile in der Gemeindeordnung verankert und auch bei der digitalen Werbung steht die Mehrheit des Gemeinderats hinter seinem Ansinnen, Werbung im öffentlichen Raum zu verbieten, ausgenommen ist das lokale Gewerbe und die öffentliche Hand. entscheiden muss schlussendlich wohl das Volk.

Daniel Leupi, übernehmen Sie!
Jetzt sorgt Schmid abermals für Aufsehen, zumindest aus Sicht der direkt betroffenen Bevölkerung im Kreis 1. Denn Schmid fordert vom Stadtrat zusammen mit zwei weiteren AL-Politikern eine Ergänzung des städtischen Mietreglements.Dieser und vor allem der zuständige Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) sollen prüfen,  wie die Verdrängung von Personen, welche im Quartier verankert sind, teilweise abgefedert werden kann. Die Möglichkeit soll unabhängig vom bestehenden Mietverhältnis und der Eigentümerschaft der aktuellen Wohnung ausgestaltet werden. Beispielsweise könnte laut Schmid die Vergabe für jene, die in den letzten 12 Jahren während mindestens 10 Jahren im nahen Umkreis zur frei werdenden Wohnung wohnten von der Ausschreibungspflicht ausgenommen oder bei einer Ausschreibung bevorzugt behandelt werden. Selbstverständlich ist für Schmid & Co, dass die Vermietungs-Voraussetzungen, insbesondere bezüglich Belegung und wirtschaftlichen Verhältnissen, erfüllt sein müssen.

Als Begründung gibt Schmid an, dass Wohnungskündigungen weit mehr gefährden als nur die individuelle Wohnsicherheit; sie zerstören über Jahrzehnte gewachsene nachbarschaftliche Beziehungs- und Unterstützungsnetzwerke. Eine lebendige Gemeinschaft bestehe aus den Beziehungen, den Menschen und der Zeit, die sie miteinander teilen. Würden Menschen aus ihrem Quartier und konkret aus dem Kreis 1 verdrängt, breche dieses Gefüge auseinander: Kinder verlieren ihre gewohnten Bezugspersonen und ihr schulisches Umfeld, während Eltern auf die kleinen und grossen Unterstützungsangebote verzichten müssen, die man sich gegenseitig biete. Es sei daher im öffentlichen Interesse, die soziale Kohäsion über alle Generationen hinweg zu schützen. Indem Personen mit einer jahrelangen lokalen Verankerung bei der Wohnungsvergabe bevorzugt werden, könne die Stadt dazu beitragen, diese
wertvollen Sozialräume zu stabilisieren, ist Schmid überzeugt. Die Stadt hat nun bis Ende Juni Zeit für eine Antwort.