Lieber Bänkli als «City Animals»

Die 11. Generalversammlung der Geschäftsvereinigung «Quartier im Eins» verlief sehr lebhaft mit offenen Diskussionen und teils knappen Abstimmungen. Fazit: Gewerbler sind entscheidungsfreudig und durchaus mutig. Im Sinne von «Wer wagt, gewinnt» setzen sie auf die Zeit nach der Bauerei der Stadt.
Von Lorenz Steinmann
«Quartier im Eins» oder etwas mondäner «District one» ist eine Geschäftsvereinigung, die in der Altstadt inhabergeführte Läden vereint. Von A wie Annasaarinen Textilmanufaktur über N wie Neumarkt 17 AG bis zu V wie Velorei und Z wie Zirkusse. Es sind kleine, aber feine Firmen, die einen Besuch für Einheimische wie auch für die Touristen attraktiv machen. Es geht uns doch allen so. H&M, Zara und Konsorten gibt es fast auf der ganzen Welt. Kleine, individuelle Läden sind das Salz in der Suppe. Natürlich ist aber nicht alles so rosig im Alltag. Der Internethandel ist eine Konkurrenz, ebenso wie nachgemachte Billigprodukte aus Fernost. All dieser weltweit spürbare Wandel tat der Stimmung im Keller des Restaurants Chiffon keinen Abbruch. Andrea Polito konnte eine grosse Schar an Mitgliedern und zugewandte Kreise begrüssen an der 11. Generalversammlung am 9. April. Gut 30 Leute sorgten im ehemaligen Weinkeller für ein einladendes Ambiente. Gastgeber war Till Bächtold, der auch zum neuen Kassier gewählt wurde.
Vorbehalte gegen Ausgaben
Präsident Andrea Polito blickte in seiner Rede auf ein Jahr der Neuordnung und Weiterentwicklung zurück. Nach dem Präsidiumswechsel seien im Vorstand Strukturen geklärt und die Zusammenarbeit gestärkt worden: «Es ist eine Chance für einen Neuanfang und einen Aufbruch», was schon fast staatstragend tönte. Dabei stellen die Bauarbeiten im Quartier eine Herausforderung dar. immerhin versuchte «Quartier im Eins», mit den gelben Bauhelmen in den Schaufenstern die Sichtbarkeit trotz Lärm und Schmutz zu stärken. Gleichzeitig wurden wichtige Grundlagen in der Kommunikation (Homepage, Flyer, Instagram-Auftritt) weiterentwickelt. Tatsächlich wirken der Auftritt der Website, die auffälligen gelben Kleber und das Logo sehr frisch, modern und einladend. Polito bezeichnete Anlässe wie den Grillabend, das Lichterfest sowie den regelmässigen morgendlichen Stamm als wichtige Elemente für den Zusammenhalt. Das geplante Eröffnungsfest nach den grossen Tiefbauarbeiten der Stadt in den Gassen wurde auf auf September 2026 verschoben. So ist sichergestellt, dass alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. Bleibt zu hoffen, dass das auch wirklich so ist.
Ein grösserer Anlass gemeinsam mit der Geschäftsvereinigung Limmatquai/Dörfli und dem Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat ist für 2027/2028 vorgesehen.
Beim präsentierten Budget gab es einen Vorbehalt von Barbara Weber vom Travel Book Shop. Sie mahnte, nicht zu viel Geld auszugeben, denn mit den geplanten Ausgaben, etwa für besagtes Abschlussfest schmelze das Vermögen spürbar zusammen. In der Diskussion sprachen sich mehrere Mitglieder dafür aus, gezielt in das Quartier zu investieren, insbesondere nach der Bauphase. O-Ton: «Jetzt investieren und zeigen, dass der Neumarkt lebt, macht mehr Sinn, als einfach Geld zu horten». Der Spar-Antrag wurde klar abgelehnt.
Zusammenarbeit mit Kunstschulen
Sibylla Iten vom Holzhandwerk-Laden «Hobel’ stellte das Projekt «City Animals» der City Vereinigung Zürich vor. Dabei sollen im Sommer 2027 lebensgrosse Holzskulpturen in der Stadt platziert werden. Für den Altstadt-Kurier war das Projekt schon in der Aprilausgabe ein grosses Thema.
In der Diskussion wurden unterschiedliche Meinungen geäussert. Einige sehen darin eine Chance zur Teilnahme an einem städtischen Gesamtprojekt, andere zweifeln an der Wirkung für unser Quartier. Und dann der stattliche Preis. Es wurde betont, dass eigene Projekte eine stärkere Identifikation schaffen. Die Teilnahme wurde knapp verworfen. Nun soll eine eigene Idee weiterverfolgt werden, nämlich Bänke im Quartier zu gestalten. Diese sollen zum Verweilen vor den Geschäften einladen und das Quartier beleben. Thomas Wyss von Never Stop Reading schlugt eine Zusammenarbeit mit der Kunstschule F+F vor, die ZHdK (Hochschule der Künste) könnte ebenfalls angefragt werden. Fazit: Die Bänkli-Idee wurde einstimmig angenommen und wird jetzt weiterverfolgt. Eine produktive GV ging nach 70 Minuten zu Ende. Der von Till Bächtold (Restaurant Chiffon) bereitgestellte Apéro erinnerte an ein edles Bankett in einem Zunfthaus.