Unkompliziert, ehrlich und hausgemacht

Das Gute liegt so nah. Dort wo klassische Aromen auf moderne Interpretationen treffen. Nämlich mitten im Herzen von Zürich – inspiriert von der Küche der Toskana.
Germaine Müller
Der Plan war wie folgt: Mit Freunden beim Italiener in einem hübschen Seitengässchen des Niederdorfs gemütlich draussen einen maximal lauschigen Sommerabend verbringen. Doch es kam ganz anders: Ein Gewitter sondergleichen fegt genau zu dem Zeitpunkt über die Stadt, als wir uns zu Fuss auf den Weg an die Schmidgasse im Niederdorf machen. Die Wassermassen so immens, als wenn ich in Schaffhausen im Rheinfall eine Dusche nehmen würde. Wir hechten durch die Gassen, aber es gibt kein Entkommen. Blitzschnell sind wir alle vier von Kopf bis Fuss pitschnass. Verblüfft über dieses gewaltige Naturereignis retten wir uns schliesslich ins Innere des frisch renovierten Restaurants Toscano. Das Lokal ist schön geworden, registriere ich ganz kurz, werde aber durch den Anblick meiner Begleitung abgelenkt. Zwei Freundinnen, ein Gedanke: ab in den ersten Stock auf die Toilette. Ein Blick in den Spiegel bringt uns zum Lachen, die investierte Zeit fürs sorgfältig aufgetragene Make-up und die Föhnfrisur hätten wir uns wahrhaftig sparen können. Wir lassen uns dadurch aber nicht die Laune nicht verderben und nehmen im Parterre herzlich gerne neben unseren Ehemännern am Tisch 10 Platz.
Es kann losgehen
Nach diesem beschwerlichen Start sind wir nun so was von parat für einen Apéritif. Die Herren entscheiden sich für einen klassischen weissen Martini (11 Franken) und wir Ladies uns für ein Glas Franciacorta (14 Franken/dl). Letzteres ist ein italienischer Schaumwein aus dem Norden des Landes, genauer genommen aus der Lombardei. Dieser wird nach traditioneller Flaschengärung hergestellt, in etwa vergleichbar mit Champagner. Daher wohl auch der etwas höhere Preis, als ich mir von Prosecco gewöhnt bin.
Antipasti, Primi e Secondi
Nachdem wir etwas trocken sind, macht sich der Hunger bemerkbar. Zum Start entscheiden wir uns für «Calamari fritti» (19 Franken), appetitlich serviert in einem asiatisch anmutenden Bambus-Körbchen. Sehr schmackhaft, mit wenig Fett zubereitet, so macht es jedenfalls den Eindruck. Als Ergänzung bestellen wir die «Antipasti misto» (pro Person 24 Franken) zum Teilen. Diese kommen im Nu in mehreren hübschen Schälchen, gefüllt mit Schinken, Mozzarella, Seafood und kleinen Pizzastückchen, auf den Tisch. Alles ist schön angerichtet und schmeckt hervorragend.
Zum Hauptgang wählt meine Freundin die «Tagliolini al tartufo» (34 Franken), zu Deutsch flache, schmale Bandnudeln mit Trüffel. Was für meine Nase eine kleine Herausforderung ist, wird von ihr in höchsten Tönen gelobt und mit grosser Begeisterung verspeist. Ich halte mich da lieber an die klassischen Pilze und bin mit meinen «Tagliatelle ai giallarelli (28 Franken), zu Deutsch flache, etwas breitere Bandnudeln mit würzigen Eierschwämmli, bestens versorgt. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Die Herren entscheiden sich für die «Spaghetti alla vongole veraci» (32 Franken), zu Deutsch ebenfalls Spaghetti genannt, mit Venusmuscheln, Petersilie, Knoblauch und Chili. Die kurze Nachfrage beim Service, ob die Muscheln frisch seien, wird selbstverständlich mit einem «Si certo» beantwortet.
Was fehlt uns noch?
Ach ja, gerne etwas Vino. Die Weinkarte enthält eine ansprechende Auswahl an italienischen Weiss- und Rotweinen. Uns springt jedoch der einzige Nicht-Italiener ins Auge: der Roséwein Miraval (79 Franken/7-dl-Flasche) aus der Provence in Frankreich. Ein bisschen Hollywood-Glamour kann nie schaden, Angelina Jolie und Brad Pitt lassen als Weinproduzenten grüssen.
Nach der Vor- und Hauptspeise sind wir eigentlich satt. Nichtsdestotrotz halten wir zum Abschluss nach etwas Süßem Ausschau. Zur Auswahl steht eine «selezione di piccoli dessert». Dabei handelt es sich um Cheesecake, Tiramisu oder Panna Cotta. Jede der Varianten kommt hübsch dekoriert in einem kleinen Glas daher (8 Franken/Glas). Über die Grösse sind wir alle vier froh, Sie wissen schon, wegen der Bikini- bzw. Badehosen-Figur.
PS: Wir waren übrigens am Folgetag gleich wieder da. Dieses Mal zu zweit und unser Plan vom maximal lauschigen Sommerabend ging vollends auf. Grazie mille al team Toscano.
Ristorante Toscano, Schmidgasse 3, 8001 Zürich, reservieren via Telefon 044 261 54 50 oder online niederdorf.ristorante-toscano.ch. Offen Montag bis Freitag, 11.30 bis 15 Uhr sowie 18 Uhr bis Mitternacht, Samstag 18 Uhr bis Mitternacht, Sonntag geschlossen.