Mitten im (Altstadt-)Leben

1984 haben einige Unerschrockene ein grosses Projekt angepackt und eine Quartierzeitung gegründet, den Altstadt Kurier ins Leben gerufen. Und da ist er immer noch, mitten im Leben, mit nunmehr 40 Jahren.

Wer hätte das gedacht: 40 Jahre! Damals, 1984, fühlten sich die Quartierbewohnerinnen und -bewohner durch die bestehende Zeitung nicht vertreten. Und so beschlossen die Vorstände des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat (QVrdL) und des Rennweg-Quartier-Vereins (RQV), selber eine Zeitung zu gründen, welche den Quartierinteressen besser dient.
Und so erschien nach einer Nullnummer im Mai 1984 die erste Ausgabe des Altstadt Kuriers, damals mit vier Seiten Umfang. Zuvorderst aktiv waren der Präsident des RQV, Peter Keck, und die QV-Präsidentin Annemarie Korn. Georges Müller wirkte als Redaktor, Ursi Strasser-Egger besorgte die Inserate-Akquisition, der Journalist und QV-Vorstandsmitglied Benedikt Loderer präsidierte die ersten elf Jahre den Herausgeberverein. Zu dessen Mitgliedern QVrdL und RQV kamen in späteren Jahren die Geschäftsvereinigung Limmatquai-Dörfli (1992) und der Einwohnerverein Altstadt links der Limmat (1993).
1984, das war noch eine andere Zeit, auch in der Zürcher Altstadt. Durch das Limmatquai donnerten 40-Tönner, wälzten sich Autoschlangen und am Samstag bildeten sich Konvois hupender Sportwagen. Am Neumarkt waren auf den Trottoirs beidseitig Autos parkiert, Hechtplatz und Schifflände dienten bislang ebenso als Parkplätze. In der Altstadt zu wohnen war noch nicht so angesagt, vielmehr zog, wer etwas auf sich hielt, ins Grüne der Agglomerationsgemeinden. Altstadtliegenschaften drohten derweil zu verlottern und es galt sie vor dem Zerfall zu retten. Wohnraum war billig zu haben, die Altstadt war ein Biotop von Leuten, die ohne hohes Einkommen künstlerisch tätig waren, malten, musizierten oder schrieben. Es lebten hier viele, die man als Originale bezeichnete.

Gentrifizierung
Inzwischen kann man in den Altstadtgassen flanieren, wenn man wachsam ist und die Velofahrenden immer mitdenkt, das Limmatquai ist vom Durchgangsverkehr befreit, der Neumarkt ist eine von zu Fuss Gehenden belebte Gasse und sogar der Predigerplatz und ein Teil des Zähringerplatzes ist Fussgängerzone. Der grösste Teil der Liegenschaften wurde saniert und bietet Wohnungen mit Komfort, wenn auch mit beschränktem Aussenraum. Das hat natürlich seinen Preis und eine Wohnung zu finden ist schwierig. Aktuell werden die städtischen Liegenschaften auf die regelkonforme Belegung der Wohnungen hin überprüft, was manchen alt eingesessenen Quartierbewohnerinnen und -bewohnern grosse Sorgen bereitet.
Liegenschaften Stadt Zürich hat bis heute für eine gute Durchmischung in ihren Häusern gesorgt, was etlichen Handwerksbetrieben die Existenz ermöglicht und die Altstadt belebt.
Allerdings mussten anderweitig etliche Inhaber-geführte Läden schliessen, weil Mietpreise und Online-Handel dem stationären Detailhandel zusetzen.

Die Zeitung
Inmitten von alledem: der Altstadt Kurier. Er berichtet seit Jahr und Tag über die Geschehnisse und Entwicklungen in der Altstadt beiderseits der Limmat, über das Quartierleben.
Nach drei Jahren gab der Redaktor Georges Müller seine Aufgabe weiter an Paul Weber und dieser 1990 an den Schreibenden, der das erste Jahr noch zusammen mit Eugen Rieser bestritt.
Die weiteren Akteure wie die Mitglieder der Redaktionskommission haben wiederholt gewechselt, Präsident des Herausgebervereins ist seit 2011 Matthias Senn. – Der Gründergeneration gebührt ein grosser Dank, denn ohne sie wäre der Altstadt Kurier – nach einigen Jahren bescheiden mit dem Zusatz «Weltblatt für den Kreis 1» versehen – gar nie entstanden. Ebenfalls danken möchten wir allen bisher in irgendeiner Art Beteiligten, allen Schreibenden, allen Inserierenden, ohne sie alle ginge es nicht.
Ein besonderer Dank geht an Michael Schädelin, den langjährigen Präsidenten des Herausgebervereins (1998 bis 2011). Er hat die Zeitung mit grossem Engagement und Kompetenz weiterentwickelt. So hat er – auch mit den Ressourcen als Teilhaber einer Werbeagentur – zunächst die Digitalisierung vorangetrieben und der Zeitung 2001 zu einem neuen Erscheinungsbild verholfen. Ebenfalls hat er die Quartierplattform www.zuerich1.ch lanciert, die er bis heute betreut. Auf ihr finden seit 2000 alle Institutionen und Geschäfte des Kreises 1 einen Online-Auftritt. Für all dies sei ihm ganz herzlich gedankt.

Elmar Melliger


Am Sonntag, 14. April 2024, wollen wir das Jubiläum 40 Jahre Altstadt Kurier feiern, im Rahmen des Frühlingsfests, das beim Schulhaus Hirschengraben stattfindet, mit einem kurzen Festakt zwischen 13 und 14 Uhr. (Siehe auch Seite 5.)


Grusswort der Stadtpräsidentin
Welt – Altstadt – Dorf

Seit 40 Jahren verfügt der Kreis 1 über ein Weltblatt. Ausgeleuchtet wird die Welt des Lokalen. Berichtet wird vom Wandel des Quartiers und von Aktuellem links und rechts der Limmat. In der Rubrik «Gastschreiber*in» stellen sich Bewohner*innen vor. Die Altstadt ist Dorf und dank den zahlreichen Besuchenden aus dem In- und Ausland auch Welt. Die Ansage im Zeitungskopf des Altstadt Kuriers trifft die Realität.
Vor 40 Jahren war die Welt weniger digital und weniger vernetzt. Zweifelsfrei bringt die Entwicklung der letzten 40 Jahre viele Vorteile mit sich. Allerdings setzen Digitalisierung und Globalisierung die Medien unter Druck. Das gilt besonders für den Lokaljournalismus. Umso erfreulicher, können die Bewohnenden des Kreis 1 noch immer auf ihre Quartierzeitung zählen.
Der Altstadt Kurier ist vor 40 Jahren gekommen, um zu bleiben, und er ist geblieben – nicht selbstverständlich und ein Glücksfall für Quartier und Stadt.
An gleicher Stelle schrieb am 15. Mai 1984 der damalige Stadtpräsident in
der ersten Ausgabe des Altstadt Kuriers, dass die Altstadt ein Schmelztiegel unterschiedlicher Interessen sei, die sich ergänzen und manchmal auch widersprechen. Thomas Wagners Aussage von 1984 ist auch heute richtig. Nicht alles verändert sich in 40 Jahren. Damals wie heute gilt, dass ein gutes Quartierleben ohne Debatte und ohne Informationen fast unmöglich ist. Im Altstadt Kurier wird debattiert. Der Altstadt Kurier informiert. Er ist eine Bereicherung für Stadtdemokratie und Quartier.
Das Weltblatt gibt es seit 40 Jahren. Seit 34 Jahren verantwortet Redaktor Elmar Melliger den Altstadt Kurier. Dabei kann er auf zahlreiche Personen zählen, die in der Altstadt leben, hier verwurzelt sind und mit ihren unentgeltlichen Beiträgen die Zeitung mit Leben füllen und den Texten Authentizität verleihen. Ihnen allen danke ich für das Engagement.
Dem Altstadt Kurier gratuliere ich ganz herzlich zum Jubiläum. Und bei Ihnen, geschätzte Bewohner*innen, bedanke ich mich dafür, dass Sie dem Quartier den Charme verleihen, der die Altstadtgassen so besonders macht. Die Stadt weiss um den Wert ihrer Altstadt.       

Corine Mauch, Stadtpräsidentin