Was geschieht mit den Pfosten?

Der Werkleitungsbau in der Altstadt rechts der Limmat betrifft alle Gassen. Aktuell kommen Neumarkt, Rindermarkt und Froschaugasse dran. Hier hat es besonders viele kleine Läden. Und kleine Kinder. Und man ist in Sorge wegen der Sicherheit, danach.

Es war anfangs der 1990er-Jahre. Die Sanierung der Kanalisation und der Werkleitungen kam zu einem Ende. Geplant war, die Trottoirs nicht wieder einzurichten. Die Altstadtgassen sollten eine durchgehende Fläche bilden, von Hausfassade zu Hausfassade. Dagegen gab es Widerstand namentlich am Neumarkt, eine rege befahrene Gasse mit viel Verkehr durch Anlieferungen. Gleichzeitig ist das der Schulweg vieler Kinder, die zum Schulhaus Hirschengraben hoch gehen. Und, bedeutender noch, hier ist ein Kindergarten.

Pfosten, geschmückt

Schliesslich kam man überein, beidseitig Pfosten zu setzen, vor dem Kindergarten mit Querstangen verbunden. Die durch die Architektin Gret Loewensberg eigens designten eleganten schlanken Zylinder in Anthrazit boten ab 1991 einen schönen Anblick, der Neumarkt wirkte gepflegt. Um dem Ganzen noch etwas Pfiff zu verleihen, begannen Ladenbesitzerinnen und -besitzer bald, einen Pfosten vor ihrem Haus individuell zu schmücken. Der ansässige Kunstschmied Hans Gautschi hatte alle Hände voll zu tun. Bald standen hier hübsch zurechtgemachte Pfosten, die farbige Punkte setzten.

Einmal bereits waren die Pfosten seither in Gefahr, ihren Schmuck zu verlieren. Unter Bussandrohung durch die Polizei hätten die Dekorationen ein für alle Male verschwinden sollen. Dagegen gab es Widerstand, und der damalige Mediensprecher der Stadtpolizei Marco Cortesi setzte sich persönlich dafür ein, dass die Pfosten bunt bleiben durften. Die Übung wurde abgeblasen.

Pfosten, zur Sicherheit

Nun droht abermals Ungemach. Im Zuge des bevorstehenden Werkleitungsbaus mussten als Erstes gleich mal die Pfosten entfernt werden. So weit, so gut. Nun wurde allerdings bekannt, dass sie nach Beendigung der Arbeiten nicht wieder installiert werden sollen. Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat suchte sofort das Gespräch mit den Verantwortlichen. Inzwischen wurde seitens der Dienstabteilung Verkehr zugesichert, dass sicherlich vor dem Kindergarten am Neumarkt 8 wieder Pfosten gesetzt werden, ebenso weiter oben, wo die Predigergasse in den Neumarkt mündet. Alles Weitere ist noch ungewiss, wird Gegenstand weiterer Gespräche und Verhandlungen sein. 

Es ist ja immer noch so, dass die Pfos­ten nicht nur «für schön» da sind. Pfosten gleichen Typs gibt es etwa auch am Predigerplatz und am Limmatquai bei der Wasserkirche. Sie stehen im Dienst der Sicherheit. 

Zum Kindergarten am Neumarkt ist in der Zwischenzeit noch der Kindergarten beim Schulhaus Hirschengraben dazugekommen, womit hier also noch mehr kleine Kinder als früher unterwegs sind.

Die Gefahren sind beachtlich. Lieferanten befahren den Neumarkt besonders rege bis am Mittag, denn die Zufahrt ist zeitlich limitiert, ausgenommen Zufahrtsberechtigte. 

Unlimitiert sind die Velofahrten. Als offizielle Querungsroute durch die Altstadt brausen manche halsbrecherisch den Neumarkt hinunter, um die sanfte Erhebung weiter vorn am Rindermarkt mühelos zu nehmen. Dass hier nicht mehr passiert, grenzt an ein kleines Wunder.

So ist zu hoffen, dass nach Beendigung der Bauarbeiten im nächsten Frühjahr möglichst viele der eleganten anthrazitfarbenen zylinderförmigen Lebensretter wieder eingepflanzt werden. 

Und dass dann möglichst viele von ihnen wieder einen bunten Punkt setzen und der grauen Eleganz elegant ein Schnippchen schlagen.

Elmar Melliger